Dr. Christoph Hesse

hesse

Arbeitsstelle Kommunikationsgeschichte und Medienkulturen

Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Aufgabenbereich

Editionsprojekt „Von Berlin nach New York: Dokumentation einer Freundschaft im Exil“ Der Briefwechsel zwischen Hermann Borchardt und George Grosz

Adresse Garystr. 55
Raum 206 OEI
14195 Berlin
Telefon +49.30.838-57859
E-Mail chhesse@zedat.fu-berlin.de
Homepage IKK

Sprechstunde

Sprechstunde nach Vereinbarung, Raum 206

  • Seit 1.3.2016 Mitarbeiter am IKK und am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin im Editionsprojekt „Von Berlin nach New York: Dokumentation einer Freundschaft im Exil“ Der Briefwechsel zwischen Hermann Borchardt und George Grosz
  • Gastdozent im WS 2015/2016 am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
  • 2011-2014: Mitarbeiter am IKK und am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin (DFG-Projekt „Filmexil Moskau“).
  • Mitherausgeber der "Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie" (erscheint seit 2014 bei De Gruyter, Berlin).
  • 2013 Visiting Scholar an der School of Visual Arts, New York.
  • 2010–2011: Dozent am Seminar für Filmwissenschaft und Mediendramaturgie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
  • 2007–2010: Mitarbeiter am IKK und am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin (Editionsprojekt „Briefe an Bertolt Brecht im Exil 1933–1949“).
  • 2003–2007: Wissenschaftliche Arbeiten am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum und am Forschungskolleg „Medien und kulturelle Kommunikation“ der Universität Köln. Vorbereitung eines Forschungsprojekts zur Entwicklung der Filmtheorie in Großbritannien.
  • 1993–1999: Studium der Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Ebendort 2003 Promotion im Fach Film- und Fernsehwissenschaft.
  • WS 2014/15: Einführung in die Filmgeschichte
    Kritische Theorie der Medien (Hauptseminar, Master)
  • SS 2013: Die Shoah im Spielfilm (Vertiefungsseminar, mit Birte Hewera)
  • WS 2012/13: Politics of Cinema (engl. Hauptseminar, Master)
  • WS 2011/12: From Hitler to Hollywood: German film exile (engl. Hauptseminar, Master)
  • SoSe 2010: Exiles and Emigrés in Hollywood (engl. Vertiefungsseminar)
  • WS 2009/10: Einführung in die Filmtheorie (Überblicksseminar)
  • WS 2009/10: Kommunikationsapparate (Hauptseminar, Master)
  • SoSe 2009: Exilfilm in der Sowjetunion (Überblicksseminar)
  • WS 2008/09: Die Medien und ihre Botschaft im politischen Diskurs der Moderne (Hauptseminar, Master)
  • WS 2007/08: Hollywood: Produktionsweise, Ästhetik, Kritik (Vertiefungsseminar)
  • SoSe 2007: Die Filmtheorien Siegfried Kracauers (Blockseminar)

Dokumentation einer Freundschaft im Exil.
Der unveröffentlichte Briefwechsel zwischen Hermann Borchardt und George Grosz

Gefördert von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur mit Unterstützung der Freien Universität Berlin und der Stiftung Preußische Seehandlung - Laufzeit: 1. März 2016 bis 28. Februar 2018


Gegenstand dieses Forschungs- und Editionsprojekts ist die Korrespondenz zwischen Hermann Borchardt und George Grosz, zwischen einem noch bis heute weithin unbekannten Schriftsteller und seinem engsten Freund, einem der berühmtesten deutschen Maler und Graphiker des letzten Jahrhunderts. Beide müssen Deutschland 1933 verlassen: Grosz emigriert ohne Umweg nach New York, Borchardt zunächst nach Frankreich, dann in die Sowjetunion, von dort zurück nach Deutschland, wo er bald als Remigrant festgenommen und in den Konzentrationslagern Esterwegen und Dachau inhaftiert wird, bis man ihn schließlich, mit Grosz‘ Hilfe, in die USA ausreisen lässt.

Der bislang zum größten Teil noch unveröffentlichte Briefwechsel, der sich über ein knappes Vierteljahrhundert erstreckt, von 1927 bis zu Borchardts Tod 1951, gehört zu den beeindruckendsten Zeugnissen des deutschen Exils. Ob seines Umfangs und seiner Dichte kann er als eine kontinuierliche Geschichte dieser Epoche in Originaldokumenten gelesen werden; auch ein Dokument nicht nur einer unverbrüchlichen Freundschaft in höchst unfreundlichen Zeiten, sondern der Lebenswege zweier Künstler, deren Flucht vor dem Nationalsozialismus zugleich eine Abkehr von ihrer als letztlich gescheitert angesehenen Arbeit in der Weimarer Republik bedeutet. In ihren überaus scharfsichtigen Beobachtungen, die sie sich in ihren Briefen vertraulich mitteilen, nehmen sie auf politische Befindlichkeiten keine Rücksicht. In oftmals sarkastischem, bisweilen spöttischem Ton bringen sie indes manches weit vorausschauende Urteil über ihre Epoche hervor: sei es über den Nationalsozialismus und Faschismus, den Stalinschen Sozialismus, die Illusionen der deutschen Emigranten oder das sogenannte bessere Deutschland, an das Borchardt und Grosz längst nicht mehr glauben mögen. Ihre Enttäuschung über die Katastrophengeschichte, die sich um sie herum ereignet, betrifft nicht zuletzt auch ihre Rolle als Künstler, die sie im Exil neu zu bestimmen suchen. Wobei das von Grosz in polemischem Gegensatz zum untergehenden Europa schwärmerisch besungene Amerika, das ihnen beiden schließlich das Leben rettet, insbesondere Borchardt ziemlich fremd bleibt.

Ziel der Forschungsarbeit ist die vollständige Edition dieses Briefwechsels mit umfangreichem Apparat, der neben einem detaillierten wissenschaftlichen Kommentar und einem großen erläuternden Essay auch unmittelbar dazugehörige Briefe von bzw. an dritte Personen sowie Borchardts Aufzeichnungen über seine Arbeit in der Sowjetunion und seine Haft im Konzentrationslager umfassen soll.

Filmexil Moskau

Gegenstand dieses von der DFG geförderten Forschungsvorhabens ist die Filmarbeit deutschsprachiger Emigranten in der Sowjetunion während der Zeit des Nationalsozialismus. Über Jahrzehnte hinweg blieb diese Epoche deutsch-sowjetischer Filmgeschichte ein nur schwer zugängliches Terrain. Erst seit den 1990er Jahren besteht die Möglichkeit, die neben Hollywood, Paris und London bedeutendste Exilstation deutschsprachiger Filmkünstler aufzuarbeiten. [Mehr...]

Bücher

 – Filmexil Sowjetunion. Deutsche Emigranten in der sowjetischen Filmproduktion der 1930er und 40er Jahre. München 2017 (erscheint im Sommer).

– Filmstile. Wiesbaden 2016 (Mitautoren: Oliver Keutzer, Roman Mauer, Gregory Mohr).

– Filmform und Fetisch. Bielefeld 2006.

 Herausgeberschaft

 – Unreglementierte Erfahrung. Freiburg i. Br.: 2015 (Mitherausgeber: Devi Dumbadze).

– Briefe an Bertolt Brecht im Exil 1933–1949. 3 Bände. Berlin 2014 (Mitherausgeber: Hermann Haarmann).

– Friedrich Wolf – Was bleibt und was lohnt! (Einspruch. Schriftenreihe der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, Nr. 3), Marburg: 2014 (Mitherausgeber: Hermann Haarmann).

– Exil in der Sowjetunion 1933–1945 (Einspruch. Schriftenreihe der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, Nr. 2). Marburg 2010 (Mitherausgeber: Hermann Haarmann).

 

Aufsätze (Auswahl)

– In vergnügt lärmender Verzweiflung. George Grosz: Briefe eines Europamüden. In: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Nr. 10 (2017).

– Virtual Experience. In: Cured Quail, Nr. 1 (2017).

– Monsieur le Capital und Madame la Machine: Szenen einer Ehe. In: Navigationen. Zeitschrift für Medien und Kulturwissenschaften, Jg. 16, Nr. 2/2016.

– Die Unsichtbare. Carola Neher am Rande des deutschen Filmexils in der Sowjetunion. In: Reinhard Müller, Bettina Nir-Vered, Olga Reznikova, Irina Sherbakova (Hg.): Carola Neher. Gefeiert auf der Bühne, gestorben im Gulag. Berlin: 2016.

– „Dynamit der Zehntelsekunden“. Die Kontroverse über den Film zwischen Theodor W. Adorno und Walter Benjamin. In: Alex Körner, Julian Kuppe, Michael Schüßler (Hg.): Der Widerspruch der Kunst. Beiträge zum Verhältnis von Kunst und Gesellschaftskritik. Berlin 2016.

– Ohne Namen. Die Darstellung der Verfolgung und Vernichtung der Juden im sowjetischen Kino 1938–1945. In: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Nr. 6 (2015).

– Philosophie als Mähmachendes. Die Rettung der Sprache durch Verbindlichkeit und Ausdruck. In: Max Beck, Nicholas Coomann (Hg.): Sprachkritik als Ideologiekritik. Studien zu AdornosJargon der Eigentlichkeit‹. Würzburg: 2015 (Mitautor: Dirk Braunstein).

– Home at a Distance. The Design of Nazi Germany in Exile Films from the Soviet Union. In: Journal of Design History, Jg. 28, Nr. 1 (2015).

– Das drastische Medium. Über Adornos Kritik des Films. In: Brigitte Marschall, Christian Schulte, Sara Vorwalder, Florian Wagner (Hg.): (K)ein Ende der Kunst? Kritische Theorie, Ästhetik, Gesellschaft. Münster 2014.

– Marxistische Medientheorie. In: Jens Schröter (Hg.): Handbuch Medienwissenschaft. Stuttgart 2014.

– Lanzmann ici et Godard ailleurs. In: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Nr. 2 (2013).

– Solidarität angesichts der Bedrohung: Jean Améry und Claude Lanzmann. In: Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur und Literatur des Exils und des Widerstands, Jg. 29, Nr. 4 (2012).

– Film als Waffe. In: Dirk Braunstein, Sebastian Dittmann, Isabelle Klasen (Hg.): Alles falsch. Auf verlorenem Posten gegen die Kulturindustrie. Berlin 2012.

– It Happened Elsewhere: Godard’s Last Revolt. In: Cinemascope. Independent Film Journal, Nr. 16 (2011).

― Zeugenschaft der Toten. Über Claude Lanzmanns Film Shoah. In: Falko Schmieder (Hg.): Überleben. Historische und aktuelle Konstellationen. München 2011.

― Pariser Mai im Dunkeln: Godards fröhliche Wissenschaft. In: Devi Dumbadze et al. (Hg.): Erkenntnis und Kritik. Zeitgenössische Positionen. Bielefeld 2009.

― Walter Benjamin: Berliner Kindheit in Paris. In: Hermann Haarmann (Hg.): Berlin im Kopf. Arbeit am Berlin-Mythos der Moderne. Exil und innere Emigration 1933–1945. Berlin 2008.

― Warenfetisch und Kulturindustrie. In: Fabian Kettner, Paul Mentz (Hg.): Theorie als Kritik. Freiburg i. Br. 2008.

― Empathie mit dem Ding. Über einen Fall von Ekstase in›Das Alte und das Neue‹. In: Thomas Koebner, Fabienne Liptay, Thomas Meder (Hg.): Bildtheorie und Film. München 2006 (Mitautor: Wolfgang Beilenhoff).

― Nachwort. In: Wolfgang Beilenhoff (Hg.): Poetika Kino. Theorie und Praxis des Films im russischen Formalismus. Frankfurt a.M. 2005 (Mitautor: Wolfgang Beilenhoff).