"Mediziner werden" in Ägypten: Erfahrungen von Medizin-Studierenden in Kairo

Biomedizin in Aegypten
Biomedizin in Aegypten

Mustafa Abdalla

In den letzten Jahrzehnten hat die Medikalisierung in Ägypten stark zugenommen, d.h. immer mehr Menschen lassen sich biomedizinisch behandeln. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass große Teile der Bevölkerung nach alternativen Therapieformen suchen. Dieses Paradox lässt sich durch das Ansteigen von Kunstfehlern und einem schwindenden Vertrauen in Ärzte und die Biomedizin allgemein erklären.

Das Forschungsprojekt untersucht die Arztausbildung von Studierenden in Ägypten. Sie beginnen ihr Studium an der Universität mit viel Enthusiasmus und dem starken Wunsch, biomedizinisches Wissen zu erwerben. Dieser Idealismus schwindet mit zunehmenden Schwierigkeiten, die die Ausbildung mit sich bringt: überfüllte Seminare, kaum Kontakt zu Patienten, geringe klinische Erfahrung. Um diesen Mängeln zu begegnen, suchen viele Studierende private Nachhilfe außerhalb der Universität. Andere mobilisieren "gute Beziehungen" (wasta), um sich das Examen zu erleichtern und einen erfolgreichen Abschluss zu sichern.

Wasta ist der arabische Begriff für Günstlingswirtschaft. In Ägypten wird er häufig durch das Wort Koussa = Zucchini ersetzt. So wundert sich der Mann im Cartoon unten: "Zucchini kosten 4 Pfund? Warum? Wir leben doch im Land der Zucchini!"

Dinge können zwar vorhanden sein, ohne die richtigen Kontakte wird ihr Erwerb jedoch teuer. Ähnlich verhält es sich mit dem Medizinstudium: Die beste Voraussetzung für das Bestehen des Examens ist nicht das medizinische Wissen der Studierenden, sondern die "guten Beziehungen", die sie zu Professoren und Patienten, den sog."Prüfungsfällen" aufbauen.

Förderung: Initiativmittel der Forschungskommission der FU Berlin

Betreuung der Dissertation: Prof. Dr. Ute Luig