Allgemeines

Adresse: Arbeitsstelle Medizinethnologie / Medical Anthropology

Institut für Ethnologie
Landoltweg 9-11
14195 Berlin

Leitung: Prof. Dr. Hansjörg Dilger
Tel.: +49(0)30-838 56872
E-Mail: hansjoerg.dilger@berlin.de

Über die Arbeitsstelle

Die Medizinethnologie hat sich im deutschsprachigen Raum als eigenständige Subdisziplin der Ethnologie etabliert. Im Anschluss an die englischsprachige Medical Anthropology, die in den USA und Großbritannien zu den stärksten Forschungsrichtungen der Sozial- und Kulturanthropologie zählt, untersucht sie all diejenigen Phänomene, die in Gesellschaften und Kulturen weltweit mit Krankheit, Gesundheit und Heilung verbunden sind. Der am Institut für Ethnologie vertretene Ansatz der kritisch-interpretativen Medizinethnologie schließt nicht nur die Erforschung und Analyse medizin- und gesundheitsbezogener Praktiken, Institutionen und Ideen in ‚nicht-westlichen’ Gesellschaften ein. Er bezieht sich auch auf die Analyse der vielschichtigen Artikulationen von Biomedizin und anderer Formen von Medizin und Heilung in den europäischen und nordamerikanischen Gesellschaften selbst.

 Mónica aus Chile: krank und illegalisiert in Berlin.

Mónica aus Chile: krank und illegalisiert in Berlin. Foto: Tillmann Engel

Ein Schwerpunkt der am Institut vertretenen medizinethnologischen Forschungen liegt auf den Rekonfigurationen von Medizin und Heilung, die mit den Transformationen von Gesundheitssystemen und medizinischen Wissenslandschaften im Kontext globaler und transnationaler Verflechtungen verbunden sind. Viele dieser Fragen verdichten sich in globalen Epidemien wie HIV/AIDS, die gerade im subsaharischen Afrika zu tiefen Einschnitten im gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben geführt haben. Insbesondere werfen Krankheiten wie AIDS Fragen nach Fürsorge und sozialen Beziehungen sowie nach dem Zugang zu Gesundheitsversorgung und gesellschaftlicher Teilhabe (Citizenship) neu auf.

Ein weiteres Arbeitsfeld der Medizinethnologie ergibt sich aus dem Themenkomplex Migration und Gesundheit, der nicht nur eine Mobilität von PatientInnen und Gesundheitsfachkräften impliziert, sondern auch von (teils religiös basierten) Heilungsideen und -praktiken. Schließlich sind MedizinethnologInnen an der Entstehung transnational verflochtener Heilungsmärkte und (den Politiken) der Standardisierung bzw. Nutzbarmachung alternativer Medizinformen, sowie an der Neuordnung reproduktiver Beziehungen im Kontext demographischer und epidemiologischer Verschiebungen interessiert.

Rituelle Segnung pflanzlicher Medizin in Kalebassen, Muheaza, Tansania.

Rituelle Segnung pflanzlicher Medizin in Kalebassen, Muheza, Tansania. Foto: Dominik Mattes

Alle diese Fragen betonen die wechselseitige Konstitution von Medizin / Biologie und Gesellschaft / Kultur, die von EthnologInnen mit Bezug auf die in diesen Prozessen implizierten Machtbeziehungen, Wissenshierarchien und (moralischen, politischen, ökonomischen) Positionierungen unterschiedlicher Akteure untersucht wird. Gleichzeitig verweisen diese Themenfelder auf die Notwendigkeit, diese Fragen aus einer breiten sozial- und kulturanthropologischen Perspektive heraus – und unter Einbeziehung theoretischer und methodologischer Erkenntnisse anderer Ethnologiebereiche (z.B. Religions-, Wirtschafts- und Politik- bzw. Rechtsethnologie) – zu untersuchen.