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Laura Gorriahn und Hannah Riede setzen sich auf dem Theorieblog kritisch mit Exklusionsmechanismen in der Politischen Theorie auseinander

News vom 26.11.2019

Frauen* in der Politischen Theorie. Eine feministische Kritik am Zustand unserer Disziplin

Die Politische Theorie ist männlich und weiß. Für Frauen* und People of Colour ist es offensichtlich deutlich schwieriger, sich in der Politischen Theorie zu etablieren. In Sachen Diversität hinkt die Disziplin anderen Geistes- und Sozialwissenschaften hinterher. In einem Fach, dessen Gegenstand die Reflexion gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse ist, erscheint dieser Zustand besonders verwunderlich. Warum also ist das so und was können wir dagegen tun?

Ein politisches Anliegen mit theoretischer Dimension

Nur 28 Prozent der Theorie-Professuren im deutschsprachigen Raum sind derzeit von Frauen* besetzt (nämlich 30 von 107, siehe die Liste** der Professuren im Themenbereich Politische Theorie, Philosophie und Ideengeschichte auf diesem Blog; in den Geisteswissenschaften insgesamt lag der Anteil 2017 laut statistischem Bundesamt bei 38%, in den Sozialwissenschaften bei 42% und in der Politikwissenschaft bei 32%). Ein ähnliches Geschlechter-Verhältnis zeigt sich auch in den Programmen vergangener DVPW-Sektionstagungen, in denen der Anteil von weiblichen Sprecher*innen nur knapp über einem Viertel lag; im Durchschnitt der Tagungen in Hamburg 2019, Bremen 2019, Bonn 2018, Hannover 2018, Trier 2017, Darmstadt 2016, München 2016 ergab unsere Erhebung einen Anteil von 29 Prozent. Diskussionen im Nachgang an Theorie-Panels oder Vorträge sind meistens noch stärker von Männern dominiert. Männliche Redebeiträge nehmen im Vergleich zu denen von Frauen* mehr Zeit und Raum ein und nicht selten melden sich in freien Sprechsituationen ausschließlich Männer zu Wort. Dass weibliche und migrantische Stimmen deutlich seltener gehört und gelesen werden, bedeutet, dass wir im Feld der Politischen Theorie besonders weit vom Ziel der Gleichstellung entfernt sind. Dieser Zustand hat darüber hinaus vor dem Hintergrund der Subjektivität von Wissen auch weitreichende Auswirkungen auf die Inhalte, Formen und Ergebnisse der Wissensproduktion. Weiterlesen

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