Argumentieren in multilateralen Verhandlungen

Institution:

Freie Universität Berlin

Director:

Staff:

Matthias Leonhardt Maier

Jens Steffek

Term:

Jan 01, 2002 — Dec 31, 2004

Zeitraum

2002 - 2004


Projektbeschreibung

Dieses Projekt untersuchte systematisch die Rolle und den Einfluss von Argumentieren (arguing) auf der Basis kommunikativer Rationalität im Unterschied zu Verhandeln (bargaining) auf der Basis stategischer Rationalität in internationalen Verhandlungssystemen, die zur Schaffung internationaler Normen oder Vereinbarungen führen. Die Forschungsfragen lauteten, wie Argumentieren funktioniert und inwieweit sich Argumentationsprozesse auf das Verhandlungsergebnis auswirken. Der Schwerpunkt lag somit auf Überzeugungsprozessen und der Wirkung von Argumenten. Ziel des Projekts war es erstens, zu erklären, in welchem Maße und auf welche Weise Argumentieren den Prozess und die Ergebnisse internationaler Verhandlungen beeinflusst, und zweitens zu spezifizieren, unter welchen Bedingungen Argumentationsprozesse die Akteurswahrnehmungen der Situation und/oder Interessen (Präferenzen hinsichtlich Strategien und Ergebnissen) verändern.

Die empirischen Studien befassten sich mit den Verhandlungen zum Ottawa-Vertrag, zum Internationalen Strafgerichtshof, zur Konvention gegen Kinderarbeit, zum Rahmenabkommen über Klimawandel sowie mit den Überprüfungskonferenzen zum Nichtverbreitungsvertrag. Die Fallstudien verdeutlichten, dass Argumentieren als Mikro-Mechanismus funktioniert, durch den neue empirische Erkenntnisse und normative Prinzipien kommunikativ verbreitet werden. Es konnte gezeigt werden, dass Argumentieren eine Rolle spielt, wenngleich es sich als schwierig erweist, herauszufinden, wie und unter welchen Bedingungen dies der Fall ist. Dennnoch veranschaulichen unsere Ergebnisse, dass Argumentieren zu Lernprozessen der Akteure beitragen kann, in dem Akteure neue Informationen erhalten und ein neues Verständnis von Problemen und Lösungsoptionen entwickeln. Dies kann wiederum zur Reformulierung von Interessen entsprechend neuen empirischen Erkenntnissen und moralischen Standards führen. Durch die Teilnahme an diskursiven Prozessen können sich Situationswahrnehmungen und in der Folge Interessen, Präferenzen und manchmal auch Identitäten von Akteuren verändern.

 


Downloads

  • Ulbert, Cornelia / Risse, Thomas / Müller, Harald (2004), Arguing and Bargaining in Multilateral Negotiations, Paper presented to the Conference on “Empirical Approaches to Deliberative Politics”, European University Institute, Swiss Chair, Firenze 21-22 May 2004.

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  • Risse, Thomas / Müller, Harald (2001): Arguing and Persuasion in Multilateral Negotiations, Grant Proposal to the Volkswagen Foundation, San Domenico di Fiesole / Frankfurt a.M.

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Publikationen

  • Ulbert, Cornelia / Risse, Thomas (2005), Deliberately Changing the Discourse: What Does Make Arguing Effective?, in: Acta Politica, Volume 40, Number 3, September 2005, pp. 351-367.
  • Risse, Thomas (2004), Global Governance and Communicative Action, in: Governance and Opposition, volume 39, issue 2, April 2004, pp. 288-313.
  • Risse, Thomas (2000), "Let's argue!" Communicative Action in World Politics, in: International Organization, volume 54, issue 1, pp. 1-39.