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Lehre_WiSe_2014_15

Wintersemester 2014/2015

I. Grundstudium

V 15040 Politische Ideengeschichte

Fr 12.00-14.00 Uhr, Henry-Ford-Bau, Garystr. 35, HFB/A (Hörsaal A)

Die Vorlesung bietet einen Überblick zur Geschichte des politischen Denkens. Der Bogen spannt sich von der griechisch-römischen Antike über die jüdisch-christliche Tradition bis hin zu den großen Ordnungsentwürfen der Renaissance, der Reformation und Gegenreformation sowie der modernen Aufklärung und Gegenaufklärung. Den Auftakt bilden die Erfinder des Politischen: die alten Griechen der archaischen Zeit. Den Endpunkt markieren die großen politischen Kontroversen der Moderne: Liberalismus, Republikanismus, Demokratie, Konservatismus, Sozialismus usw.

Vorgestellt werden die bedeutendsten Klassiker des politischen Denkens: von den alten Griechen (Sophisten, Sokrates, Platon, Aristoteles, Stoa u.a.) über die Römer (Cicero u.a.) zu den christlichen Autoren der Spätantike (Paulus, Kirchenväter, Augustinus) und des Mittelalters (Thomas von Aquin, Dante Alighieri, Marsilius von Padua, Wilhelm von Ockham u.a.) bis zu den Politiktheoretikern der Frühen Neuzeit (Machiavelli, Bodin, Hobbes, Locke u.a.) und der Moderne (Montesquieu, Rousseau, Kant, Fichte, Hegel, Marx, Nietzsche, Max Weber u.a.).

Die für die Vorlesung relevanten Texte werden in einem Reader zusammengestellt, der auf der E-Learning Plattform Blackboard zum Download bereit stehen wird.

Themenplan 

Literatur

PS 15031 Politisches Denken im Mittelalter 

Mi 14.00-16.00 Uhr, Garystr. 55, 55/A (Hörsaal A)

Das europäische Mittelalter galt lange Zeit als eine "finstere" und abgeschlossene Epoche, die keinerlei Bedeutung für uns besitzt. Heute hat sich das Bild gewandelt. Das Mittelalter gilt heute als jene Zeit, in der die Weichen für die Neue Zeit gestellt worden sind. In den politischen Auseinandersetzungen vor allem des hohen und späten Mittelalters - Kampf zwischen Imperium und Sacerdotium, Reich und Kirche, Kaiser- und Papsttum sowie zwischen den Zentralgewalten und den sich verselbständigenden Territorien und Städten - wurden die Grundlagen für die neuzeitliche Entwicklung gelegt. In den großen philosophischen Debatten des Spätmittelalters - Aristoteles-Rezeption, Armutsstreit, Universalienstreit - wurden theoretische Klärungen erreicht, die für die künftige Philosophie bahnbrechend wurden. Das Seminar befaßt sich mit diesen Auseinandersetzungen, die ihre theoretisch bedeutendsten Reflexionen in den politikphilosophischen Schriften von Thomas von Aquin, Dante Alighieri, Marsilius von Padua, Johannes Quidort von Paris, Wilhelm von Ockham und anderen fanden.

Themenplan

Literatur


II. Hauptstudium 

HS 15021 Theorien der Macht und der Herrschaft 

14.00-16.00 Uhr, Garystraße 55, 55/A (Hörsaal A)

Unter der Aureole von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" erweisen sich die modernen Gesellschaften, die sich als Verkörperung und Verwirklichung dieser Prinzipien verstehen, als konstituiert durch Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Das Seminar beschäftigt sich mit den anspruchsvollsten theoretischen Bemühungen, Licht in den durch Macht und Herrschaft gestifteten Gewaltzusammenhang des gesellschaftlichen Lebens und seine Dialektik zu bringen. Mögliche Themen werden sein:

- die Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft in Hegels "Phänomenologie des Geistes"

- die Ersetzung von personaler Herrschaft durch die Gewalt der stumm wirkenden Zwangsgesetze des Kapitals: Karl Marx

- Nietzsches Versuch, hinter der Herrschaft der Technik und der platonisch-christlichen "Sklavenmoral" den alten, vorsokratischen "Willen zur Macht" sichtbar zu machen und zu beleben

- Max Webers Herrschaftssoziologie als trockene Bestandsaufnahme der okzidentalen "Rationalisierung" (Kapitalisierung und Bürokratisierung)

- die Macht- und Herrschaftskritik der Kritischen Theorie der "Frankfurter Schule"

- Michel Foucaults Machttheorie und seine Sicht der modernen Gesellschaft als "Disziplinargesellschaft" und als "Kerkeruniversum"

- feministische Patriarchatskritik

- Perspektiven der Emanzipation, Chancen der Ersetzung von Herrschaft durch Solidarität heute

Themenplan 

Literatur

 

HS 15310 G.W.F. Hegel: Rechtsphilosophie 

Di 14.00-16.00 Uhr, Garystraße 55, 55/A (Hörsaal A)

Während sich die heutige praktische Philosophie – in der Tradition des alteuropäischen Denkens (von Platon bis Kant) – vornehmlich in rechts- und moralphilosophischen Begrün­dungsdiskursen und in der Suche nach abstrakt-allgemeinen und universalistischen Prin­zipien erschöpft, hat Hegel dem philosophischen Denken einen alternativen Weg gewiesen: anstatt die traditionelle Suche nach ewigen Wesenheiten, die dem geschichtlichen Wandel entzogen sein sollen (Vernunft, Ideen, Sittengesetz, Gerechtigkeit usw.), weiterzuführen, hat er die soziale und geschichtliche Bedingtheit und Variabilität dieser Entitäten aufgewiesen, sie somit „ kontextualisiert“ und „verzeitlicht“. Darüber hinaus hat er die Defizienz und Widersprüchlichkeit von Recht und Moral und ihre Verankerung in konkreten gesellschaft­lichen und politischen Verhältnissen („Sittlichkeit“) aufgewiesen, die selbst der geschichtli­chen Entwicklung unterliegen.

In der Moderne hat sich die einstmals politische (societas civilis sive politica) in die „bür­gerliche Gesellschaft“ verwandelt, d.h. in die durch Egoismus und Konkurrenz (Kampf um Anerkennung, Tausch, Vertrag, Zwang, Verbrechen usw.) sowie durch Solidarität (wechsel­seitige Achtung, Freundschaft usw.) geprägte Sphäre der Intersubjektivität, die sich zwi­schen die Individuen und den Staat schiebt und sich selbst institutionell stabilisiert durch Korporationen (Bürgerinitiativen, Verbände usw.). Aus der Defizienz und aus den Wider­sprüchen dieser Sphäre begründet Hegel den „Staat“ als den großen Lebens-, Sinn- und Handlungszusammenhang einer mündigen Bürgerschaft („Volk“), die in ihrer Selbstver­wirklichung den göttlichen Heilsplan realisiert und sich in ihren Aktivitäten und Institutio­nen selbst erkennt.

Wir wollen im Seminar – anhand ausgewählter Passagen aus der Berliner „ Rechtsphiloso­phie“ von 1820/21 sowie der „Jenaer Realphilosophie von 1805/06“ – den komplexen Ge­dankengang Hegels rekonstruieren und seine Stringenz und Konsistenz diskutieren.

Literatur 

 

C 15425 Colloquium Politische Ideengeschichte

Do 18.00-20.00 Uhr, Ihnestr. 21, 21/F

Das Colloquium bietet Studierenden und Doktorand/innen die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeiten, Dissertationen und Forschungsprojekte aus dem Bereich der politischen Theorie und Ideengeschichte vorzustellen und zu diskutieren. Es kann auch als Forum genutzt werden, um Neuerscheinungen, die in den genannten Themenbereich fallen, gemeinsam zu erörtern.