Neuer Artikel zu Epistemischen Ungleichheiten im Journalismus veröffentlicht
Sie war eine der ersten nicht-weißen Journalistinnen im Rundfunk der BRD – und dennoch hat sich die Kommunikationswissenschaft bislang kaum mit Navina Sundaram beschäftigt. Vor diesem Hintergrund haben Prof. Margreth Lünenborg und Christina Haritos einen Artikel zu „Contradicting Epistemic Inequalities: The Case of the Journalist Navina Sundaram“ im Sonderheft „Hidden, Yet Pervasive: Social Inequality in Journalism (Research)“ der Journalism & Mass Communication Quarterly (JMCQ) veröffentlicht.
News vom 25.08.2026
Der Beitrag untersucht die Erfahrungen von Navina Sundaram als Journalistin beim Norddeutschen Rundfunk zwischen den späten 1960er- und frühen 1980er-Jahren. Sundaram arbeitete zu dieser Zeit u.a. als Journalistin für den Weltspiegel und Panorama und berichtete über Themen wie Unabhängigkeitskämpfe in Südasien oder Migrationspolitik in der BRD. Anhand eines privaten Nachlasses sowie Material aus dem Archiv des Norddeutschen Rundfunks wurde untersucht, wie Sundaram ihre eigene Position in der Produktion von legitimem Wissen sah und gegenüber anderen epistemischen Praktiken im Journalismus abgrenzte. Teile des Nachlasses sind hier digital einsehbar.
Für die Analyse entwickelten die Autorinnen ein theoretisches Modell, das Praktiken des Widersprechens mit Praktiken journalistischer Wissensproduktion zusammenführt. Anhand dieses Modells untersuchten sie, wie sich Sundarams Erfahrungen im Sender zeigten, mit besonderem Fokus auf drei Praktiken: Widersprechen in redaktionellen Abläufen, Widersprechen über internationale Netzwerke und die Verhandlung von (nationaler) Zugehörigkeit. Das Fazit zeigt, dass viele Aspekte heutiger Debatten über Diversität im Journalismus frühere Vorläufer haben – auch wenn diese Verbindung aufgrund mangelnden Quellenmaterials und fehlendem institutionellem Gedächtnis häufig unsichtbar bleibt.
Der Artikel ist hier frei zugänglich.

