Thomas Vogelpohl

T.Vogelpohl

Aufgabenbereich

Biokraftstoffdiskurse im Mehrebenensystem – Eine Analyse der Diskurskoalitionen in der deutschen und europäischen Biokraftstoffpolitik

E-Mail thomas.vogelpohl@ioew.de

Betreuer:

Prof. Dr. Miranda Schreurs

Prof. Dr. Bernd Hirschl

 

Beschreibung:

Biokraftstoffe sind der Gegenstand vielfältiger, teils hitziger Debatten, die viele drängende Probleme unserer Zeit tangieren: die Abhängigkeit vom Erdöl, die ländliche Armut in Entwicklungsländern sowie die unsicheren Perspektiven für die Landwirtschaft in Industrieländern, die Energieversorgungsunsicherheit sowie die Klimaerwärmung. Es herrscht jedoch Unsicherheit, ob Biokraftstoffe diesbezüglich eher Teil der Lösung oder Teil des Problems sind.

 Trotz dieser Unsicherheiten wurde die Förderung von Biokraftstoffen in den letzten Jahren energisch vorangetrieben. Im April 2009 hat die Europäische Union (EU) für den Verkehrsbereich einen verbindlichen Anteil von mindestens 10% erneuerbare Energien bis 2020 für alle Mitgliedstaaten vorgeschrieben. Auch in Deutschland wurden Biokraftstoffe wurden zunächst über eine Steuerbefreiung zunächst stark gefördert. Diese starke Förderung sämtlicher Biokraftstoffe wurde jedoch 2006 modifiziert, als die Steuerbefreiung aufgehoben und durch eine verpflichtende Quote ersetzt wurde.

 Eine Ausgangsthese dieser Dissertation ist, dass der dynamische und teils widersprüchliche Verlauf der Biokraftstoffpolitik in Deutschland und der EU ein Ergebnis der oben dargestellten Konflikte und der daraus entstehenden Interpretationsspannbreite ist, welche die Basis für (interessengeleitete) Deutungskonflikte darstellt. Die Biokraftstoffpolitik in Deutschland und der EU stellt sich somit als ein von vielfältigen Akteursinteressen und widersprüchlichen Argumentationen durchsetztes Politikfeld dar. Wie, warum und in welchem Kontext aber gewinnen gewisse Interpretationen hierbei die Deutungshoheit und manifestieren sich in politischen Entscheidungen? Und welche sind dies und woher kommen sie?

 Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Dissertation mithilfe verschiedener Ansätze der interpretativen Policy-Analyse beantwortet werden. Im Zentrum der Analyse steht damit die Konstruktion der Wirklichkeit durch die politischen Akteure. Konkreter wird dazu der Diskurskoalitionsansatz verwendet, der es ermöglicht, strategisches Akteurshandeln im Zusammenhang mit Diskursen und institutionellen Praktiken zu analysieren und somit die Bedeutung und Relevanz der Biokraftstoffpolitik in einen weiteren politischen oder gesellschaftlichen Kontext einzuordnen und zu verstehen.

Thomas Vogelpohl ist Mitglied der Nachwuchsforschergruppe Fair Fuels?, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Sozial-ökologischen Forschung finanziert wird.

Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
Potsdamer Str. 105
10785 Berlin