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„Was ich gestern gesehen habe…“ – Wie Sendungskritiken den redaktionellen Alltag im ZDF beeinflussen (Dr. Mirco Liefke)

Redaktionelle Prozesse sind auf charakteristische Weise von Situationen geprägt, in welchen die Ergebnisse individueller Recherche bzw. von Ideen- und Programmentwicklung zur Diskussion gestellt werden oder Feedback zu bereits veröffentlichten Beiträgen/Sendungen eingeholt wird. Die Wirkung solcher Rückmeldungen kann dabei sehr unterschiedlich sein und reicht von Frustrationserfahrungen und Einschüchterung bis hin zu produktiven Denkanstößen und neuen Perspektiven, durch die Wertschätzung und ein konstruktives Arbeitsklima zum Ausdruck gebracht werden können. „Fruchtbares Feedback“ ist gerade für den Journalismus, in dem es immer wieder darum geht, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen und Unsicherheiten etwa hinsichtlich der Verständlichkeit oder Ausgewogenheit der eigenen Arbeit zu überwinden, von fundamentaler Bedeutung.

Im Rahmen eines Projektmoduls entwickeln Studierende des Master-Studiengangs „Publizistik- und Kommunikationswissenschaft“ unter meiner Anleitung und in Abstimmung mit den teilnehmenden ZDF-Redaktionen (in Mainz und Berlin) ein Forschungskonzept, das die gegenwärtige „Feedback/Diskussionskultur“ in verschiedenen Redaktionen beschreibt und Möglichkeiten für eine etwaige Veränderung bzw. Verbesserung der fraglichen Abläufe aufzeigt. [Die Implementierung dieser Vorschläge könnte in einem Anschlussprojekt dokumentiert und evaluiert werden.]

Nach der gemeinsamen Entwicklung einer geeigneten Forschungsfrage begleiten etwa 2-3 Studierende jeweils gemeinsam und unter meiner Anleitung den Arbeitsalltag der teilnehmenden Redaktionen/Teams o.ä. Es besteht während dieses Feldaufenthaltes, dessen Länge in Absprache mit dem ZDF festgelegt wird, keine Verpflichtung zur redaktionellen Mitarbeit. Es geht vielmehr darum, die redaktionellen Prozesse zu beobachten und gelegentlich etwa im Rahmen von Interviews, Fragen zu bestimmten Abläufen und insbesondere zum Nutzen von Feedbacks zu erörtern. Diese die teilnehmenden Beobachtungen flankierenden Interviews werden freiwillig und anonym geführt, um die Einschätzungen, Sorgen und Erfahrungen der Teilnehmenden zu erkunden. Neben der unmittelbaren Forschung in den Redaktionen besteht die Möglichkeit, an den morgendlichen Redaktionskonferenzen, während welcher u.a. die Vortagessendung kritisiert wird, digital teilzunehmen und diese auszuwerten. Außerdem erklären sich die Studierenden bereit, ihrerseits auf Wunsch der Redaktion Feedback zu geben und bspw. Sendungskritiken für den internen Gebrauch vorzulegen. Alle erhobenen Daten und Zwischenergebnisse werden den teilnehmenden Redaktionen präsentiert und dem ZDF lediglich in anonymisierter bzw. aggregierter Form zur Verfügung gestellt.   

Neben diesem Projektmodul wird die Feedbackkultur innerhalb des ZDF auch im Seminar „Nach der Sendung ist vor der Sendung. Wie Organisationskommunikation Feedback-Kulturen im ZDF prägt [LV-Nr. 28751] sowie in der dazugehörigen Methodenübung „Nach der Sendung ist vor der Sendung. Qualitative Methodenübung [LV-Nr. 28752]“ thematisiert. Eine Teilnahme an einer dieser Veranstaltungen ist nicht erforderlich, um sich für das Projektmodul anzumelden. Vielmehr bereichert das Projekt die genannten Lehrveranstaltungen, in denen bei Bedarf die erhobenen Daten oder erste Analyseergebnisse vorgestellt und diskutiert werden können.

Aufgrund der nötigen Koordination mit den Lehrveranstaltungen sowie der Vorbereitung der Feldaufenthalte beim ZDF ist eine verbindliche Anmeldung bis 14.10.2022 per E-Mail an: m.liefke@fu-berlin.de erforderlich.

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