Dr. Roderick Galam

Dr. Roderick Galam Ph.D.

Institut für Sozial- und Kulturanthropologie

Wissenschaftlicher Mitarbeiter aus Drittmitteln (Prof. Dr. Röttger-Rössler); Lehrbeauftragter im SoSem 2016

Aufgabenbereich

Leitung des DFG-Projekts "Arbeiten um Arbeit zu bekommen: Zeitlichkeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsnavigation junger Filipinos"

Adresse Landoltweg 9-11
Raum 106
14195 Berlin
Telefon (030) 838 59721
E-Mail galamrg@zedat.fu-berlin.de

DFG-Projekt: Arbeiten um Arbeit: zu bekommen Zeitlichkeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsnavigation junger Filipinos

 

Zusammenfassung

Dieses Projekt untersucht wie junge Filipinos auf ihre prekären Lebensumstände und unsicheren Zukunftsaussichten reagieren. Es konzentriert sich dabei auf junge Filipinos, die nach einer drei- oder vierjährigen Seemannsausbildung sich als Aushilfskräfte ('utility men') bei Jobagenturen der Seefahrt verdingen, um sich langfristig eine Anstellung als Seemann bei der globalen maritimen Industrie zu sichern. Dieses Projekt zielt darauf ab, dies nicht nur als Strategie zur Erlangung eines Berufes zu begreifen, sondern auch als Form der Navigation durch eine unsichere Gegenwart und Zukunft und eine Positionierung des eigenen 'Selbst' in unsicheren Zeiten und Räumen zu verstehen. Da die Arbeit als Aushilfskraft Mißhandlungen und Ausbeutung mit sich bringt, fragt diese Forschungsarbeit, warum diese Männer trotz allem bereit sind ihre Arbeitsverträge zu erfüllen.

            Aus einer zeitlichen Perspektive untersucht dieses Projekt die Dynamik zwischen den kurzfristigen Opfern dieser Männer und ihrer langfristigen Zukunft. Es will die Aushandlungsprozesse der betroffenen Männer zwischen dem, was sie erleiden, und dem, was sie in Zukunft erreichen wollen, zeigen; Aushandlungsprozesse zwischen Phasen der Knechtschaft und der Planung ihrer Zukunft. Das Projekt konzentriert sich auf zwei zentrale Fragestellungen: Erstens, wie begreifen diese Männer ihre Knechtschaft als rationale und zielgerichtete Antwort auf ihre soziale Ausgrenzung? Diese Frage wird die Dynamik erklären zwischen der Durchhaltefähigkeit dieser jungen Männer und ihrem Zurechtkommen mit den Strukturen, die über ihre persönliche und ihre soziale Zukunft entscheiden. Zweitens, wie sind die temporären Phasen der Knechtschaft mit den ökonomischen Bedingungen der Philippinen mit der Globalisierung und Neoliberalisierung der maritimen Industrie verbunden? Diese Frage wird zeigen, daß – obwohl es sich um persönliche Einzelfälle handelt, sie mit der sozialen Ausgrenzung und der Reaktion junger Leute darauf im allgemeinen zusammenhängen. Beide Fragen verbinden die gelebte Zeit dieser jungen Männer mit verschiedenen Zeitlichkeiten: Familienzeit, industrielle Zeit und historische Zeit. Die Beantwortung beider Fragen wird zeigen, wie Phasen der Knechtschaft eine Strategie zum Entkommen aus ihrer sozialen Ausgrenzung sind; wie sie durch die sozialen Möglichkeiten dieser Männer beeinflußt wird; und wie ihre gegenwärtige Situation und ihre Zukunftsoptionen von nationale und globalen ökonomischen Bedingungen abhängen.

            Dieses Projekt ist eine ethnographische Studie, die sich der Methoden der teilnehmenden Beobachtung, lebensgeschichtlichen und halb-strukturierten Interviews sowie Tagebüchern bedient, um die subjektiven Perspektiven und Lebenswelten der Aushilfskräfte zu erfassen. Sie wird einen Beitrag leisten zu den Diskussionen zu den Themen Arbeitslosigkeit und Übergang zum Erwachsenensein, zur Relativierung der Lebenslauf Theorie, zu Zeitlichkeit; Jugend und Männlichkeit und der Verbindung von Jugend- und maskuliner Genderperspektive mit philippinischer und asiatischer Migrationspolitik im Hinblick auf den Nexus von Beschäftigung und Migration.

 

Schlüsselbegriffe:

Jugendarbeitslosigkeit; soziales Erwachsensein; Zeitlichkeit; soziale Ausgrenzung; globale maritime Industrie; Philippinen