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Dr. Jannis Julien Grimm (Zweitbetreuung)

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Doktorand

Dissertation zu "Contesting Legitimacy: Protest and the Politics of Signification in Post-Revolutionary Egypt"

Jannis Julien Grimm is a Doctoral Fellow at the Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies (BGSMCS), where he works on the dynamics of social protests and state repression in post-revolutionary Egypt, focusing on the development of contentious discourses during processes of social transformation. He has studied Arabic and Islamic Studies, and Political Science in Münster, Berlin, and in Cairo, and has majored in Middle Eastern Studies. Investigating processes of authoritarian contraction through the perspective of politics from below, Jannis has worked on Egypt’s political affairs at Humboldt University’s Mediterranean Institute Berlin (MIB) and the German Institute for International and Security Affairs, SWP Berlin. Since 2013, he co-authors the German Federal Ministry for Economic Cooperation and Development’s annual country report on Egypt. He tweets @jannisgrimm.

Thesis: Contesting Legitimacy: Protest and the Politics of Signification in Post-Revolutionary Egypt 

ABSTRACT

Diese Dissertation befasst sich aus hegemonie-theoretischer Perspektive mit poli-tischen Mobilisierungsprozessen im Kontext der autoritären Regression in Ägypten. Ihr Schwerpunkt liegt auf den seit dem Militärputsch 2013 mehrfach wechselnden politischen Allianzen und ihren umkämpften Auffassungen von politi-scher Legitimität. Die Arbeit fußt auf der Prämisse, dass Prozesse politischer Mobilisierung, sowohl seitens sozialer Bewegungen als auch staatlicher Akteure, nicht durch uni¬direktionale Kausalzusammenhänge erklärbar sind, sondern von den Mikrodynamiken sozialer Interaktion zwischen politischen Wettstreitern abhängen. Diese Interaktion findet einerseits auf einer performativen Ebene statt, etwa zwischen Polizisten und Demonstrierenden bei Straßenprotesten. Parallel dazu zeichnen sich politische Konflikte aber auch auf einer diskursiven Ebene ab, wo politische Rivalen um die Deutungshoheit über eben jene Protestereignisse ringen. Ausgehend von einer hegemonietheoretischen Betrachtung dieses diskursiven Wettstreits zeigt die vorliegende Arbeit, wie sich beide Ebenen gegenseitig bedingen. Im Kern wird dabei argumentiert, dass Entwicklungsverlauf und Er-folgsaussichten sozialer Mobilisierung in Ägypten seit der militärischen Machtübernahme sowie die Gelegenheiten für die Allianzbildung verschiedener wider-ständigen Akteure gleichermaßen von der faktischen Beschaffenheit und der diskursiven Darstellung von Protest- und Repressionsereignissen abhingen. Die Analyse mehrerer Protest- und Repressionswellen in Ägypten zwischen 2013 und 2016 stützt sich auf ein integriertes Forschungsdesign, welches quantitative Messverfahren zur Erfassung von Protestereignissen mithilfe von Eventdatenbanken mit einer qualitativen Diskursanalyse zu jenen Ereignissen kombiniert. Die resultierende Mehrebenen-Analyse der Protest-Repressionsdynamiken in Ägypten – von den Tamarod-Protesten 2013, über die Anti-Coup-Kampagne gegen den Militärputsch, bis zu den Demonstrationen gegen die Aufgabe der zwei Inseln Tiran und Sanafir im Roten Meer im Jahr 2016 – belegt den Einfluss von Veränderun-gen in der diskursiven Architektur auf die Gelegenheitsstrukturen sozialer Bewegungen und politischer Regime und auf deren Bereitschaft, sich auf Protest- und Repressionskampagnen einzulassen. Nicht zuletzt verfolgt diese Analyse somit das Ziel, zu zeigen, dass die Art und Weise, wie über politischen Protest, Repression oder Gewalt gesprochen wird, letztlich ausschlaggebend dafür ist, mit welchen Mitteln soziale Bewegungen Regime herausfordern, wie selbige darauf reagieren und inwiefern beide Seiten hierfür potenzielle Unterstützer mobilisieren können.

For a list of publications see: https://bgsmcs.academia.edu/JannisJulienGrimm

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