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Lehre_WiSe_2013_2014

Wintersemester 2013/2014

I. Grundstudium

V 15040 Politische Ideengeschichte

Fr 12.00-14.00 Uhr, Henry-Ford-Bau, Garystr. 35, HFB/A (Hörsaal A)

Die Vorlesung bietet einen Überblick zur Geschichte des politischen Denkens. Der Bogen spannt sich von der griechisch-römischen Antike über die jüdisch-christliche Tradition bis hin zu den großen Ordnungsentwürfen der Renaissance, der Reformation und Gegenreformation sowie der modernen Aufklärung und Gegenaufklärung. Den Auftakt bilden die Erfinder des Politischen: die alten Griechen der archaischen Zeit. Den Endpunkt markieren die großen politischen Kontroversen der Moderne: Liberalismus, Republikanismus, Demokratie, Konservatismus, Sozialismus usw.

Vorgestellt werden die bedeutendsten Klassiker des politischen Denkens: von den alten Griechen (Sophisten, Sokrates, Platon, Aristoteles, Stoa u.a.) über die Römer (Cicero u.a.) zu den christlichen Autoren der Spätantike (Paulus, Kirchenväter, Augustinus) und des Mittelalters (Thomas von Aquin, Dante Alighieri, Marsilius von Padua, Wilhelm von Ockham u.a.) bis zu den Politiktheoretikern der Frühen Neuzeit (Machiavelli, Bodin, Hobbes, Locke u.a.) und der Moderne (Montesquieu, Rousseau, Kant, Fichte, Hegel, Marx, Nietzsche, Max Weber u.a.).

Die für die Vorlesung relevanten Texte werden in einem Reader zusammengestellt, der auf der E-Learning Plattform Blackboard zum Download bereit stehen wird.

Themenplan 

Literatur

 

PS 15041 Thomas Hobbes: "Leviathan" gegen "Behemoth"

Di 14.00-16.00 Uhr, Ihnestr. 21, 21/E

In den Wirren der konfessionellen Bürgerkriege, die im 16. und 17. Jahrhundert in blutigen Wellen über Europa hinwegschwappten, begründete Thomas Hobbes aus Malmesbury im „Leviathan“ (1651) die klassische Staatstheorie, die zum Ausgangspunkt aller künftigen Staatstheorien wurde und das Politikdenken bis heute bestimmt. Hobbes untersuchte die Bedingungen und Formen, Regeln und Normen der „Staatswerdung“ der Gesellschaft im Kampf gegen die alten Feudalstände und gegen die kirchliche Gegenmacht („Reich der Finsternis“). Der Staat entsteht ihm zufolge durch einen „Vertrag“ oder „Bund“ (covenant) eines jeden mit jedem, in dem jeder einzelne seine gesamte Macht und Stärke auf einen Menschen oder eine Versammlung von Menschen überträgt und diese(n) autorisiert, ihn zu regieren. Im Seminar wird anhand ausgewählter Kapitel der Gedankengang des „Leviathan“ rekonstruiert. Dabei soll die Analyse des englischen Bürgerkrieges, die Hobbes im „Behemoth“ (1668) unternommen hat, mit einbezogen werden.

Literatur: Thomas Hobbes: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates. Dt. v. W. Euchner. Hgg. v. I. Fetscher. Frankfurt/M: Suhrkamp (stw 462); Ders.: Behemoth oder Das Lange Parlament. Dt. v. J. Lips. Hgg. und mit einem Essay v. H. Münkler. Frankfurt/M 1991 (Fischer-TB).

Themenplan 

 

II. Hauptstudium

HS 15211 Politische Theorie bei Jürgen Habermas

D0 16.00-18.00 Uhr, Ihnestraße 21, 21/E

Seit dem Erscheinen seines ersten Hauptwerkes über den Strukturwandel der Öffentlichkeit (1962) hat Jürgen Habermas ein beachtliches sozialphilosophisches Werk produziert, das in der Theorie des kommunikativen Handelns (2 Bde., Frankfurt/M 1981) seinen ersten Höhepunkt und in späteren Rechts- und moralphilosophischen Werken (Erläuterungen zur Diskursethik. Frankfurt/M 1991; Faktizität und Geltung. Frankfurt/M 1992) seine Fortführung fand. Das Seminar möchte einführen in die kritische Theorie von Habermas und durch Rezeption seiner früheren und späteren Arbeiten einen Zugang bahnen zur Theorie des kommunikativen Handelns. Ferner werden seine demokratietheoretischen Arbeiten und seine jüngeren Gegenwartsdiagnosen erörtert. Folgende Themen werden dabei im Zentrum stehen:                                  

  • Erkenntnis und Interesse
  • Theorie und Praxis der Emanzipation
  • Handlungs- und Rationalitätsbegriff
  • System und Lebenswelt
  • Dialektik der Rationalisierung
  • Rechtsstaat und Demokratie
  • Die Krise des Wohlfahrtsstaates und die Erschöpfung utopischer Energien
  • Öffentlichkeit und deliberative Politik
  • Die postnationale Konstellation

Literatur wird zu Beginn des Semesters angegeben. Zur Einführung: J. Habermas: Einige Schwierigkeiten beim Versuch, Theorie und Praxis zu vermitteln. Einleitung zur Neuausgabe. In ders.: Theorie und Praxis. Frankfurt/M 1971, 9-47; Thomas McCarthy: Kritik der Verständigungsverhältnisse. Zur Theorie von Jürgen Habermas (1978). Frankfurt/M 1980; Klaus Roth: Die Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas. In: Peter Massing (Hg.): Gesellschaft neu verstehen. Aktuelle Gesellschaftstheorien und Zeitdiagnosen. Schwalbach/ Ts. 1997, 24-54.

Themenplan 

 

HS 15214 Carl Schmitt und die "Konservative Revolution" in der Weimarer Republik

Mi 14.00-16.00 Uhr, Ihnestr. 22, UG 2

An Carl Schmitt (1888-1985) scheiden sich noch immer die Geister. Für die einen gilt er als Klassiker der Staatsrechtslehre, gar als „jüngster Klassiker des politischen Denkens“. Den anderen erscheint er als Antiliberaler und Antidemokrat, der zwar in seinem Streben, „Kronjurist des Dritten Reiches“ zu werden, gescheitert, da von den Nationalsozialisten zurückgewiesen worden ist, der aber als Kritiker der Weimarer Republik und als „Apokalyptiker der Gegenrevolution“ zum „Wegbereiter des Faschismus“ geworden ist. Schmitt war Teil der sog. „Konservativen Revolution“ in der Weimarer Republik, einer Intellektuellenbewegung zwischen dem Konservatismus und dem Nationalsozialismus, die eine Alternative zu beiden zu begründen und zu verwirklichen suchte (Arthur Moeller van den Bruck, Ernst Jünger, Gottfried Benn, Hans Freyer, Hans Zehrer, Martin Heidegger u. a.). Im Seminar sollen vor dem Hintergrund der Entwicklung der ersten deutschen Demokratie die unterschiedlichen, z. T. gegensätzlichen theoretischen und politischen Konzeptionen untersucht und auf ihre Stringenz und Konsistenz hin geprüft werden. Dabei wird uns nicht nur interessieren, welche theoretischen Vorstellungen und Optionen die Theoretiker der deutschen Rechten hervorgebracht haben, sondern auch die Frage, wie sie ihre politischen Zielvorstellungen praktisch verwirklichen wollten. Wie sollte der Staat aussehen, den die konservativen Revolutionäre erstrebten? Welche gesellschaftlichen und politischen Kräfte, welche Personen und Parteien sollten diesen Staat realisieren? Haben die Gedanken dieser Bewegung Eingang in die Herrschaftspraxis gefunden? Handelt es sich bei ihr nur um einen Katalysator des Nationalsozialismus ohne eigene Massenbasis? Ist das Projekt der „konservativen Revolution“ letztendlich im Nationalsozialismus aufgegangen?

Literatur: Stefan Breuer: Anatomie der Konservativen Revolution. Darmstadt 1993; Eber-hard Kolb: Die Weimarer Republik. München, Wien 19882; Armin Mohler: Die Konser-vative Revolution in Deutschland 1918-1932. 2 Bde. 19893; Herfried Münkler: Die poli-tischen Ideen der Weimarer Republik. In: I. Fetscher/H. Münkler (Hg.): Pipers Handbuch der politischen Ideen. Bd. 5., München, Zürich 1987, S. 283-318

Themenplan 

 

C 15447 Colloquium Politische Ideengeschichte

Do 18.00-20.00 Uhr, Ihnestr. 21, 21/F

zusammen mit Timo Pongrac

Das Colloquium bietet Studierenden und Doktorand/innen die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeiten, Dissertationen und Forschungsprojekte aus dem Bereich der politischen Theorie und Ideengeschichte vorzustellen und zu diskutieren. Es kann auch als Forum genutzt werden, um Neuerscheinungen, die in den genannten Themenbereich fallen, gemeinsam zu erörtern.