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KFS zum bundesweiten Warntag

News vom 10.09.2020

1984 beschreiben Lars Clausen und Wolf R. Dombrowsky, die Wegbereiter der Katastrophenforschungsstelle (KFS), das Wesen der Warnung: „Negativ bestimmt sich so das Warnwesen als eine technische Einrichtung, die dann auch trotz besten Funktionierens und möglicher Rechtzeitigkeit sinnlos ist, weil es ein „nacktes Warnen“ ein Warnen ohne Bezug auf die als gefährlich definierten Umwelterscheinungen und die ihm folgenden angemessenen Reaktionen der Gewarnten, nicht geben kann. Es vereinfachte sich zu einer „Prognose“ herkömmlichen naturwis­senschaftlichen Musters - weil „Warnungen“ mehr sein müssen, nämlich konkret erlauben sollen, so­zial handelnd das Vorhergesagte, die Gefahr, nicht eintreten zu lassen. Nur dort, wo die Korrespon­denz aller Bezüge über das gesamte Spektrum von Gefahrenantizipation, -definition, technischer Umsetzung und Reaktionstraining abgedeckt ist, ließe sich von einem gesellschaftlich funktionstüch­tigen Warnwesen sprechen“ (S. 297/298, in Zeitschrift für Soziologie, Jg. 13, H 4, 293-307).

In diesem Sinne arbeitet die KFS seit über 30 Jahren daran, das gesamte Spektrum des „Warnens“ wissenschaftlich-reflektierend abzubilden.  

Dazu gehören Fragen wie  

Wer nimmt Warnungen wie wahr?  

Die KFS entwickelt im Projekt WEXICOM u. a. Kriterien für die Wahrnehmung, Bewertung und Nutzung von Wetterwarnungen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen, Bedarfe und Nutzungsgewohnheiten innerhalb der heterogenen Bevölkerung. Darauf aufbauend werden Handlungsempfehlungen zur nutzer(gruppen)spezifischen Kommunikation von Wetterwarnungen erstellt. Erste Ergebnisse der KFS zur Kommunikation von Wetterwarnungen aus dem Vorläuferprojekt WEXICOM II wurden in der Schriftenreihe Sicherheit veröffentlicht.    

Welche Vorstellungen haben ExpertInnen davon, wie Warnungen bei der Bevölkerung ankommen und welche Folgen hat das für den Warnprozess?

Katastrophenmythen und Vorurteile gegenüber der Bevölkerung behindern oft, dass Warnungen so ankommen wie geplant. Überlegungen dazu hat die KFS hier veröffentlicht.

Welche Warnungen sind angemessen und ab wann ist Warnung Panikmache?

Dies wurde als Quick-Response-Forschung auf den Orkan „Sabine“ im Februar 2020 gefragt. In einer deutschlandweiten ad hoc Befragung untersuchte die KFS wie die Bevölkerung die Warnungen wahrgenommen und darauf reagiert hat. Erste Ergebnisse finden sich im Bevölkerungsschutz-Magazin des BBK zum Thema „Warnung der Bevölkerung“    

Wie kann die Bevölkerung nicht nur gewarnt, sondern zugleich auch mobilisiert werden zu helfen?  

Dies wurde im Projekt ENSURE untersucht und eine entsprechende App entwickelt, die auf den gängigen App-Stores zum Download bereit steht. Zur erfolgreichen Einbindung von Helfenden erstellte die KFS u.a praxisnahe Empfehlungen, ein Manual und einen Werkzeugkasten für Mitarbeitende der BOS.  

Wie ist das Vertrauen in die Akteure, die für Warnungen zuständig sind wie Behörden oder Organisationen?

Die Wahrnehmung von Warnungen wird nicht nur durch den Warninhalt, sondern auch das Vertrauen in die Informationsquelle beeinflusst. Welchen Akteuren am meisten Vertrauen geschenkt wird, lässt sich in KFS-Studien zur COVID-19-Pandemie, zur Katastrophenvorsorge in Jena und Berlin oder während des Hochwasser 2013 hier nachlesen.

Wie viel Zeit investierte die Bevölkerung in die Informationssuche zu Anfang der Corona-Pandemie?

Darüber und über die Wahrnehmung der Pandemie gibt folgende KFS-Studie Auskunft.

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SFB 1171 Affective Societies
BGSMCS
Berlin Southern Theory Lecture