Arbeitsbereich Politik- und Rechtsanthropologie

Leitung: Prof. Dr. Olaf Zenker 

Über den Arbeitsbereich

Die kritische Untersuchung politischer und rechtlicher Prozesse und Strukturen in ihren wechselseitigen Verschränkungen bildet den Kern des Arbeitsbereichs Politik- und Rechtsanthropologie. Im Fokus stehen soziale Kämpfe um Zugehörigkeiten und Rechtsansprüche (u.a. an materiellen Ressourcen), physische und symbolische Gewalt, umstrittene Prägungen von individuellen und kollektiven Identitäten, die Legitimität von Herrschaft und Ungleichheit, Kämpfe um die Definitionsmacht von Werten, Normen und kollektiven Zielsetzungen, und die normative Bewertung und Sanktionierung von Praktiken durch Verweis auf Legalität und (angeblich) geltende Regeln im Kontext zunehmend globalisierter un/freiwilliger Mobilitäten, Interdependenzen und Hybridisierungen. Dabei liegt sowohl in theoretischer als auch empirischer Hinsicht ein besonderer Schwerpunkt auf der Bestimmung und Analyse des spannungsreichen Verhältnisses von „Politik“ und „Recht“.    

Der Landgerichtshof in Randburg, Südafrika. Foto: Olaf Zenker

 

Im Rahmen des am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie vertretenen kritisch-praxeologischen Ansatzes werden ethnographische Forschungsprojekte zu einer Vielzahl von Themen durchgeführt. Regional sind diese gleichermaßen im „Globalen Süden“ wie im „Globalen Norden“ angesiedelt, wobei ein besonderes Augenmerk auf translokalen Vernetzungen und der transnationalen Zirkulation von Personen, Ideen und Artekfakten liegt. Hierbei wird die eigene Positionalität als soziokulturell und historisch verortete Forscher*innen in einer von Machtasymmetrien gekennzeichneten Wissensproduktion theoretisch reflektiert und rekursiv in die eigene Forschungspraxis eingebracht. Die politische Kritik der eigenen Forschungspraxis fügt sich ein in ein Selbstverständnis, welches Untersuchungsgegenstände nicht nur politik- und rechtsanthropologisch analysieren, sondern auch im Sinne einer engagierten Anthropologie politisch und rechtlich beeinflussen möchte.   

  

Ndzundza Ndebele King Mahlangu beim Nyabela Day 2012 in Roossenekal, Südafrika. Foto: Olaf Zenker