Steuerungsmöglichkeiten für einen zukunfts- und leistungsfähigen Katastrophenschutzdienst in Schleswig-Holstein unter den Gesichtspunkten der Ehrenamtlichkeit sowie veränderter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen

(OrgaStudieSH)

Institution:

Katastrophenforschungsstelle (KFS)

Außenstelle des Instituts für Ethnologie

Leitung:

Förderung:

Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten Schleswig-Holstein

KooperationspartnerInnen:

Forschungsforum Öffentliche Sicherheit (FÖS)

Projektlaufzeit:

01.06.2014 — 01.01.2015

  • Wie kann der Katastrophenschutz in Schleswig-Holstein angesichts sich wandelnder gesellschaftlicher und finanzieller Rahmenbedingungen sowie sich verändernden Bedrohungslagen aufrechterhalten werden?
  • Wie muss der Katastrophenschutz in Schleswig-Holstein künftig strukturiert sein, um diesen Veränderungen gerecht zu werden?

In der Organisationsstudie „Steuerungsmöglichkeiten für einen zukunfts- und leistungs­fähigen Katastrophenschutzdienst in Schleswig-Holstein unter den Gesichtspunkten der Ehrenamtlichkeit sowie veränderter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Rahmen­bedingungen“ werden Möglichkeiten zur Restrukturierung des Katastrophenschutzes in Schleswig-Holstein analysiert, spezifiziert und auf ihre Anwendbarkeit geprüft. Angesichts ver­änderter Problemlagen (veränderte Bedrohungslagen und veränderte divergente Erwartungen, knappe Haushalts­mit­tel und Perso­nalressourcen, Umstrukturierungen im Bereich des ergänzen­den Katastrophen­schutzes und im Zivilschutz, Veränderungen im ehrenamtlichen Engage­ment, Demographie etc.) steht der Katastrophenschutz im Allgemeinen vor der Frage, wie er in Zukunft aufgestellt sein muss, um den an ihn gerichteten Erwartungen gerecht zu werden.

Das nördlichste Bundesland „zwischen den Meeren“ ist von diesen allgemeinen Veränderungen in spezifischer Weise betroffen (z. B. im Bereich des Küstenschutzes, Überalterung, dem Tourismus usw.) und so sind auch lokalspezifische Antworten zu finden, mittels derer sich unter Berücksichtigung rechtlicher Zielsetzungen und legitimer Erwartungen eine optimale Ressourcenallokation und darüber Effizienzsteigerungen oder Einsparungen erreichen lassen. Eine besondere Herausforderung besteht dabei darin, Sekundäreffekte adäquat zu berücksichtigen, denn der Katastrophenschutz leistet in seiner gegenwärtigen Konzeption über seine Trägerorganisationen (Feuerwehr, DRK, Johanniter, Malteser, DLRG, THW, ASB, Bundeswehr) hintergründig äußerst wertvolle Beiträge etwa in Bezug auf den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Investitionen in den Katastrophenschutz – in Form von Finanzmitteln, aber auch in Form von Zeit im Rahmen des professionellen und freiwilligen Engagements – haben also einen weit über die Primärfunktionen des Katastrophenschutzes hinausgehenden Wert. Eine weitere besondere Herausforderung ergibt sich daraus, dass an den Katastrophenschutz weitgehend unspezifische und sehr heterogene Erwartungen gerichtet werden, während den im Bereich des Katastrophenschutzes engagierten Akteuren klare Schutzziele fehlen.

Das Ziel der Studie ist es, potentielle Handlungsfelder aufzudecken sowie Lösungs­stra­tegien und konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, welche unter bestehenden und zukünftigen Herausforderungen einen handlungsfähigen Katastrophenschutz in Schleswig-Holstein gewährleisten können. Ausgehend von bislang wenig spezifizierten, also zukünftig weiter zu konkretisierenden Schutzzielen und Leistungsanforderungen und der Klärung von Aufgabenbereichen sind strukturelle Änderungen zu analysieren (z.B. Überalterung, Änderungen im Katastrophenschutzdienst, veränderte Bindungsbereitschaften im freiwilligen Engagement, Abschaffung des Zivildienstes, zivil-militärische Zusammenarbeit, etc.) und neue Lösungswege aufzuzeigen (z.B. die Vergabe von Aufgaben an kommerzielle Dienstleister, Private Public Partnerships, Entwicklung von Kommuni­kationsstrategien zur Darstellung der Leistungen des Katastrophenschutzes etc.), Synergien über Organisationen und Verwaltungsgrenzen hinweg zu stärken und Übertrag­barkeiten sowie Lernpotentiale zu identifizieren. Als tragende Säule des Katastro­phen­schutzes müssen dabei die Trägerorganisationen des Katastrophenschutzes sowie unterschiedliche Formen freiwilligen Engagements (Ehrenamt, ungebundene und Ad-hoc-Helfer, Nachbarschaftshilfe, Freiwilligendienste, etc.) in besonderer Weise berücksichtigt werden.

Mittels wissenschaftlich erprobter Methoden (Literaturstudium, Experteninterviews, Workshops, Szenariotechnik) werden gemeinsam mit sektoralen und lokalen Experten des Katastrophen­schutzes aus Politik und Praxis in einem strukturierten Verfahren (als sog. „Co-design-Verfahren“) die Ausgangsbedingungen definiert, Handlungsfelder erfasst und Lösungsstrategien erarbeitet. Die von Seiten der Antragsteller dann aufbereiteten Ergebnisse werden von den Experten im Rahmen eines Fachworkshops nochmals hinsichtlich der Realisierbarkeit und Effektivität für den Katas­trophen­­schutz bewertet und in drei Zukunftsszenarien hinsichtlich möglicher Auswirkungen veranschaulicht. Neben konkreten Handlungsoptionen generiert die Studie somit auch Orientierungswissen, das die weitere Diskussion über die Ausrichtung des Katastrophenschutzes erleichtert.

Angestrebte Ziele

  1. Analyse aktueller internationaler und nationaler Forschungsvorhaben und Veröffentlichungen unter Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen, der föderalistischen Einbindung, des Katastrophenschutzes in Schleswig-Holstein, seiner Organisationsstruktur und der Finanzierung und Ausstattung zu den Themen

1.1.       Risiken und Gefahren im 21. Jahrhundert

1.2.       Schutzziele und Leistungsanforderungen an den Katastrophenschutz

1.3.       Selbstschutz und Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung

1.4.       Wahrnehmung des Katastrophenschutzes vonseiten der Bevölkerung

1.5.       Formen und Entwicklungen im professionellen und freiwilligen Engagement

1.6.       Vergleich von Reformansätzen im Katastrophenschutz bundesweit und international (bspw. Österreichische Strategie 2020)

1.7.       Kooperationen mit kommerziellen Dienstleistern (PPP)

1.8.       Kooperationen über Landes- und Bundesgrenzen hinaus

  1. Bestandsaufnahme der Situation der Trägerorganisationen
  2. Auflistung und Priorisierung bestehender Problemfelder aus Sicht der Trägerorganisationen unter besonderer Berücksichtigung der acht oben genannten Themen
  3. Lösungsvorschläge aus Sicht der Trägerorganisationen
  4. Ergebnisse des durchgeführten Fachworkshops mit Experten der Trägerorganisationen
  5. Maßnahmenkatalog auf Basis der Analysen und Experteninterviews zur Optimierung des Katastrophenschutzes mit Bewertungsraster und darüber hinaus­gehen­de Empfehlungen
  6. Drei Szenarien zu zukünftigen Entwicklungen des Katastrophenschutzes in Schleswig-Holstein bis 2030 unter Annahme der Realisierung der erarbeiteten Maßnahmen