Modellierung nationalstaatlicher umweltpolitischer Kapazitäten

Leitung:

[Projektleitung verlinken] Prof. Dr. Martin Jänicke

Mitarbeiter/innen:

Prof. Dr. Martin Jänicke
Dr. Klaus Jacob,
Dr. Nana Künkel,
Dipl.-Pol. Per-Olof Busch

Förderung:

Fritz Thyssen Stiftung

Projektlaufzeit:

01.10.2005 — 30.11.2007

Ansprechpartner:

Dr. Klaus Jacob

E-Mail:

Projektbeschreibung

In dem Forschungsvorhaben wurde die umweltpolitische Leistungsfähigkeit (Kapazität) von Ländern im Industrieländervergleich mit Hilfe formeller Methoden einschließlich der Modellierung bestimmt. Dabei war das Explanandum das umweltpolitische Innovationsverhalten, gemessen anhand der Ersteinführung oder frühen Übernahme umweltpolitischer Neuerungen, ergänzt um die (frühe) Übernahme internationaler Umweltregelungen. Das im Modell dargestellte Explanans war – im ersten Schritt - die umweltpolitische Leistungsfähigkeit bzw. Kapazität. Kapazität wurde verstanden als 1) die Stärke, Kompetenz und Konfiguration von organisierten staatlichen und nichtstaatlichen Proponenten von Umweltschutz und 2) die (a) kognitiv-informationellen, (b) politisch-institutionellen und (c) die ökonomischtechnologischen Rahmenbedingungen.
Das Problem der Erklärung umweltpolitischen Vorreiterverhaltens ist darüber hinaus die unterschiedliche Nutzung vorhandener umweltpolitischer Handlungskapazitäten. Hier findet sich das Paradox, dass hoch entwickelte Länder wie etwa die USA, Japan, Großbritannien, Dänemark oder die Niederlande bei gegebener Handlungskapazität sowohl Pionierrollen als auch prononcierte Nachzüglerrollen eingenommen oder Pionierrollen wieder aufgegeben haben. Diesen zweiten Aspekt erklärt die Kapazitätsanalyse nicht; sie ist aber die notwendige Erklärungsvoraussetzung.
Das Vorhaben hat beide Stufen umweltpolitischen Pionierverhaltens – die modellierbare Handlungskapazität und die eher situativen Handlungsbedingungen (wie Personalwechsel, Umweltereignisse oder Konjunkturlagen) – systematisch zusammengeführt.
Mit dem Vorhaben wurden somit die Grundlagen für ein theoretisch angeleitetes und empirisch gehaltvolles Kausalmodell staatlichen Handelns in der Umweltpolitik erarbeitet. Zudem wurden Potenziale und Grenzen unterschiedlicher Modellierungsstrategien für sozialwissenschaftliche Zwecke untersucht. Die Ergebnisse des Vorhabens sind über die Politikwissenschaft hinaus auch für Disziplinen nutzbar, in denen staatliches Handeln in Modellen abgebildet wird.

Das Ergebnis ist ein Modell zur Erklärung von staatlichen umweltpolitischen Kapazitäten. Das Modell ist in der Lage, Vorreiterverhalten zu erklären, aber auch fehlende Kapazitäten abzubilden, sowie den Verlust von Vorreiterrollen zu erklären. Im Rahmen des Projekts erfolgte schließlich eine umfassende Abschätzung dazu, welche Modellierungstechniken für eine quantitative Analyse von umweltpolitischen Kapazitäten geeignet sind.

Publications

Jacob, Klaus and Volkery, Axel (2005): Modelling Capacities for Environmental Policy-Making in Global Environmental Politics, Paper presented at the 46th Annual International Studies Association Convention, March 1-5, 2005, Hilton Hawaiian Village.

Jacob, Klaus; Künkel, Nana; Volkery, Axel (2006):  Institutional capacities and environmental policy performance in industrialized and developing countries – different or all the same?, Paper to be presented at the 47th Annual International Studies Association Convention, March 22-25, 2006, San Diego.