Dr. Daniel Hönow

Daniel Hönow

Aufgabenbereich

Die vernachlässigte Säule der Energiepolitik. Energieeffizienzpolitik im Spannungsfeld zwischen europäischem Mehrebenensystem, nationalstaatlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Interessen

E-Mail dhoenow@posteo.de

Betreuer

Prof. Dr. Miranda Schreurs

Kurzbeschreibung

Das Thema Energieeffizienz stand sowohl in der Energiepolitik als auch in der Umweltpolitikforschung lange Zeit im Schatten der mit sehr viel mehr Aufmerksamkeit versehenen erneuerbaren Energien. Ursachen hierfür sind relativ hohe Anfangsinvestitionen, lange Amortisierungsszeiträume und die nur mittelbare Wirkung auf Emissionseinsparungen. Die Vernachlässigung verwundert dennoch, denn Energieeffizienz kann zur Lösung einer ganzen Reihe von Herausforderungen beitragen, vor denen die EU steht: Obwohl der Gesamtbedarf der Union langsam absinkt, steigt ihre Energieabhängigkeit. Widerstrebende ökonomische und ökologische Interessen bremsen die nachhaltige Modernisierung des Energiesektors. Und steigende Kosten beschränken die innen- wie außenpolitischen Handlungsspielräume. Mit Energieeffizienz werden Emissionen eingespart, die Preise mittelfristig abgedämpft und geostrategische Abhängigkeiten reduziert. Eine Entkopplung von Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, steigendem Bedarf und ökologischem Schaden scheint möglich.

Mit Verabschiedung der EU-Energieeffizienzrichtlinie wurde festgeschrieben, dass die Energieeffizienz zwischen 2012 und 2020 um 20 Prozent gesteigert werden soll. Allein die Hälfte des bis 2020 geplanten Emissionsrückgangs soll auf Basis der Richtlinie realisiert werden. Der Vorgang erscheint bemerkenswert: Eine supranationale Gemeinschaft reglementiert den Emissionsausstoß und damit die Wirtschaftsentwicklung ihrer Mitglieder.

Gegenstand der Arbeit ist der Entstehungs-, Verhandlungs- und Implementationsprozess von Energieeffizienzpolitik im europäischen Mehrebenensystem. Wie kam es zur beschriebenen Begrenzung? Welche Maßnahmen waren bestimmend? Welche Kriterien beeinflussten die Auswahl des gesetzlichen Instrumentariums in der EU und Deutschland? Mit welchen Machtressourcen und Methoden haben involvierte Interessenkoalitionen den Gesetzgebungsprozess beeinflusst? Und wie wird die Energieeffizienzpolitik in den EU-Mitgliedstaaten umgesetzt?

Mit einer Policy-Analyse von Agenda Setting, Verhandlungsverlauf, Inhalten und Implementation der Richtlinie werden Muster institutionellen Handelns sowie funktionale Verknüpfungen zu relevanten Politikfeldern herausgearbeitet. Auf Basis des „Advocacy Coalition Framework" werden Policy-orientiertes Lernen und die Positionen beteiligter Akteure erklärt. Durch die Analyse von Aktionen und Interaktionen der Interessenkoalitionen zeigen sich übertragbare Handlungsmuster. Die gewonnenen Erkenntnisse zu Erfolgsbedingungen und Hemmnissen im Prozess tragen zu einem besseren Verständnis der europäischen Energiepolitik bei.