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Lehre_2010_11

Wintersemester 2010/11

I. Grundstudium

V 15040 Politische Ideengeschichte

Mi 14.00-16.00 Uhr, Henry-Ford-Bau Garystr. 35, HFB/A

Die Vorlesung bietet einen Überblick zur Geschichte des politischen Denkens. Der Bogen spannt sich von der griechisch-römischen Antike über die jüdisch-christliche Tradition bis hin zu den großen Ordnungsentwürfen der Renaissance, der Reformation und Gegenreformation sowie der modernen Aufklärung und Gegenaufklärung. Den Auftakt bilden die Erfinder des Politischen: die alten Griechen der archaischen Zeit. Den Endpunkt markieren die großen politischen Kontroversen der Moderne: Liberalismus, Republikanismus, Demokratie, Konservatismus, Sozialismus usw.

Vorgestellt werden die bedeutendsten Klassiker des politischen Denkens: von den alten Griechen (Sophisten, Sokrates, Platon, Aristoteles, Stoa u.a.) über die Römer (Cicero u.a.) zu den christlichen Autoren der Spätantike (Paulus, Kirchenväter, Augustinus) und des Mittelalters (Thomas von Aquin, Dante Alighieri, Marsilius von Padua, Wilhelm von Ockham u.a.) bis zu den Politiktheoretikern der Frühen Neuzeit (Machiavelli, Bodin, Hobbes, Locke u.a.) und der Moderne (Montesquieu, Rousseau, Kant, Fichte, Hegel, Marx, Nietzsche, Max Weber u.a.).

Die Vorlesung wird begleitet von Tutorien, in denen einige Basistexte der genannten Klassiker besprochen werden. Die Texte werden in einem Reader zusammengestellt, der zu Semesterbeginn im Kopierladen in der Brümmerstr. zur Verfügung gestellt wird.

Themenplan

Literatur zur Vorlesung

PS 15041 Politisches Denken in der Antike: Platon und Aristoteles

Di 16.00-18.00 Uhr, Garystr. 55, Hs A

Die Fundamente unseres Politikdenkens wurden von den alten Griechen gelegt, die im Rahmen der antiken Polis erstmals in der Weltgeschichte die Selbstbestimmung und -verwaltung autarker Bürgerschaften unter Mitwirkung breiter Schichten der Bevölkerung praktizierten und im fünften und vierten vorchristlichen Jahrhundert direkte oder unmittelbare Demokratien realisierten. Die Klassiker des politischen Denkens, die sich um eine Bestandsaufnahme der Regeln und Normen, Bedingungen und Formen der griechischen Sittlichkeit bemühten und dadurch zum Ausgangs- und Anknüpfungspunkt aller künftigen politischen Philosophie wurden, waren Platon und sein einstiger Schüler Aristoteles. Im Seminar sollen die wichtigsten politischen Einsichten beider Philosophen rekonstruiert werden, um so in ihre politische Philosophie sowie ins politische Denken überhaupt einzuführen.

Literatur: Platon: Der Staat; Aristoteles: Politik; ders.: Die Nikomachische Ethik. Zur Einführung: Peter Massing/Gotthard Breit (Hg.): Demokratietheorien. Von der Antike bis zur Gegenwart. Schwalbach/Ts. 2001 (I. Antike); Helmut Kuhn: Platon. In: H. Maier u. a. (Hg.): Klassiker des politischen Denkens. Bd. 1. München 1968, 19795, 1-35; Peter Weber-Schäfer: Aristoteles. Ebd., 36-63; Julia Annas: Platon. In: I. Fetscher/H. Münkler (Hg.): Pipers Handbuch der politischen Ideen. Bd.1. München, Zürich 1988, 369-395; Peter Spahn: Aristoteles. Ebd., 397-437; Klaus Rosen: Griechenland und Rom. In: H. Fenske u. a.: Geschichte der politischen Ideen. Von Homer bis zur Gegenwart (1981). Frankfurt/M 1987, S.70 ff.

Themenplan

Literatur zum Seminar

PS 15042 Politisches Denken im Mittelalter

Fr 12.00-14.00 Uhr, Ihnestr. 21, 21/B

Das europäische Mittelalter galt lange Zeit als eine “finstere“ und abgeschlossene Epoche, die keinerlei Bedeutung für uns besitzt. Heute hat sich das Bild gewandelt. Das Mittelalter gilt heute als jene Zeit, in der die Weichen für die Neue Zeit gestellt worden sind. In den politischen Auseinandersetzungen vor allem des hohen und späten Mittelalters - Kampf zwischen Imperium und Sacerdotium, Reich und Kirche, Kaiser- und Papsttum sowie zwischen den Zentralgewalten und den sich verselbständigenden Territorien und Städten - wurden die Grundlagen für die neuzeitliche Entwicklung gelegt. In den großen philosophischen Debatten des Spätmittelalters - Aristoteles-Rezeption, Armutsstreit, Universalienstreit - wurden theoretische Klärungen erreicht, die für die künftige Philosophie bahnbrechend wurden.

Das Seminar befaßt sich mit diesen Auseinandersetzungen, die ihre theoretisch bedeutendsten Reflexionen in den politikphilosophischen Schriften von Thomas von Aquin, Dante Alighieri, Marsilius von Padua, Johannes Quidort von Paris, Wilhelm von Ockham und anderen fanden.

Literatur: Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten (ca. 1265/67). Stuttgart (Reclam) 1981; Dante Alighieri: Monarchia (nach 1316). Stuttgart (Reclam) 1989; Marsilius von Padua: Der Verteidiger des Friedens (1324). Stuttgart (Reclam) 1971; Johannes Quidort von Paris: Über königliche und päpstliche Gewalt. Textkritische Edition mit deutscher Übersetzung von Fritz Bleienstein. Stuttgart 1969; Wilhelm von Ockham: Texte zur politischen Theorie. Stuttgart (Reclam) 1995.

Zur Einstimmung sei empfohlen: Umberto Eco: Der Name der Rose. München 1982.

Themenplan

Literatur zum Seminar

II. Hauptstudium

HS 15215 Die Entstehung des souveränen Staates: Von Gregor VII. bis Hegel

Do 16.00-18.00 Uhr, Ihnestr. 21, Hs A

Das europäische Politikdenken der Neuzeit kreiste - im Unterschied zu dem der Antike, des Mittelalters und der außereuropäischen Kulturen - um den Begriff des Staates. Die Idee des nach innen wie außen souveränen, aus ständischer Herrschaft und geistlicher Bevormundung emanzipierten, durch Bürokratie und stehendes Heer institutionell konsolidierten Staates, der auf einem fest umgrenzten Territorium das “Monopol legitimen physischen Zwanges“ bzw. der “Gewaltsamkeit“ (Max Weber) innehat, mit Hilfe von Polizei und Verwaltung den innerstaatlichen Frieden sichert und seine Beziehungen zu anderen Staaten in Krieg und Frieden rechtlich regelt, ohne eine übergeordnete Entscheidungs- und Befehlsinstanz zu akzeptieren - diese Vorstellung gab der neuzeitlichen Theorie und Praxis der Politik in Europa Orientierung und Halt und stimulierte selbst noch jene Konzeptionen und Ordnungsentwürfe, die sich kritisch gegen diese Form der Menschenaggregation und der politischen Herrschaft verhielten.

Im Seminar werden die wichtigsten theoretischen Begründungen seit dem hohen und späten Mittelalter bis hin zu G. W. F. Hegel besprochen.