Africa Online: Audio-visual emancipation or virtual westernization?

Kani Tuyala (PhD project, funded by DAAD: Promos), Supervision / Betreuung: Prof. Dr. Undine Frömming

Geplante Projektlaufzeit: Oktober 2010-2013

 

English Abstract:

Kani Tuyala’s research project reads „Africa Online: Audio-visual emancipation or virtual westernization?”  and among others, it is based on the cooperation with the Kenyan Media company A24 Media. Through an adequate and contemporary methodology the aim is to scientifically analyze the dictum of “media as a motor of social and political transition” – in an African and virtual context.  Even to “leapfrog” whole stages of ‘development’ now seems possible for several parts of the African continent.

The potential of online-communication to overcome the biased  and all to frequent  single-sided perception of the mystified African continent, forms a further vital pillar of the thesis – not least because both emphases describe two sides  of the same coin. Due to the issues’ and the African continent’s complexity , the research project ‘Africa Online’ focuses on the state of Kenya and local online-initiatives (A24 Media, Ushahidi etc.), with the potential to ensure a scientifically funded analysis. Furthermore, besides representatives of the corresponding faculties of the university of Nairobi, also the opinions and estimations of journalist e.g. from the ARD Studio in Nairobi will be considered, to ensure a holistic approach to the topic.

 

German Summary:

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts, steht eine sowohl aus ethnologischer als auch aus gesellschaftspolitischer Perspektive bedeutsame Fragestellung: die Erforschung von Transformations- und Aneignungsprozessen, wie sie sich im Rahmen rezent verbesserter Zugangsmöglichkeiten zum Internet seit September 2009 in Ostafrika ergeben. Als rasant werden dabei bisher meist im Rahmen politik-bezogener Studien, die Veränderungen beschrieben, wie sie sich mit der Einführung neuer Kommunikationstechnologien im sub-saharischen Afrika ergeben.

 

Nairobi, Cyber Café, Foto: ©Kani Tuyala 2010

In manchen Studien wurde bereits das „Überspringen“ ganzer Entwicklungsstufen  (engl: leapfrogging) für den Kontinent prognostiziert. Jenseits solcher, vorwiegend auf der Makro-Ebene getroffener Aussagen, die sich mit der im Sept. 2009 abgeschlossenen ersten Verlegung eines Breitband-Unterseekabels vor Ostafrika zu erfüllen scheinen (weitere folgten und werden folgen), fehlt es jedoch an Mikrostudien, die die im Alltag von Nutzern eintretenden Veränderungen (ebenfalls im Hinblick auf die neuen Möglichkeiten als auch mit Blick auf die Restriktionen) beschreiben würden. Des Weiteren fehlen gesicherte Erkenntnisse über die Nutzung des Internets durch spezifische Organisationen und lokal gegründete Medienunternehmen, die dieses Medium als eine neue Form der visuellen Selbstrepräsentation nutzen, welche gerade auch im Kontext der Darstellung Afrikas auch  eine neue Möglichkeit zur Revision einer verzerrten Fremdwahrnehmung und überkommener Stereotypen im Markt globaler Nachrichten und Bilder zu ermöglichen scheint.

 

A24 Media, Kenia. Foto: ©Kani Tuyala 2010

Es bietet sich somit die Möglichkeit durch den kreativen Umgang mit- und die Adaption von moderner Informations- und Kommunikationstechnologie Einfluss auf den Haushalt des audio-visuell generierten Wissens zu nehmen, die Bedeutung überkommener Stereotype nachhaltig zu transformieren und bisher nicht gekannte gesellschaftliche Wandlungsprozesse anzustoßen. Auch in Tradition des Ökonomen Joseph Alois Schumpeter und seinem Diktum der ‚schöpferischen Zerstörung‘ wird Adaption, doch vor allem daraus resultierende Kreativität und Innovationskraft, als eine fundamentale Säule sozio-ökonomischer Entwicklung betrachtet. Der in diesem Zusammenhang stehende Wirkungsgrad der Internettechnologie als ‚transformativem Medium‘ und auch eine damit einhergehende kreativ veränderte Fremd- und auch Selbstwahrnehmung ‚Afrikas‘ kann daher als Werkzeug einer nachhaltigen sowohl kulturellen, als auch politischen und wirtschaftlichen Entwicklung verstanden werden.

Das Forschungsprojekt konzentriert sich auch aus diesem Grund auf afrikanische Medienunternehmen und ihre Nutzung des Internets sowie mobiler Medien. Neben der damit verbundenen Bild- und Inhaltsanalyse wird die Untersuchung durch „klassische“ ethnologische Feldforschung ergänzt. So soll beispielsweise das Medienunternehmen A24 Media in Kenia untersucht werden.  Diese genuin afrikanische Unternehmung nutzt das Internet als Onlineplattform zur Verbreitung und zum Verkauf von Videomaterial afrikanischer Journalisten, broadcaster und NGOs, wobei es sich u.a. der Aufgabe verschrieben hat, der Welt ein ganzheitlicheres Bild Afrikas anzubieten. A24 versteht sich daher als „An African Voice telling the African Story.” Diese selbst gestellte Aufgabe, Afrikanern eine neue Stimme zur Repräsentation der eigenen Geschichte und Gegenwart zu geben und somit Wandel in vielfältiger Hinsicht anzustoßen, wird innerhalb des Forschungsprojekts im Kontext rezenter medienethnologischer Untersuchungsansätze erforscht und somit der hohe eigene Anspruch einer evtl. divergierenden Realität gegenübergestellt. Dabei soll nicht nur der Geschichte des Unternehmens und den biographischen Zusammenhängen seiner Begründer und Mitarbeiter näher auf den Grund gegangen werden, sondern auch den täglichen Arbeitspraxen und Herausforderungen im Alltag der Medienproduktion nachgespürt werden.

 

A 24 Media Kenia, Foto: ©Kani Tuyala 2010

Darüber hinaus werden als Beispiele des innovativen Umgangs mit der adaptierten Technologie das in Kenia entwickelte mobile Bezahlsystem ‚M-Pesa‘, sowie die auf ‚Free and Open Source Software‘ basierende und ebenfalls in Kenia, nach den Unruhen im Zusammenhang mit den Wahlen im Jahr 2007, entwickelte Onlineplattform ‚Ushahidi‘ (Swahili für ‚Augenzeuge‘) analysiert. Sinnvoll erscheint es diesbezüglich anhand eines Teilprojekts und der Analyse des ‚Projekts Seacom‘, dem Glasfaser-Anschluss Ostafrikas an das digitale Zeitalter im Jahr 2009, zunächst das Internetverhalten ostafrikanischer ‚User‘ zu untersuchen und somit zunächst die grundsätzliche Frage ‚How World Wide is the Web? ‘ zu stellen. Hier werden z.B. auch Fragen nach der Rückbesinnung auf das Lokale, innerhalb der globalen Möglichkeiten gestellt. Das Projekt verspricht dabei in verschiedener Hinsicht neuartige Erkenntnisse für die medienethnologische Forschung.