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WiSe Lehre 2012_2013

Wintersemester 2012/2013

I. Grundstudium

V 15040 Politische Ideengeschichte

Do 12.00-14.00 Uhr, Henry-Ford-Bau, Garystr. 35, HFB/D

Die Vorlesung bietet einen Überblick zur Geschichte des politischen Denkens. Der Bogen spannt sich von der griechisch-römischen Antike über die jüdisch-christliche Tradition bis hin zu den großen Ordnungsentwürfen der Renaissance, der Reformation und Gegenreformation sowie der modernen Aufklärung und Gegenaufklärung. Den Auftakt bilden die Erfinder des Politischen: die alten Griechen der archaischen Zeit. Den Endpunkt markieren die großen politischen Kontroversen der Moderne: Liberalismus, Republikanismus, Demokratie, Konservatismus, Sozialismus usw.

Vorgestellt werden die bedeutendsten Klassiker des politischen Denkens: von den alten Griechen (Sophisten, Sokrates, Platon, Aristoteles, Stoa u.a.) über die Römer (Cicero u.a.) zu den christlichen Autoren der Spätantike (Paulus, Kirchenväter, Augustinus) und des Mittelalters (Thomas von Aquin, Dante Alighieri, Marsilius von Padua, Wilhelm von Ockham u.a.) bis zu den Politiktheoretikern der Frühen Neuzeit (Machiavelli, Bodin, Hobbes, Locke u.a.) und der Moderne (Montesquieu, Rousseau, Kant, Fichte, Hegel, Marx, Nietzsche, Max Weber u.a.).

Die Vorlesung wird begleitet von freiwilligen Lektüregruppen, in denen einige Basistexte der genannten Klassiker besprochen werden. Die Texte werden in einem Reader zusammengestellt, der zu Semesterbeginn im Kopierladen in der Brümmerstr. zur Verfügung gestellt wird.

Themenplan

Literatur

 

PS 15041 Theorien der Macht und Herrschaft

Fr 12.00-14.00 Uhr, Ihnestr. 21, 21/B

Unter der Aureole von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ erweisen sich die modernen Gesellschaften, die sich als Verkörperung und Verwirklichung dieser Prinzipien verstehen, als konstituiert durch Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Das Seminar beschäftigt sich mit den anspruchsvollsten theoretischen Bemühungen, Licht in den durch Macht und Herrschaft gestifteten Gewaltzusammenhang des gesellschaftlichen Lebens und seine Dialektik zu bringen. Mögliche Themen werden sein:

   die Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft in Hegels „Phänomenologie des Geistes“

   die Ersetzung von personaler Herrschaft durch die Gewalt der stumm wirkenden Zwangsgesetze des Kapitals: Karl Marx

   Nietzsches Versuch, hinter der Herrschaft der Technik und der platonisch-christlichen „Sklavenmoral“ den alten, vorsokratischen „Willen zur Macht“ sichtbar zu machen und zu beleben

   Max Webers Herrschaftssoziologie als trockene Bestandsaufnahme der okzidentalen „Rationalisierung“ (Kapitalisierung und Bürokratisierung)

   die Macht- und Herrschaftskritik der Kritischen Theorie der „Frankfurter Schule“

   Michel Foucaults Machttheorie und seine Sicht der modernen Gesellschaft als „Disziplinargesellschaft“ und als „Kerkeruniversum“

   feministische Patriarchatskritik

   Perspektiven der Emanzipation, Chancen der Ersetzung von Herrschaft durch Solidarität heute

Themenplan

 

II. Hauptstudium

HS 15210 Gegenwartsdiagnosen. Von Fukuyama bis Sloterdijk

Di 14.00-16.00 Uhr, Ihnestraße 21, Hörsaal A

In den letzten zwanzig Jahren wurden eine Reihe bedeutender Gegenwartsdiagnosen entwickelt, die sich um ein Gesamtbild unserer Epoche mit ihren Nöten und Problemen bemühen. Im Seminar sollen u. a. folgende Werke besprochen werden:

Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir? München 1992

Niklas Luhmann: Beobachtungen der Moderne. Opladen 1992

Jean-Marie Guéhenno: Das Ende der Demokratie. München 1995

Samuel P. Huntington: Der Kampf der Kulturen München, Wien 1996

Benjamin R. Barber: Jihad versus McWorld / Coca-Cola und Heiliger Krieg. Bern, München, Wien 1996

Martin Albrow: Abschied vom Nationalstaat (1996). Frankfurt/M 1998

Jürgen Habermas: Die postnationale Konstellation. Frankfurt/M 1998

Ulrich Beck (Hg.): Perspektiven der Weltgesellschaft. Frankfurt/M 1998

Michael Hardt / Antonio Negri: Empire. Die neue Weltordnung (2000). Darmstadt 2002

Emmanuel Todd: Weltmacht USA. Ein Nachruf (2002). München 2003

Herfried Münkler: Imperien. Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten. Berlin 2005

Peter Sloterdijk: Im Weltinnenraum des Kapitals. Frankfurt/M 2005

Themenplan

 

HS 15211 Kritische Theorie und Wissenschaftskritik

Do 16.00-18.00 Uhr, Ihnestr. 21, UG 1

zusammen mit Philipp Mattern und Dennis Wutzke

Im Zentrum des Seminars steht die Lektüre klassischer und neuerer Texte kritischer Gesellschaftstheorie. Einen Schwerpunkt bildet die Auseinandersetzung mit sozialwissenschaftlichen Methodenidealen: Ist die Kritik an Methode zugleich Kritik als Methode? Gibt es überhaupt so etwas wie kritische Methode und welchen Stellenwert nimmt dabei der Begriff der Dialektik ein? Neben klassischen Texten der „Frankfurter Schule“, die den Wissenschaftsbetrieb ihrer Zeit kritisieren, werden wir auch neuere Versuche unter die Lupe nehmen, die gegenwärtig versuchen, »Dialektik« für sozialwissenschaftliche Erkenntnis fruchtbar zu machen. Zudem werden wir uns mit neueren Veröffentlichungen beschäftigen, die sich in dieser Tradition verorten, um aktuelle Probleme und Perspektiven kritischer Gesellschafts- und Wissenschaftstheorie zu erkunden.

Im Seminar können auch eigene Abschlussarbeiten diskutiert werden, die sich in einem weiten Sinne „wissenschaftskritisch“ ihrem Gegenstand nähern.

 

HS 15216 Genealogie des Staates

Mi 14.00-16.00 Uhr, Garystr. 55, Raum 105

Das europäische Politikdenken der Neuzeit kreiste – im Unterschied zu dem der Antike, des Mittelalters und der außereuropäischen Kulturen – um den Begriff des Staates. Die Idee des nach innen wie außen souveränen, aus ständischer Herrschaft und geistlicher Bevormundung emanzipierten, durch Bürokratie und stehendes Heer institutionell konsolidierten Staates, der auf einem fest umgrenzten Territorium das Monopol legitimen physischen Zwanges bzw. der Gewaltsamkeit (Max Weber) innehat, mit Hilfe von Polizei und Verwaltung den innerstaatlichen Frieden sichert und seine Beziehungen zu anderen Staaten in Krieg und Frieden rechtlich regelt, ohne eine übergeordnete Entscheidungs- und Befehlsinstanz zu akzeptieren – diese Vorstellung gab der neuzeitlichen Theorie und Praxis der Politik in Europa Orientierung und Halt und stimulierte selbst noch jene Konzeptionen und Ordnungsentwürfe, die sich kritisch gegen diese Form der Menschenaggregation und der politischen Herrschaft verhielten. Im Seminar werden die Vorläufer des Staates (Polis, Reich, Ekklesia) untersucht und die wichtigsten theoretischen Begründungen des Staates seit dem hohen und späten Mittelalter bis hin zu G. W. F. Hegel besprochen.

Themenplan

 

C 15449 Colloquium Ideengeschichte für (Post-) Docs

Do 18.00-20.00 Uhr, Ihnestr. 21, UG 1

zusammen mit Timo Pongrac

Im Colloquium sollen neuere Forschungen zum Wandel des Politikverständnisses in der europäischen Geschichte diskutiert werden. Im Fokus steht dabei die Frage nach möglichen Perspektiven einer postetatistischen politischen Theorie und Praxis, die im Zusammenhang mit den rezenten Krisen des klassischen Staatsmodells zu sehen ist. Es wird auch Raum für die eigene Präsentation von Forschungsprojekten geben. Das Seminar richtet sich ausschließlich an DoktorandInnen und Post-Docs. Eine schriftliche Anmeldung mit Skizzierung des eigenen Forschungsanliegens wird erbeten unter: timo.pongrac@fu-berlin.de.