Geschichte des Instituts

Emil Dovifat führt 1952 Besucher durchs Institut
Emil Dovifat führt 1952 Besucher durchs Institut Bildquelle: FU-Archiv (Fotograf: Gerd Viktor Krau)
Außenaufnahme Boltzmannstraße
Boltzmannstraße 3 (Sitz des Instituts 1948-1950) Bildquelle: FU-Archiv (Fotograf: unbekannt)
Fritz Eberhard (1964)
Fritz Eberhard (1964) Bildquelle: Hans-Jürgen Bolle / Sammlung H. Bohrmann, Dortmund
Elisabeth Maria Löckenhoff (1964)
Elisabeth Löckenhoff (1964) Bildquelle: Hans-Jürgen Bolle / Institut für Zeitungsforschung Dortmund
Harry Pross
Harry Pross (Winter 1978/79 in Weißen) Bildquelle: Christa Dericum
Alexander von Hoffmann (1982)
Alexander von Hoffmann (1982) Bildquelle: privat (Fotograf: unbekannt)

Von Prof. Dr. Hermann Haarmann

Bereits mit der Gründung der Freien Universität Berlin im Jahr 1948 wird auch das ursprünglich 1925 eröffnete Institut für Zeitungswissenschaft als Institut für Publizistik neu aus der Taufe gehoben. Gründervater des Instituts ist Emil Dovifat (1890 – 1969), der seit 1928 Professor für Zeitungswissenschaften an der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin war. Dovifats Verständnis der Publizistik ist normativ und geprägt von seinen profunden Kenntnissen journalistischen Handelns. Die Zeit des Nationalsozialismus sah ihn als Mitläufer und eher harmlosen Propagandisten, was allerdings seine Nachkriegskarriere nicht behinderte. Bis zur Emeritierung 1959 bleibt Dovifat Professor am Berliner Institut für Publizistik. Im Jahr 1961 wird Fritz Eberhard (1896 – 1982), Intendant des Süddeutschen Rundfunks und einer der Väter des Grundgesetzes, zum Honorarprofessor berufen. Als Nachfolger Dovifats übernimmt Eberhard, der 1933 zunächst im Untergrund und dann im britischen Exil gewerkschaftlich arbeitete, bis 1968 kommissarisch die Leitung des Instituts. Dovifats historisch-normativ orientierte Position ergänzt Eberhard durch Stärkung der sozialwissenschaftlichen Orientierung und der empirischen Kommunikationsforschung. Gegenüber der traditionellen Zeitungswissenschaft erweitert er den Gegenstand der Wissenschaft, er bezieht Hörfunk und Fernsehen in Lehre und Forschung mit ein. Von 1952 bis 1985 arbeitet Elisabeth Löckenhoff (1929 – 1985) am Institut; sie beginnt als Dovifats wissenschaftliche Assistentin und wird schließlich 1972 zur Professorin ernannt. Ihr Themenschwerpunkt ist die Publizistik der DDR.


Studentenbewegung und APO

Die Studentenbewegung und die außerparlamentarische Opposition gehen auch am Institut nicht spurlos vorbei. Die aufmüpfige akademische Jugend fordert die Orientierung der Wissenschaft auf gesellschaftliche Praxis – und das radikal. Das Institut antwortet mit der verstärkten Reflexion des Verhältnisses von Publizistik und Politik. Frühe Formen zur Erprobung politischer Kommunikation in Foren wie öffentliche Hearings, Kongresse, Demonstrationen oder Go-ins, Sit-ins und Teach-ins beleben bzw. belasten den akademischen Alltag. In dieser Situation wird 1968 der Chefredakteur von Radio Bremen, Harry Pross (1923 – 2010), auf Druck der Studentenschaft und mit Unterstützung von Eberhard an die FU Berlin berufen. Pross setzt auf die Stärkung des Praxisbezugs im Studium (Einführung von Praxislaboren, Vergabe von Lehraufträgen an Praktiker). Zugleich leitet er die theoretische Fundierung des Faches u.a. durch Anleihen aus geisteswissenschaftlichen Disziplinen (Zeichentheorie, Semiotik und Hermeneutik) ein.


Das "Berliner Modell"

Die Bestellung von Alexander von Hoffmann (1924 – 2006), zuvor als Journalist beim Spiegel tätig, in 1974 auf eine Professur für Medienpraxis (bis ins Jahr 1988) ist nur die logische Konsequenz dieser Profilbildung. Er initiiert einen Modellversuch zur Journalisten-Weiterbildung. Bereits 1970 war die Berufung von Ivan Bystrina erfolgt, der 1968 aus Prag geflüchtet war und am Institut den Schwerpunkt „Kultursemiotik“ aufbaut – ein Gebiet, das mit der Auflösung und Eingliederung der Pädagogischen Hochschule in die FU von Marlene Posner-Landsch als Professur für Semiotik und Kommunikationstheorie bis zu ihrem Ausscheiden (2006) fortgeführt wird. Die bewußte Verzahnung von Theorie und Praxis in der Publizistik findet viele Befürworter und geht als vorbildlich unter dem Titel „Berliner Modell“ in die Fachgeschichte ein.


Neugliederung und Umzug nach Lankwitz

Im Rahmen der Neugliederung der Fachbereiche an der FU wird 1980 der Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften umstrukturiert und mit ihm auch die Publizistik. Es entstehen eigenständige Institute: 1. für Publizistik und Kommunikationspolitik, 2. für Kommunikationspsychologie und ‑soziologie und 3. für Semiotik und Kommunikationstheorie. Die erste Neuberufung für Ökonomie der Massenkommunikation geht an Axel Zerdick (1941 – 2003). Die Aufspaltung der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in besagte Institute endet 1995 mit der Zusammenführung zum Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. In Zuge dieses Zusammenschlusses wird Gernot Wersig (1942 – 2006), als Vertreter der Informationswissenschaft, Mitglied des Instituts.


Profilierung und Ausbau des Instituts

Es folgt die weitere Profilierung des Instituts. 1985/86 werden mit der Blockberufung von Lutz Erbring (emeritiert) für Empirische Kommunikationsforschung, Stephan Ruß-Mohl (inzwischen Universität Lugano) für Journalismus und redaktionelle Organisation und Bernd Sösemann (2006 zum Friedrich-Meinecke-Institut der FU Berlin gewechselt, inzwischen emeritiert) für Geschichte der öffentlichen Kommunikation mit einem Schlag neue Arbeitsbereiche etabliert. Ruß-Mohl baut während seiner Berliner Zeit die journalistische Weiterbildung zu einem eigenständigen Studiengang aus. Sukzessive erfährt die Berliner Publizistik personelle Aufstockung und fachliche Erweiterung: Barbara Baerns (im Ruhestand): Öffentlichkeitsarbeit, Winfried Göpfert (emeritiert): Wissenschaftsjournalismus, Hans-Jürgen Weiß (emeritiert): Kommunikations- und Medienforschung, und Hermann Haarmann: Kommunikationsgeschichte/Medienkulturen. Verstärkt wird das Institut im Bereich Kommunikationsgeschichte zudem durch Erhard Schütz (1996 Wechsel an die Humboldt-Universität zu Berlin, inzwischen emeritiert) und Klaus Siebenhaar (inzwischen Leiter der Berlin Media Professional School am Institut für Kultur- und Medienmanagement der FU Berlin).


Dahlem und Bologna

Von 2006 bis 2011 folgten insgesamt acht Neuberufungen, so dass aktuell neun Professuren am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft besetzt sind. Im Herbst 2007 ist das Institut aus Lankwitz nach Dahlem zurückgekehrt und kann durch die räumliche Nähe zum Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften dessen Profilbildung stärker als bisher mitgestalten. Im Rahmen des Bologna-Prozesses wurde im Jahr 2003 der Bachelorstudiengang „Publizistik- und Kommunikationswissenschaft“ an der Freien Universität eingerichtet, der den gleichnamigen Magisterstudiengang ersetzt. Seit dem Wintersemester 2008/09 ist der Masterstudiengang „Medien und Politische Kommunikation“ offiziell im Studienangebot, weitere Masterstudiengänge sollen folgen.



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