Institut für Ethnologie

Umweltanthropologie

AdresseLandoltweg 9-11
14195 Berlin
Telefon(030) 838 56505
E-Mailu.froemming@fu-berlin.de
LeitungProf. Dr. Urte Undine Frömming

 

Über die Arbeitsstelle

Im Zentrum der Arbeitsstelle Umweltanthropologie stehen sozial-anthropologische Forschungsfragen der Klima- und Katastrophenforschung in einer europäischen und außereuropäischen Perspektive mit einem Fokus auf afrikanischen und asiatischen Ländern. In vergleichender Perspektive werden kulturelle und soziale Prädispositionen der unterschiedlichen Naturwahrnehmung und Naturaneignung untersucht und Strategien der Mitigation von Naturgefahren sowie die Bewältigung von Naturkatastrophen analysiert.

 

© Christian Reichel, Indonesien

 

Die Arbeitsstelle hat drei verschiedene Schwerpunkte, die sich gegenseitig ergänzen, aber auch unabhängig voneinander bestehen können.

Ausgehend von der Vielfalt kultureller Konstruktionen von Natur befasst sich der Arbeitsbereich mit sozialanthropologischen Untersuchungen zum Verhältnis von Mensch und Natur. Im Unterschied zur bloßen Environment-Forschung spielen religionsethnologische Fragestellungen, in denen Mythen und Weltbilder im Kontext der Aneignung und Nutzung von Natur untersucht werden eine große Rolle. In wie fern ökonomische Verhaltensmuster im Bezug auf die Aneignung von Natur abhängig sind von religiösen und moralischen Deutungen von Natur, wird dabei genauso untersucht wie politisch geprägte Rituale in Bezug auf Natur und Naturkatastrophen. Besonderes Interesse kommt hier den Unterschieden zwischen nicht-industrialisierten Gesellschaften und industrialisierten Gesellschaften zu. Inwieweit die Moderne das Verhältnis der Menschen zur Natur verändert, wie diese wahrgenommen und imaginiert wird, gehört zu den zentralen Fragen einer interkulturell angelegten Umweltanthropologie (Environmental Anthropology).

Darin eingeschlossen sind Auseinandersetzungen mit Problemen der Landschaftsgestaltung, sei es nun in religiöser, ästhetischer oder wirtschaftlicher Perspektive. Landschaft - als Teil von Natur und Kultur - ist von Menschen gestaltete Natur, die kulturelle Artefakte ebenso wie religiöse Monumente umfasst. Die Analyse von heiligen Orten und heiligen Landschaften erlaubt nicht nur Einblick in kulturspezifische Weltbilder, sondern auch in den Zusammenhang von Natur, Religion und Tourismus. Angesichts des boomenden Pilgerreisen-Marktes ergeben sich hier interessante Einblicke in die Vermarktung heiliger Orte/heiliger Landschaften. Die Arbeitsstelle ist im Exzellenzcluster Topoi mit Forschungsprojekten innerhalb der Reserach Area C („Acts“) beteiligt.

Zentrale Forschungsziele sind außerdem das Verständnis der globalen Komplexität der kulturellen Bedeutung von Naturgefahren, Katastrophen und Klimawandel sowie die Analyse kulturell divergierender Strategien der Prävention, der Mitigation, der Interpretation sowie der Gefahren- und Katastrophenbewältigung. Eine große Rolle spielt dabei die Untersuchung des lokalen Wissens sowie der Wahrnehmung und Bewertung von Klimakrisen und Naturkatastrophen in Beziehung zu sozio-ökonomischen und politischen Maßnahmen (Wiederaufbau, Flüchtlingsströme, Umsiedlung, Regionalplanung, Nachhaltigkeitsstrategien), aber auch religiöse/rituelle und mythologische Verarbeitungsstrategien. Diese Fragstellungen verfolgt unter anderem das ethnologische Teilprojekt im BMBF Projekt "Alpine Naturgefahren im Klimamandel". Angesichts der globalen Einbettung von Naturkatastrophen, die zwar lokal geschehen, aber global rezipiert werden, werden die Politik der Katastrophenhilfe und die damit verbundenen organisatorischen Dilemmata einer kritischen Analyse unterzogen. Dazu gehören auch die Selbstreflexion der ethnologischen Forschung sowie die Vermittlung bei bestehenden Konflikten zwischen lokalem kulturtechnischem Wissen und globalem naturwissenschaftlich fundiertem Wissen. Wenig aufgearbeitet sind bisher historische Untersuchungen, die sich mit der Beziehung von Naturkatastrophen und Gewalt sowie mit apokalyptischen Erwartungen beschäftigen. Hier will der Arbeitsbereich innovative Fragestellungen verfolgen, die Natur, globalen Umweltwandel und Katastrophen bewusst in Feldern der Macht zwischen Ressourcenansprüchen oder um Nachhaltigkeitsstrategien verorten.