Krankenversicherung und soziale Sicherung in Senegal

Krankenversicherung und soziale Sicherung
Krankenversicherung und soziale Sicherung

Angelika Wolf

Im Rahmen der ökonomischen Krise der 1980er Jahre mussten viele Länder in Afrika ihre Budgets für Sozialausgaben reduzieren und Gebühren für die Behandlung in den staatlichen Gesundheitseinrichtungen einführen. Damit konnten sozial und ökonomisch Schwächere diese Leistungen nicht mehr bezahlen. Um die Bevölkerung vor den hohen Kosten zu schützen, werden derzeit weltweit gemeindebasierte Krankenversicherungen eingeführt.

Die Studie zeigt, dass diese Krankenkassenmodelle nur eine Form der Absicherung gegen Krankheit und soziale Not sind. Krankenkassen finanzieren sich in westlichen Ländern aus Beitragseinnahmen und Steuern des formellen Arbeitssektors. Daher stellt ihre Übertragung in eine Gesellschaft, in der 80% der Bevölkerung als Bauern, Händler u.a. im informellen Sektor tätig sind, eine Herausforderung dar. Auch die bürokratische Arbeitsweise der Krankenkassen sowie der (potentielle) Konkurrenzkampf unter den Vorsitzenden wirken abschreckend auf die Bevölkerung. Darüber hinaus existieren im urbanen Senegal neben den Krankenkassen weitere Möglichkeiten sozialer Absicherung. Dazu gehören Familienverbände, berufliche und nachbarschaftliche Spargemeinschaften und auch religiöse Vereinigungen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass lokale Sicherungsstrategien auf dem Prinzip von „dimbalanté“ beruhen. Dieser Begriff aus der Wolofsprache bedeutet „Sich gegenseitig helfen“. Gemeint ist damit, dass eine geleistete Hilfe (Feste, Notfälle) zu einem späteren Zeitpunkt durch eine andere Unterstützung erwidert wird. Bei den Krankenkassen ist dies nur bei einer Erkrankung der Fall; wer gesund bleibt, „hat sein Geld verloren“. Zufriedenheit mit dem Versicherungsprinzip erfolgt allerdings, sobald jemand im Krankheitsfall die finanzielle Unterstützung einer Krankenkasse - und damit dimbalanté - erfahren hat.

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), SFB/FK 560 Bayreuth

Betreuung der Dissertation: Prof. Dr. Ute Luig / Prof. Ekkehard Nagel

Publikationen

  • Wolf, Angelika: Health security on the move: Biobureaucracy, solidarity and the transfer of health insurance to Senegal. In: Dilger, H., A. Kane und S. Langwick (Hg.): Medicine, Mobility, and Power in Global Africa. Transnational Health and Healing. Bloomington: Indiana University Press, 92-114.