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DFG-Projekt: Herausforderungen an Journalismus: Zum Verständnis von performativen Öffentlichkeiten durch Media Practice

Das Forschungsteam (eigene Darstellung / Bildmontage): (oben) Margreth Lünenborg, Miriam Siemon; (unten) Christoph Raetzsch, Moe Kinoshita, Wolfgang Reißmann

Das Forschungsteam (eigene Darstellung / Bildmontage): (oben) Margreth Lünenborg, Miriam Siemon; (unten) Christoph Raetzsch, Moe Kinoshita, Wolfgang Reißmann
Bildquelle: (c) Wolfgang Reißmann

Projektlaufzeit: 3 Jahre (seit Mai 2020)

Das Projekt erforscht auf Basis eines praxis- und gendertheoretischen Rahmens das Entstehen performativer Öffentlichkeiten rund um die #metoo-Debatte in Deutschland (Fallstudie I) sowie geschlechterpolitisch relevante Diskursstränge im Kontext der Corona-Krise (Fallstudie II).

Journalismus hat die exklusive Funktion, der Gesellschaft Themen von Relevanz zur Selbstverständigung zur Verfügung zu stellen, zweifellos eingebüßt. Längst sind andere Akteur*innen, seien es zivilgesellschaftliche Akteur*innen, seien es Privatpersonen, mittels alltäglich verfügbarer digitaler Medien unabhängig vom Journalismus in der Lage, Themen zu setzen und ihre Deutung intensiv und oftmals kontrovers zu verhandeln.

Sichtbar wird hierbei auch, dass mit den komplexen und kontroversen Formierungen von Öffentlichkeiten Wandlungen in deren Geschlechterstrukturen einhergehen. Gegenstand des Forschungsprojekts sind deshalb die Handlungs- und Deutungshoheiten von Journalismus, die durch vernetzte und digitale Kommunikation herausgefordert werden. Neben professionellen Journalist*innen werden zivilgesellschaftliche Akteur*innen und alltägliche Nutzer*innen als gleichberechtigte Kommunikator*innen betrachtet.

Die wechselseitige Emergenz performativer Öffentlicheiten wird theoretisch mit dem analytischen Konzept von Media Practice adressiert und empirisch über ein mixed-methods Design nachgezeichnet. Anstelle einer dichotomen Unterscheidung von privat versus öffentlich legt das Projekt eine graduelle Unterscheidung zwischen den Polen persönlicher und öffentlicher Artikulation zu Grunde (‚layers of publicness‘). In den Fokus rückt in dieser Analyse das Zusammenwirken etablierter und neuer Akteur*innen öffentlicher Kommunikation und die Auseinandersetzungen über marginalisierte Sprecher*innenpositionen im öffentlichen Diskurs um Geschlecht und Migration.

Methodisch setzt sich das Projekt zum Ziel, praxeologische Kommunikationsforschung durch eine Verbindung von quantitativen und qualitativen Methoden in der deutschen Kommunikationswissenschaft zu etablieren. Zum Einsatz kommen u. a. (halb-)automatisierte Netzwerk- und Inhaltsanalysen sowie Interviews und Ethnografie.

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für drei Jahre gefördert und beinhaltet u.a. eine Kooperation mit Axel Bruns von der Queensland University in Brisbane, Australien. Die Projektleitung liegt bei Margreth Lünenborg (Freie Universität Berlin) in Kollaboration mit Christoph Raetzsch (Aarhus University, Dänemark).

Bisherige Veröffentlichungen zum Thema:

Christoph Raetzsch, Margreth Lünenborg (2020). “Anchoring Practices for Public Connection: Media Practice and Its Challenges for Journalism Studies.” International Journal of Communication (14): 2868–2886.

Margreth Lünenborg, Christoph Raetzsch (2018). “From Public Sphere to Performative Publics: Developing Media Practice as an Analytic Model”. In Media Practices, Social Movements, and Performativity: Transdisciplinary Approaches, Susanne Foellmer, Margreth Lünenborg, Christoph Raetzsch (Hrsg.), 13-35. Abingdon: Routledge.

Margreth Lünenborg (2019). “Affective Publics”. In Affective Societies. Key Concepts. Jan Slaby, Christian von Scheve (Hrsg.), 319-329. Abingdon: Routledge.

Christoph Raetzsch (2017). “Journalism Studies Beyond Journalism: A Critical and Appreciative Dialogue with Michael Schudson.” Journalism Studies 18(10): 1277-1292. DOI: 10.1080/1461670X.2017.1338151.

Christoph Raetzsch, Henrik Bødker (2016). “Journalism and the Circulation of Communicative Objects“. Sonderausgabe zu "Digital Circulation". Balbi, G., Delfanti, A., Magaudda, P. (Hrsg.). Tecnoscienza. Italian Journal of Science & Technology Studies 7(1): 129-148.

Bei Interesse an diesem Projekt oder einer Zusammenarbeit können Sie sich an Margreth Lünenborg (margreth.luenenborg@fu-berlin.de) wenden.

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