Nach dem Irakkrieg: Die Krise der transatlantischen Sicherheitsgemeinschaft

Risse, Thomas— 2003

Das transatlantische Verhältnis befindet sich in einer tiefen Krise, die jedoch überwunden werden kann. Die transatlantischen Beziehungen können als eine Sicherheitsgemeinschaft analysiert werden, die auf einer kollektiven Identität und gemeinsamen Werten, auf komplexer (ökonomischer) Interdependenz und auf gemeinsamen Institutionen zum Management des Verhältnisses beruht. Während das Interdependenzverhältnis keinen Schaden genommen hat, sind einige Brüche in der kollektiven transatlantischen Identität feststellbar. Am meisten aber haben die gemeinsamen Sicherheitsinstitutionen wie die NATO und ihre normativen Grundlagen wie Konsultation und Multilateralismus unter der Krise gelitten. Die Krise wurde ausgelöst durch unterschiedliche innenpolitische Entwicklungen auf beiden Seiten des Atlantiks, die zu unterschiedlichen Bedrohtheitswahrnehmungen und zu Differenzen bei den präferierten Sicherheitspolitiken führten. Um die transatlantische Krise zu überwinden, ist eine neue Aushandlung der Grundlagen des Verhältnisses notwendig. Voraussetzung dafür ist es, dass Europa eine außen- und sicherheitspolitische Vision entwickelt, die derjenigen der Bush-Administration entgegengesetzt werden kann.

TitleNach dem Irakkrieg: Die Krise der transatlantischen Sicherheitsgemeinschaft
AuthorRisse, Thomas
PublisherDie Friedenswarte (http://www.friedens-warte.de)
Date2003
Appeared InDie Friedenswarte– Journal of International Peace and Organization, Vol. 78, No. 2-3, pp. 173-193.
Languageger
TypeText
Formatapplication/pdf