Dr. Gerhard Schoenberner verstorben

Dr. Gerhard Schoenberner bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der FU Berlin 2011
Dr. Gerhard Schoenberner bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der FU Berlin 2011
Bildquelle: Ansgar Koch

Das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft trauert um Dr. Gerhard Schoenberner, der am 10. Dezember 2012 in Berlin verstarb.

Kurz nach Schoenberners 80. Geburtstag im Jahr 2011 konnte die Dekanin des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin ihm die Ehrendoktorwürde verleihen, nachdem der Fachbereichsrat in seltener Einmütigkeit und mit großer Freude dem Antrag unseres Instituts auf Verleihung des Dr. h.c. stattgab. In einer bewegenden Feierstunde wurden die Verdienste des Geehrten gewürdigt. Die Laudatio hielt Professor Dr. Wolfgang Benz vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Dr. Gerhard Schoenberner antwortete in einer launigen und zugleich tiefsinnigen Dankesrede.  

Gerhard Schoenberner war Gründungsvorsitzender der Bürgerinitiative „Aktives Museum - Faschismus und Widerstand in Berlin“ und als Mitglied der Fachkommission des Berliner Senats Mitinitiator der späteren Gedenkstätte „Topographie des Terrors“. Außerdem gelang ihm durch beharrliche Überzeugungsarbeit die Umwidmung der sog. Wannsee-Villa in die Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ durchzusetzen, deren Gründungsbeauftragter und erster Direktor er von 1989 bis 1996 war.

Gerhard Schoenberner begann seine internationale Karriere als Direktor des Goethe-Instituts in Tel Aviv (1973-1978), wo er sich allseits Respekt und Anerkennung erwarb. Seit 1976 Mitglied des westdeutschen P.E.N.-Zentrums, übernahm er dort von 1991 bis 1995 das Amt als Vizepräsident und Writers in Prison-Beauftragter. Die Spuren seines öffentlichen Wirkens (nicht nur, aber besonders zum Thema NS-Aufarbeitung und Antisemitismus) reichen weit über Deutschland hinaus und lassen sich weltweit verfolgen; so war er etwa im Auftrag des Goethe-Instituts mit Vorträgen und Seminaren zur Filmgeschichte und zur Rolle des Films als Mittel politisch-aufklärerischer Propaganda Gast an zahlreichen ausländischen Universitäten.

Als Autor von Büchern, Dokumentationen, Ausstellungen und Filmen gehörte Gerhard Schoenberner zu den Pionieren der öffentlichen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen werden vor allem in Gedächtnis bleiben: Der gelbe Stern. Die Judenverfolgung in Europa 1933-1945 von 1960 und Zeugen sagen aus von 1962. Hervorgehoben werden sollte noch die 1969 realisierte 12teilige TV-Serie Film im Dritten Reich, die Schoenberner für die Dritten Programme der ARD produzierte. Ausstellungen runden sein Lebenswerk ab: Die Vergangenheit mahnt, eine eindrucksvolle Schau, die zwischen 1960 und 1962 in Berlin, Frankfurt/Main, Mannheim, Essen und Tel Aviv gezeigt wurde, und auch Charlotte Salomon, eine Ausstellung, die zwischen 1965 und 1967 durch 15 Orte der Bundesrepublik und der DDR reiste. Höhepunkt ist sicher die von Gerhard Schoenberner seit 1989 erarbeitete und unter seiner Verantwortung 1992 eröffnete Dauerausstellung (mit Katalog) Die Judenverfolgung 1933-1945 für die Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“.

Das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft verliert mit Dr. Gerhard Schoenberner einen überaus produktiven, sensiblen Wissenschaftler und guten Freund.

 

Hermann Haarmann (für das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)

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