Prof. Dr. Hermann Haarmann erhält Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens

Prof. Haarmann und Staatssekretär Steffen Krach
Prof. Haarmann und Staatssekretär Steffen Krach
Bildquelle: Christoph Rosenthal, IKK
Prof. Dr. Hermann Haarmann
Prof. Dr. Hermann Haarmann
Bildquelle: Christoph Rosenthal, IKK

Der Staatssekretär für Wissenschaft Steffen Krach, der den Orden im März 2016 überreichte, begründete die Ehrung mit den besonderen Verdiensten Haarmanns um das Fachgebiet Exilpublizistik auch außerhalb der Universität. Das Verdienstkreuz wird an Menschen verliehen, die sich für das Gemeinwesen engagiert haben.

Hermann Haarmann, der von 1990 bis 2014 Professor für Kommunikationsgeschichte am Institut war und ihm derzeit als Seniorprofessor verbunden ist, hat alles andere als eine geradlinige Wissenschaftslaufbahn durchlaufen. Nach der Promotion 1974 an der FU Berlin lebte er eineinhalb Jahrzehnte von Lehraufträgen, befristeten Stellen, Stipendien und Projekten. Vielleicht hat diese Zeit, in der Politik und Forschungsförderung Interesse an Exilforschung signalisierten, Haarmann sowohl darin bestärkt, dieses Forschungsfeld weiter zu bearbeiten als auch auf außerwissenschaftliche Erwartungen an Wissenschaft zu achten. Haarmann wurde damals mit der Ausstellung an der Westberliner Akademie der Künste zum 50. Jahrestag der Bücherverbrennung beauftragt, für die das Außenministerium der Bundesrepublik zwei Millionen Mark zur Verfügung stellte. Die DFG setzte zwei Schwerpunktprogramme zur Exilforschung auf (Haarmann 2013; Meyen 2013).

Ein Blick in Haarmanns Arbeiten zeigt nicht nur das geisteswissenschaftliche Fachverständnis (neben Publizistik Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft), sondern auch das Selbstverständnis eines Gelehrten, der sich nicht nur an wissenschaftsinternen Relevanz- und Reputationskriterien orientiert, sondern das Bewusstsein der Gesellschaft für die Zeit zwischen 1933 und 1945 erhalten möchte, der sich nicht nur um die Erforschung von Exilliteratur und Exilpublizistik kümmert, sondern ebenso um die Wahrnehmbarkeit seiner Arbeit in der Öffentlichkeit, der mit der Sicherung und Aufbereitung von Quellen die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus anregen und die kollektive Erinnerung daran aufrechterhalten möchte (beispielhaft Haarmann 1991). Auch aus diesem Anliegen heraus und der eigenen biographischen Erfahrung (die jüdischen Freunde der Großmutter, die im Haus ein und aus gingen; Haarmann 2013) sind die für die Kommunikationswissenschaft eher ungewöhnlichen Brief- und Werkeditionen, Ausstellungen und Veranstaltungen des Geehrten zu verstehen und zu würdigen.  

Maria Löblich

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