Reality-TV: Skandalisierung als Quotenbringer

Skandalisierung und Provokationen als Quotenbringer in Zeiten rückläufiger Werbeeinnahmen? Analyse aktueller Castingshow- und Reality-Doku-Formate

Forschungsprojekt im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW, in Kooperation mit der House of Research GmbH. Das Projekt ist abgeschlossen. Die Publikation "Skandalisierung im Fernsehen" ist am 23. März im Verlag VISTAS erscheinen. Eine Kurzfassung der Studie steht hier als Download bereit.

 In Aus Politik und Zeitgeschichte (Heft 3/2011) erscheint der Beitrag Gezielte Grenzverletzungen - Castingshows und Werteempfinden von Margreth Lünenborg und Claudia Töpper, der ebenfalls Ergebnisse der Studie enthält.

Projektbeschreibung

Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes steht die Frage, ob Skandalisierung und Provokationen im Fernsehprogramm aufgrund eines zunehmenden Wettbewerbsdrucks und eines sich intensivierenden Wettlaufes um Einschaltquoten zugenommen haben. Zur Untersuchung dieser Frage werden sowohl die Angebotsseite, die Rezeptionsseite als auch die Seite der Produktion in einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Inhaltsanalysen, Expertenbefragungen und Gruppendiskussionen berücksichtigt. Anhand von quantitativen Inhaltsanalysen sollen Skandale und Provokationen im Fernsehprogramm des Untersuchungszeitraums der Jahre 2000 bis 2009 identifiziert und quantifiziert werden. Deren Art und Weise der sprachlichen und visuellen Realisation sowie die Rolle der begleitenden Berichterstattung und Skandalisierung auf anderen Medienkanälen werden anschließend anhand von Fallstudien im Rahmen von qualitativen Inhaltsanalysen erforscht. Gruppendiskussionen mit einem ausgewählten Sample sollen dann Erkenntnisse über die ethischen Positionierungen des Publikums zu den unterschiedlichen Fernsehangeboten liefern. Um die Bedeutung sich verschärfender ökonomischer Bedingungen auf Seiten der Produktion zu erfassen, werden Experteninterviews mit ausgewählten Formatentwicklern, Produzenten, Redakteuren, Interessenvertretern und Vertretern der Werbewirtschaft geführt. Abschließend soll anhand dieser drei Untersuchungsbereiche – neben der Prüfung eines Zusammenhangs zwischen zunehmendem Wettbewerbsdruck, rückläufigen Werbeeinnahmen und einer Tendenz zu vermehrter Skandalisierung und Provokation – nachgezeichnet werden, wie durch bestimmte Sendungen gezielt Brüche von Konventionen realisiert werden, die als Zweck allein der Aufmerksamkeitssteigerung des Medienangebots dienen und in welcher Weise bestimmte Sendungen den gesellschaftlichen Wandel von Konventionen sichtbar machen und dazu beitragen, Konventionen zu verändern.

Laufzeit: 2009-2010

Leitung: Prof. Dr. Margreth Lünenborg

Wissenschaftliche Mitarbeit: Claudia Töpper, Dipl. Medienwissenschaftlerin

Studentische Mitarbeit: Anna Weinreich