Pilotstudie zur rituellen Heilerlandschaft der Monpa im Medizinpluralismus von Dirang und Tawang (Arunachal Pradesh, Indien)

Yumin Tsering
Yumin Tsering

Dr. Mona Schrempf

Die ethnographische Pilotstudie dient einer ersten Bestandsaufnahme der rituellen Heilspezialisten und ihrer Praktiken im bislang unerforschten Medizinpluralismus des nordost-indischen Himalayas. In dem kulturell tibetisch beeinflussten Gebiet der Monpa von Dirang und Tawang wird untersucht, welche Arten von Heilern welche Heilpraktiken anwenden, und wie Heilwissen weitergegeben wird bzw. ‘erfahren’ wird. Desweiteren wird untersucht wie Heilung im Spannungsfeld zwischen verschiedenen Kosmologien und zwischen tibetischem Buddhismus und Volksreligion verhandelt wird. Die Frage nach den sozialen, medizinischen und religiösen Rollen der Heiler soll unter verschiedenen epistemologischen Gesichtspunkten untersucht werden, wobei unsere Begrifflichkeiten von ‘Medizin’ und ‘Religion’ hinterfragt und emische Klassifizierungen herangezogen werden. Außerdem werden die sozialen Beziehungen zwischen Heilern und Patienten und dem staatlichen Gesundheitssystem untersucht.

Wie andere ethnisch oder kulturell tibetische Gesellschaften praktizieren die Monpa vergleichsweise ähnliche und doch in lokal ungewöhnlicher Dichte und Spezialisierung neben tibetischer Medizin insbesondere diverse Heilrituale, die von rituellen Spezialisten wie  ‘bonesetter’, ‘Schamane’ (yumin), ‘Orakelheiler’ (kuten), bonpo, Tantriker (ngagpa) und lama durchgeführt werden. Die Vielfalt der rituellen Heiler ist zwar mit Ladakh und Nepal vergleichbar, jedoch in diesem Gebiet gänzlich unerforscht. Sehr viel seltener oder nur noch vereinzelt und im Verborgenen ist sie in China und im indischen Exil vorzufinden, wo diese Heilpraktiken weitgehend durch Säkularisierungspraktiken des chinesischen Staates bzw. durch westliche aber auch ‘verwissenschaftlichte’ tibetische Medizin verdrängt wurden. Biographisch ausgerichtete Interviews mit den Heilspezialisten bzgl. Heilwissen und -praxis und den Patienten sowie teilnehmende Beobachtung von Heilritualen bilden die Hauptmethoden dieses Projekts. Die Ergebnisse dieser ersten dreimonatigen Feldforschung sollen als Basis für eine zukünftige, vergleichende Analyse der rituellen Heilerlandschaft der Monpa von West-Arunachal Pradesh und Ost-Bhutan dienen, in der medizinethnologische Schlüsselthemen von ‘agency’, ‘Verkörperung’, ‘Ermächtigung’ sowie therapeutischer ‘Effektivität’ aber auch die Einflussnahme der Biomedizin auf lokale Kontexte im gegenwärtigen sozialen Wandel der Monpa und ihrer Nachbarn in den benachbarten Grenzgebieten untersucht werden sollen.

(Beantragt als Sachbeihilfe bei der DFG)