Forschungsprojekte

The Greeks, the Germans and the Crisis (GGCRISI)

Zusammen mit Prof. Dr. Maria Kousis, University of Crete, Department of Sociology
Laufzeit: 2014 - 2015
Finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
MitarbeiterInnen: Franziska Scholl, Moritz Sommer

www.ggcrisi.org

In der Forschung fehlt bislang eine systematische, ergebnisoffene Analyse, welche Akteure welche politischen Positionen in der Debatte um die Wirtschafts- und Griechenlandkrise öffentlich artikulieren. Das Projekt schließt diese Lücke und analysiert die massenmediale Debatte über die Krise in deutschen und griechischen Zeitungen von Oktober 2009 bis September 2013. Mit der Methode der Discursive Actor Attribution Analysis, die Political Claim Analysis, Diskursanalyse und Protestereignisanalyse verbindet, werden Ursachen, Folgen, angemessene Maßnahmen und die Rolle (potenziell) beteiligter Akteure systematisch abgebildet und erklärt. Eine detaillierte Kenntnis der vertretenen Positionen führt zu einem tieferen Verständnis, welche politischen Maßnahmen von wem mit welchen Argument begründet bei welcher Referenzgruppe Akzeptanz finden können. Die Befunde tragen zu der Debatte um einen Europäisierung und Transnationalisierung der Öffentlichkeit sowie der Europäisierung und Transnationalisierung von politischen Auseinandersetzungen bei.  In einer anschließenden Phase führen wir Interviews mit den wichtigsten Akteuren, die in der Berichterstattung auftauchen. Dabei geht es um ihre Strategien und die Wahrnehmung anderer Debattenteilnehmer.

Engagement, Engagementpotenzial und das Potenzial für Gewerkschaftsengagement bei Jugendlichen in den Neuen Bundesländern

Laufzeit: 2013-2014
Finanziert durch die Otto-Brenner-Stiftung

Weil Engagement meist bereits in der Jugend erstmals aufgenommen wird, sind Jugendliche von besonderer Bedeutung für eine zivilgesellschaftliche Engagementkultur. In der Forschung wurde vielfach gezeigt, dass Engagement in Ostdeutschland deutlich geringer ist als in Westdeutschland. Mit der Betrachtung von Jugendlichen in Ostdeutschland fokussiert das Projekt eine für die Engagementforschung besonders relevante Gruppe. Das Projekt nutzt vorliegende standardisierte Umfragedaten, um das Ausmaß, die Art und die Erklärung von Engagement bei ostdeutschen Jugendlichen detailliert und differenziert zu untersuchen. Der Freiwilligensurvey, die Studie Aufwachsen in Deutschland (AID:A) und die Shell-Jugendstudie sind in Kombination wertvolle Informationsquellen, die bisher nur sehr unzureichend genutzt wurden. Das freiwillige Engagement Jugendlicher in Ostdeutschland soll in einem ersten Schritt ausführlich beschrieben werden. In einem zweiten Schritt dienen multivariate strukturentdeckende Verfahren der Typisierung von Arten des Engagements, um dann nach Engagement-Art differenzierte Erklärungsmodelle zu entwickeln. Dabei können Datenlücken in einem Datensatz zum Teil durch Informationen in einem anderen Datensatz kompensiert werden. Ausgehend von den nach Engagement-Art differenzierten Erklärungsmodellen sollen differenzierte Potenzial-Analysen durchgeführt werden. Engagement in Gewerkschaften gilt in jedem Schritt besondere Aufmerksamkeit.

Erwartungen und Einschätzungen zur Stromnetzentwicklungsplanung bei Beteiligten

In Deutschland wird ein umfangreicher Aus- und Umbau des Stromnetzes in einem partizipativen Prozess geplant. Im Rahmen von Konsultationen wurden vorläufige Pläne zum zukünftigen Energiemarkt und zu den erforderlichen Übertragungswegen zur Diskussion gestellt. Die Größe des Projektes mit einer Betroffenheit fast des gesamten Bundesgebietes und die Öffentlichkeitsbeteiligung bei den frühesten Planungsschritten machen diesen Prozess besonders interessant.

Das Projekt beschäftigt sich mit der Perspektive auf das Konsultationsverfahren zum Stromnetzentwicklungsplan von intensiv Beteiligten. Dazu wurden TeilnehmerInnen von Veranstaltungen zur Diskussion des Stromnetzentwicklungsplans 2012, die von den Übertragungsnetzbetreibern einerseits und der Bundesnetzagentur andererseits durchgeführt wurden, standardisiert befragt zu ihren Erwartungen an das Verfahren, ihren Einschätzungen des Verfahrensablaufs und anderer Beteiligter. Ergänzt wird die Studie durch Leitfadeninterviews mit unterschiedlichen beteiligten Akteuren.

Nachwuchsnetzwerk Neue Perspektiven auf Soziale Bewegungen und Protest

Laufzeit: 2010 - 2014
Finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Das Nachwuchsnetzwerk Neue Perspektiven auf Soziale Bewegungen und Protest (kurz Netzwerk Bewegungsforschung) ist ein Zusammenschluss von 14 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, die zu unterschiedlichen Themen im Feld von Bewegungen und Protest forschen.

Neben einem kontinuierlichen Austausch über die aktuelle Forschung in dem Feld will das Netzwerk die Forschung vor allem in drei Bereichen vorantreiben:

  1. Die Anschlüsse zwischen allgemeinen Gesellschaftstheorien und Forschung zu sozialen Bewegungen sollen neu diskutiert und für beide Seiten (Gesellschaftstheorien und soziale Bewegungen) fruchtbar gemacht werden.
  2. Der cultural turn der Sozialwissenschaften soll in unserem Netzwerk aufgenommen und auf Protest und soziale Bewegungen bezogen werden.
  3. Eine konstitutive Beziehung von Sozialstruktur und Protest bzw. sozialen Bewegungen zu unterstellen, hat in der Forschung eine lange Tradition, wurde aber in den letzten Jahren eher vernachlässigt. Das Netzwerk will diese Beziehung systematisch diskutieren.

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Europäisierung in deutschen Grenzregionen

Eigenprojekt: Habilitation
Laufzeit: 2004 - 2008

Das Habilitationsprojekt fragt nach den Bedingungen von Integration in europäischen Grenzregionen. In Grenznähe könnte die Europäisierung in vielen Bereichen alltagsrelevant sein. Wenn die rechtliche Grenzöffnung dazu führt, dass auch im Leben der Menschen in Grenznähe die Grenze ihre Bedeutung verliert, dann müsste sich niederschlagen beim Einkaufsverhalten, bei der Freizeitgestaltung oder beim Besuch von Freunden. All diese Aktivitäten können sich auf den nationalen Raum beschränken oder aber auch in das Nachbarland hinein reichen. Die Habilitation will klären, in welchem Maße, in welchen Bereichen und an der Grenze zu welchen Nachbarländern es zu grenzüberschreitenden Aktivitäten kommt und wie die Unterschiede erklärt werden können. Besonderes Interesse gilt dem Vergleich von Erklärungen durch praktische Erwägungen bzw. Nutzen einerseits und (wahrgenommenen) kulturellen Unterschieden andererseits. Verschiedene Integrationstheorien, die eher auf Wertekonsens oder eher auf grenzüberschreitende Systemlogiken setzen, dienen als Hintergrund.

Die Europäische Union und die massenmediale Attribution von Verantwortung

mit Prof. Dr. Jürgen Gerhards
Laufzeit: 04.2004 - 10.2006
Finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Mitarbeiterin: Anke Offerhaus

Das Projekt fragt, in welchem Maße und unter welchen Bedingungen der EU die Verantwortung für politische Maßnahmen öffentlich zugeschrieben wird. Hintergrund ist die Annahme, dass in den national dominierten Öffentlichkeiten sich die EU als Sündenbock geradezu anbieten könnte. Gleichzeitig sind die Akteure der EU (etwa Vertreter der EU-Kommission) zu wenig in der Öffentlichkeit präsent, um etwaige gegenläufige Interpretationen zu verbreiten. Anhand einer quantifizierenden Zeitungsanalyse soll diese These generell und in Hinblick auf ihre zeitliche Varianz sowie im Vergleich Deutschland und Großbritannien geprüft werden.

Effekte von Umweltprotesten in der Bundesrepublik Deutschland

Laufzeit: 11.2003 - 10.2004
Finanziert durch die Fritz Thyssen-Stiftung
Mitarbeiterinnen: Manuela Beer (11.2003-04.2004), Patricia Deuser und Hanna Schlingmann.

Ausgangspunkt dieses Projektes sind vorliegende Protestereignisanalysen, die am Wissenschaftszentrum Berlin durchgeführt wurden, einerseits in dem Projekt "Transformation of Environmental Activism" (vgl. unten) und andererseits in dem PRODAT-Projekt (Dokumentation und Analyse von Protestereignissen in der Bundesrepublik Deutschland, 1950-1996). Parallel zu diesen Protest-Zeitreihen sollen nun bestehende Daten zu Dimensionen zusammengestellt werden, auf die Proteste möglicherweise einen Effekt haben. In dieser Längsschnittperspektive müssten sich, auch jenseits der vielfältigen und oft sehr zufälligen lokalen Konfliktkonstellationen, wie sie in Fallstudien oft betrachtet werden, Effekte im Aggregat zeigen lassen. Untersucht werden die Bereiche massenmediale Öffentlichkeit, individuelle Einstellungen, politisches Handeln, Wirtschaftshandeln, individuelles Handeln sowie Effekte auf die Umwelt.

Fans und Fantum

mit Jun.-Prof. Dr. Mike S. Schäfer

Gegenstand der Untersuchung sind Fans unterschiedlicher Gegenstände und Personen. Sport-, Musik-, Film-, Fernseh-, Auto- und andere Fans, aber auch Theater-, Oper- und Kunst-Begeisterte stehen im Mittelpunkt. In diesen sehr unterschiedlichen Feldern sollen die individuelle Bedeutung und Praxis des Fanseins erhoben werden. Darüber hinaus werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der unterschiedlichen Fanbereiche herausgearbeitet.
Im Rahmen eines Forschungsseminars werden Studierende etwa 60 leitfadengestützte qualitative Interviews mit Fans unterschiedlicher Gegenstände oder Personen führen. Darüber hinaus werden mit einem Online-Fragebogen Charakteristika der Fanbereiche quantitativ erfasst und theoriegeleitet spezielle Fragen untersucht:

  • Fans lassen sich verstehen als partizipatives Publikum. Entspricht der aktivere Teil der Fans den auch politisch aktiveren oder sind die engagierten Fans auf eigene Weise sozialstrukturell geprägt?
  • Gibt es eine Fan-Elite, die über besonders hohes Fan-spezifisches kulturelles und soziales Kapital (im Sinne von Bourdieu) verfügt? Unterscheidet sich diese Elite sozialstrukturell von den Eliten der Gesellschaft generell?
  • Gibt es einen Effekt von grenzüberschreitender Fan-Aktivität auf Transnationalität in anderen Lebensbereichen?

Diese und weitere Fragen werden mittels der Online-Befragung beantwortet.

Die Europäisierung der deutschen und britischen Umweltbewegung

Eigenprojekt: Dissertation
Laufzeit: 1998 - 2001

Die Verlagerung politischer Kompetenzen von der nationalen auf die europäische Ebene hat das Umfeld nationaler Umweltorganisationen grundlegende verändert. Die Arbeit untersucht, ob bzw. in welcher Weise die zunehmende Europäisierung im Bereich der Umweltpolitik die Arbeit der nationalen Umweltorganisationen verändert hat. Wie und in welchem Umfang werden die nationalen Umweltorganisationen selbst auf europäischer Ebene aktiv oder delegieren sie diese Arbeit (bei mehr oder minder intensiver Zuarbeit) an europaweit organisierte Netzwerke mit Büros in Brüssel? Die Unersuchung basiert auf Leitfadeninterviews mit Vertretern und Vertreterinnen von nationalen Umweltorganisationen in beiden Ländern.
Die Ergebnisse sind in folgendem Buch veröffentlicht:
Roose, Jochen, 2003: Die Europäisierung von Umweltorganisationen. Die Umweltbewegung auf dem langen Weg nach Brüssel. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag (jetzt VS Verlag für Sozialwissenschaften).

25 Jahre Öko-Institut

Laufzeit: 2001
Finanziert durch das Öko-Institut

Anlässlich des 25jährigen Bestehens des Öko-Institutes im Jahr 2002 habe ich eine Studie erstellt, die auf der Basis von semi-strukturierten Interviews die Entwicklung des Instituts nachzeichnet. Die Entstehungsgeschichte und Veränderung zwischen professioneller Forschung und Umweltbewegung wird in der Studie analysiert. Die Studie kann als pdf-file hier herunter geladen werden (ca. 1MB).

Geringfügige Beschäftigung in Berlin-Brandenburg im Geschlechtervergleich

Finanziert durch die Hans Böckler-Stiftung, mit Irmtraud Schlosser
Laufzeit: 1997 - 1998

Die amtliche Statistik unterschätzt das Ausmaß von geringfügiger Beschäftigung aufgrund der Erhebungsmethode im Mikrozensus erheblich und verzerrt vermutlich die Ergebnisse, weil durch den amtlichen Erhebungshintergrund und die Art der Frage bestehende geringfügige Arbeitsverhältnisse nicht angegeben werden. Die Studie korrigiert diese Unterschätzung durch eine Gewichtung, die mit der besseren Frageformulierung im sozio-ökonomischen Planel gewonnen werden kann. Aufgrund dieser korrigierten Datenbasis kann das Ausmaß geringfügiger Beschäftigung in Berlin-Brandenburg genauer bestimmt werden. Zudem sollte der Geschlechterunterschied beim Umfang und der Bezahlung geringfügiger Beschäftigung in dieser Region bestimmt werden. Es zeigt sich, dass nicht nur Frauen deutlich häufiger in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, sondern zudem dass auch in diesem Segment des Arbeitsmarktes der Stundenlohn der Frauen deutlich geringer ist als der Vergleichslohn der Männer. In Brandenburg sind weniger Menschen, vor allem weniger Frauen in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen als Männer. Dies wird interpretiert als ein Effekt der ungünstigeren Wirtschaftslage und höheren Arbeitslosigkeit, die zu einem Wegfall von geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen führen dürften. In Brandenburg sind also mehr Menschen und insbesondere mehr Frauen, die eigentlich eine geringfügige Beschäftigung nachfragen würden, arbeitslos.

Projektmitarbeit bei: "Transformation of Environmental Activism"

Antragsteller: Christopher Rootes, University of Kent at Canterbury
Betreuer der deutschen Teilstudie: Prof. Dr. Dieter Rucht, Wissenschaftszentrum Berlin
Laufzeit: 1997 - 2001
Finanziert durch die Forschungsförderung der Europäischen Union
Nähere Informationen hier.