Green Growth: Vom Wachstum der Öko-Industrie zum nachhaltigen Wirtschaften

Jänicke, Martin— 2011

Die Wachstumsdiskussion hat es mit allerlei Illusionen zu tun. Dazu gehört vor allem die Auffassung, dass man das ressourcenintensive Wachstumsmodell früherer Zeiten mit geringen Modifikationen beibehalten könne. Diesem Erfolgsmodell des 20. Jahrhunderts gehen nicht nur die billigen Rohstoffe aus. Es scheitert auch an der begrenzten Aufnahmefähigkeit der Erde für Emissionen und Abfälle. Eine andere Illusion ist die Vorstellung, dass der Staat mit seinen Mitteln signifikant höheres langfristiges Wachstum hervorrufen könne. Die EU hatte diese Vorstellung in ihrer Lissabon-Strategie (2000), die eine jährliche Wachstumsratevon drei Prozent anstrebte. Erreicht wurde eine Wachstumsrate von weniger als zwei Prozent. Das quantitative Ziel wurde aufgegeben. Ebenso wie das neo-liberale Wachstumsmodell einer „Entfesselung der Wachstumskräfte“ durch Deregulierung, Entstaatlichung, Privatisierung und Lohnverzicht. Noch nicht aufgegeben wurde die Illusion, dass mit höheren Wachstumsraten die drängenden Sozial-, Finanz- und Beschäftigungsprobleme gelöst werden könnten. Es wird Zeit, dass diese Probleme kausal in ihrer eigenen Logik angegangen werden. Eine Illusion ist nun aber auch die Vorstellung, man könne mit Wachstumsverzicht und Nullwachstum wenigstens die ökologischen Probleme lösen. Eine stagnierende Volkswirtschaft, aus der das Kapital abwandert, wird die Akzeptanz für den nötigen Wandel nicht aufbringen. Und ökologisch ist ein Nullwachstum nur die Umwandlung von Rohstoffen in Produkte, Abfälle und Schadstoffe auf dem zu hohen Niveau des Vorjahres (vgl. Spangenberg 2010). Worum es geht sind radikale Schrumpfungen – „De-Growth“ - bei den ressourcenintensiven Verfahren und Produkten. Und ein radikales Wachstum bei den Umwelt und Ressourcen schonenden Technologien und Dienstleistungen.

TitelFFU-Report 06-2011: Green Growth: Vom Wachstum der Öko-Industrie zum nachhaltigen Wirtschaften
VerfasserJänicke, Martin
Datum201106
Quelle/n
Erschienen inFFU-Report 06-2011, Forschungszetrum für Umweltpolitik, FU Berlin.
Spracheger
ArtText