Migrantinnen in den Medien

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In welcher Weise werden Migrantinnen in deutschen Medien repräsentiert? Welche Bedeutung haben die in den Medien entworfenen Bilder und Repräsentationen für das Selbst- und Fremdbild von Migrantinnen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des vom Ministerium für Generationen, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA NRW) (http://www.mgepa.nrw.de/) geförderten Projektes „Migrantinnen in den Medien“, welches sich in drei miteinander zusammenhängende Teilstudien gliedert.

 

1. Von Popstars und Putzfrauen. Migrantinnen in audio-visuellen Medien

Projektlaufzeit 01/2010-12/2011

Das Projekt untersucht inhaltsanalytisch, welche Bilder von Migrantinnen in fiktionalen und non-fiktionalen Formaten des deutschen Fernsehens hergestellt und vermittelt werden. Im Zentrum stehen Frauen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, und Sendungen, die das Leben dieser Frauen in Deutschland thematisieren. In Fokusgruppen mit MigrantInnen und mit Frauen ohne Migrationshintergrund werden zudem die Bedeutungen der Fernsehbilder für gesellschaftliche Prozesse von Inklusion und Exklusion diskutiert. Fernsehakteurinnen mit Migrationshintergrund kommen weiterhin in Experteninterviews zur Sprache. Dadurch werden ihre Funktion und Perspektive als öffentlich sichtbares ‚Rollenvorbild’ berücksichtigt. Zudem ist eine explorative Bestandsaufnahme relevanter Netzkommunikation von, für und über Migrantinnen eingeplant. Indem das Projekt theoretisch und empirisch das Verhältnis von audiovisuellen Medien, Geschlecht und Migration in den Blick nimmt, verschafft es Wissen über ein Feld, das in der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft bislang kaum Berücksichtigung gefunden hat.

Projektleitung: Prof. Dr. Margreth Lünenborg
Projektmitarbeiterinnen: Katharina Fritsche, M.A., Lisa Konrad, M.A., Dr. Christine Linke
Studentischer Mitarbeiter: Stefan Flecke

 

2. Migrantinnen in den Medien. Darstellung in der Presse und ihre Rezeption

Wie entwerfen Medien Bilder von Geschlecht und Ethnizität? Diese Frage konnte die Kommunikationswissenschaft bisher nur ungenügend beantworten. Männliche Migranten werden als bedrohlich für die Gesellschaft inszeniert, doch über die Medienbilder von Migrantinnen gibt es wenig Wissen. Auf breiter empirischer Basis wird hier erstmalig die Repräsentation von Migrantinnen in deutschen Tageszeitungen analysiert. Dabei werden stereotype, aber auch widerständige Bilder sichtbar. Eine kritische Analyse der dominanten Berichterstattungsmuster zeigt, wie Mediendiskurse Migrantinnen zu Opfern machen oder ausschließen können. Dagegen liefern besonders Lokalpresse und Boulevardzeitungen (auch) vielfältige Entwürfe unter Einschluss lebensweltlicher Bezüge. Eingeleitet wird die Studie durch eine ausführliche Diskussion des Forschungsstands zu "Migrantinnen und Medien".

Das Buch "Migrantinnen in den Medien. Darstellung in der Presse und ihre Rezeption" ist eine Zusammenführung der beiden folgenden Teilstudien. Es erschien in der Reihe Critical Media Studies.

2.1 Migrantinnen in den Medien. Eine systematische Literaturanalyse

Projektlaufzeit 10/2008 - 12/2008

In einem ersten Schritt wurde der deutsche und internationale Forschungsstand systematisch aufgearbeitet. Hier zeigte sich, dass sich die Kommunikationswissenschaft schon seit einigen Jahren mit dem Verhältnis von Medien und Migration befasst. Dabei wurden sowohl Aspekte der Partizipation an der Medienproduktion, der Darstellung in den Medientexten und der Medienrezeption von Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigt. Zur Frage der medialen Repräsentation von Migrantinnen liegen bisher jedoch allenfalls Einzelstudien vor, systematische oder breit angelegte Untersuchungen darüber, wie Geschlecht und Ethnizität in den Medien zusammenwirken, fehlen. Die interpretatorische Engführung vieler Studien auf die (bildliche) Darstellung muslimischer Frauen und die damit einhergehende Ausblendung der Vielfältigkeit von Migrationsprozessen und Lebensentwürfen begründen das Erfordernis tiefer gehender Forschung, die sich auf das gesamte Spektrum der Migration bezieht.

Projektleitung: Prof. Dr. Margreth Lünenborg
Projektmitarbeiterin: Annika Bach, M.A.
Studentische MA: Katharina Fritsche

Die Ergebnisse der ersten Projektphase "Migrantinnen in den Medien" liegen als Publikation vor. Sie können entweder als .pdf heruntergeladen oder über die Homepage des MGEPA NRW kostenlos bestellt werden.

PDF-Dokument Download hier.

2.2 Migrantinnen in Tageszeitungen. Analyse von Darstellung und Rezeption

Projektlaufzeit 03/2009 - 12/2009

Mit einer Analyse der Darstellung von Migrantinnen in ausgewählten Printmedien liegt erstmals eine systematische empirische Untersuchung vor, die die Verknüpfung der Strukturkategorien Geschlecht und Ethnizität in der Berichterstattung über Migrantinnen in den Blick nimmt. Dazu wurden fünf deutsche Tageszeitungen (Kölner Stadtanzeiger, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, BILD, tageszeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung) jeweils vier Monate lang untersucht (7. Februar bis 8. März in den Jahren 2005 bis 2008). Die Befunde widersprechen den bisherigen Ergebnissen aus der vermeintlich geschlechtsneutralen Forschung und lenken den Blick weg vom 'kriminellen Ausländer' hin zu vielfältigen Darstellungsmustern, in denen Migrantinnen zwar zum einen als Opfer, zum anderen jedoch oft auch als erfolgreiche und prominente Frauen oder als ganz alltäglicher und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft präsentiert werden.

Die Rezeption der Bilder von Migrantinnen, die durch die Medien vermittelt werden, wurde in sechs Fokusgruppengesprächen mit jungen Frauen mit und ohne Migrationshintergrund in Berlin und Köln diskutiert und liefert Anhaltspunkte, inwiefern Medieninhalte zur gesellschaftlichen Inklusion und Exklusion beitragen können. Hier werden positive Rollenvorbilder genauso aufgezeigt wie eine häufig wiederkehrende Kritik an einer als einseitig und negativ verzerrt empfundenen Berichterstattung.

Projektleitung: Prof. Dr. Margreth Lünenborg
Projektmitarbeiterin: Katharina Fritsche, M.A.
Studentischer MA: Tobias Rauscher

 

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