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Wenn Fußball wichtiger wird als Verbrechen: Prof. Dr. Christian von Sikorski in der New York Times zitiert

News vom 03.07.2026

Am 30. Juni 2026 veröffentlichte die New York Times einen Artikel über die deutsche Medienberichterstattung nach dem Amoklauf in Stade, bei dem ein Mann sechs Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter erschoss. Der Beitrag zeigt, dass das frühe Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft das Verbrechen bereits einen Tag nach der Tat von den Titelseiten großer deutscher Medien verdrängte. 

 

Prof. Dr. Christian von Sikorski (Leiter der Arbeitsstelle Medienwirkungsforschung) wurde dazu als Experte befragt. Er erläuterte, dass Redaktionen das Interesse an dem Fall möglicherweise verloren hätten, nachdem ein innerfamiliäres statt eines politischen Motivs bekannt geworden war, wie es etwa bei terroristischen Anschlägen der Fall ist. Zugleich betonte er die anhaltende Agenda-Setting-Funktion klassischer Medien bei der Gewichtung von Themen in akuten Krisensituationen. 

 

Im Hintergrundgespräch erklärte von Sikorski zudem, dass journalistischen Qualitätsmedien in solchen Situationen eine besondere Verantwortung zukomme. Durch die Auswahl und Gewichtung von Themen schafften sie eine Grundlage dafür, worüber sich Menschen informieren und worüber die Gesellschaft insgesamt diskutiert. Je größer die mediale Aufmerksamkeit für ein Ereignis sei, desto wahrscheinlicher sei es, dass Gesellschaft und Politik daraus Konsequenzen ziehen und Maßnahmen entwickeln, um vergleichbare Gewalttaten künftig besser zu verhindern. Fehle diese Aufmerksamkeit und dominierten stattdessen zahlreiche, teilweise redundante Beiträge über das Ausscheiden der Fußballnationalmannschaft die Berichterstattung, sinke die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Gewalttat in der Öffentlichkeit angemessen reflektiert und diskutiert werde. 

 

Diese Entwicklung ist auch vor dem Hintergrund veränderter medialer Kommunikationsbedingungen zu sehen. Laut dem aktuellen Digital News Report der Universität Oxford informiert sich inzwischen nur noch eine Minderheit der Menschen direkt auf den Webseiten von Nachrichtenmedien. Wer Nachrichtenportale gezielt aufsucht, interessiert sich häufig besonders für aktuelle Ereignisse, vertraut etablierten Medienmarken eher und möchte sich umfassend informieren. Treffen diese Nutzerinnen und Nutzer dort jedoch vor allem auf monothematische Berichterstattung (z.B. zum Ausscheiden der Fußballnationalmannschaft), während andere gesellschaftlich relevante Themen weniger prominent sichtbar sind, könnte dies das ohnehin rückläufige Medienvertrauen, welches der Digital News Report ebenfalls aufzeigt, zusätzlich beeinträchtigen. 

 

Den vollständigen Artikel (kostenpflichtig) lesen Sie hier: https://www.nytimes.com/2026/06/30/world/europe/germany-shooting-stade-world-cup.html

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