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Partizipation und Ungleichheit „beyond the state“. Eine explorative Studie zu den Teilhabechancen transnationaler zivilgesellschaftlicher Akteure am Beispiel der Weltwirtschaftsorganisationen

 

  • gefördert von der DFG

Das Forschungsprojekt analysiert die Wechselwirkungen zwischen politischer Partizipation und Ungleichheit im Kontext von Institutionen der „global economic governance“. Dabei geht das Forschungsprojekt von der Beobachtung aus, dass Weltwirtschaftsorganisationen auf den seit den 90er Jahren erhobenen Vorwurf eines Legitimationsdefizits mit der Einrichtung sogenannter Dialog-Foren reagiert haben. Diese Foren kombinieren institutionalisierte, aber nach Status differenzierte Mitwirkungsmöglichkeiten mit situativ von den Herrschaftsträgern gewährter Mitwirkung. Vorläufige empirische Beobachtungen, die in der Vorbereitung zu diesem Projektantrag angestellt worden sind, legen die Vermutung nahe, dass die Dialogforen Ungleichheiten in mindestens zweierlei Hinsicht zementieren und verstärken: Erstens wird eine thematische Vorauswahl getroffen, die radikale Kritiker der bestehenden Ordnung nicht miteinschließt (politische Ungleichheit und Beziehungsungleichheit) und die politische Debatte so bereits konfiguriert. Zweitens beteiligen sich vorwiegend zivilgesellschaftliche Akteure aus den westlichen Industriestaaten (sozioökonomische und politische Ungleichheit). Vor diesem Hintergrund verfolgt das Forschungsprojekt eine doppelte Zielsetzung: Zum einen soll untersucht werden, welche Wechselwirkungen zwischen der dosierten Partizipation in und mittels der Dialog-Foren auf der einen und Ungleichheitsstrukturen auf der anderen Seite bestehen. Verstärken die aus Statusdifferenz und sozioökonomischen Ungleichheiten resultierenden disparitären Teilhabechancen zivilgesellschaftlicher Akteure eine für diese Akteure nachteilige Konfiguration des politischen Themenfeldes oder werden durch diese dosierten Partizipationsformen Ungleichheitsstrukturen aufgebrochen? Entwickeln sich dadurch, dass in den Dialog-Foren Akteure auftreten, die andere Sichtweisen repräsentieren, diskursive Dynamiken, die in dieser Form nicht vorgesehen waren? Zum anderen soll rekonstruiert und kritisch analysiert werden, welche Vorstellungen von (transnationaler) Demokratie bzw. demokratischer Legitimität die Reformbemühungen im Allgemeinen und den Dialog-Foren im Besonderen anleiten und inspirieren. Damit leistet das Projekt auch einen Beitrag zur Debatte über die Aussichten, Herausforderungen und Grenzen transnationaler Demokratisierung.

 

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