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Promotionsprojekte am Arbeitsbereich Politik und Recht

Anton Haffner - Transformation und Kontinuität sozialer Bewegungen: Eine andere Welt bleibt möglich?

Das Dissertationsprojekt untersucht Kontinuitäten und Brüche zwischen aufeinanderfolgenden sozialen Bewegungen. Anhand der Übergänge zwischen globalisierungskritischen Protesten und darauffolgenden Bewegungen gegen Austeritätspolitik einerseits und der Klimabewegung andererseits interessiert sich das Projekt für die relative Stabilität von Protestmilieus und die internen und externen Quellen von Veränderung. Basierend auf Ansätzen zu kollektiver Identität verwendet die Studie narrative und lebensgeschichtliche Methoden, um die Wandlungsprozesse zu analysieren. In politiktheoretischer Perspektive schließlich erscheinen dabei diese Bewegungen als eine dauerhafte politische Artikulationsform in zeitgenössischen Demokratien, die einer eigenen Logik gehorcht, aber in enger Beziehung zum formalen politischen System steht.

Daniel Staemmler - Digitaler Widerstand und die Politik präfigurativer Technologien

Das Promotionsprojekt untersucht das Entwickeln und Betreiben alternativer Infrastrukturen digitaler Kommunikation als eine Form digitalen Aktivismus. Im Zuge des digitalen Wandels von Öffentlichkeit gerät Datafizierung zu einer vorherrschenden Bedingung für politische Teilhabe, gleichzeitig gefährdet sie die Institutionen moderner Demokratien. Transnationale Softwareprojekte wie Tor, Signal, oder Mastodon wenden sich gegen Datafizierung, indem sie Netzwerke und Anwendungen bereitstellen, die anonyme und dezentrale Kommunikation ermöglichen. Unter Rückgriff auf die Soziale Bewegungsforschung und die Science & Technology Studies, interessiert sich das Projekt für jene alternativen, digitalen Wirklichkeiten, welche die Akteure über Technik präfigurieren wollen. Die qualitative Erhebung soziotechnischer Imaginäre und Praktiken bildet die Grundlage für die Untersuchung des politischen Potenzials des digitalen Infrastrukturaktivismus. Vor dem Hintergurund der Digitalisierung als politischem Prozess, in dem die materiellen Bedingungen demokratischer Verfahren zur Disposition stehen, erarbeitet das Projekt ein kritisches Verständnis von alternativen Infrastrukturen digitaler Kommunikation und diskutiert deren politische Implikationen.

Danniel Gobbi - Politische Imaginäre der identitären Rechten

Der Aufstieg mehrerer identitärer rechter Parteien und Bewegungen rund um den Globus hat eine lebhafte Debatte darüber ausgelöst, wie sich diese Bewegungen, ihre Proteste und Mobilisierungen auf die Politik und die demokratische Ordnung auswirken. Hauptziel meiner Forschung ist es zu erarbeiten, wie sich diese Bewegungen und Gruppen Demokratie vorstellen und wie sie diese umgestalten. Basierend auf einer induktiven Perspektive, mit einem Grounded Theory Ansatz, wird mein Forschungsprojekt auf der Grundlage empirischer Arbeiten erfolgen, die ethnographische Beobachtung, Tiefeninterviews und Fokusgruppen mit Leitern und Unterstützern dieser Bewegungen kombinieren. Ihr Verständnis von politischer Herrschaft, die Art und Weise, wie sie „Wahrheit" authentifizieren, und eine Erarbeitung dessen, was ihre Unterstützer anspricht, sind die wichtigsten Dimensionen meiner Analyse darüber, wie diese Bewegungen die demokratische Ordnung konzipieren und beeinflussen.

Gülser Güner - Verschmelzung und Harmonie oder Kontroverse und Liquidation?

Die Dissertation untersucht die politischen Verhältnisse zwischen Marx/Engels und der Führung der deutschen Arbeiterbewegung mit besonderem Schwerpunkt auf die Jahre zwischen 1847 und 1852. Sie stellt dabei die von Marx und Engels gestellte These der „Verschmelzung“ zwischen dem „wissenschaftlichen“ Kommunismus und der deutschen Arbeiterbewegung grundsätzlich in Frage und will zeigen, dass es zwischen Marx/Engels und der Führung der Arbeiterbewegung von Anfang an unversöhnliche ideologische und politische Kontroversen gab. Die Unterstützung der Bourgeoisie seitens Marx und Engels bewertet die Arbeit dabei als den ausschlaggebenden Grund für den Konflikt zwischen beiden Parteien. Bei der Untersuchung werden insbesondere Bücher, Zeitungen, darunter der Kölner Arbeiterverein und die von Weitling herausgegebene Zeitung Republik der Arbeiter, Zeitschriften, Schriften, unter anderem von Marx/Engels, die im ausgewählten Zeitraum (1847-1852) geschrieben wurden, als Quelle der Textanalyse genommen.

Johanna Hase - Continuity and Change of Citizenship Narratives in Times of Global Migration

Politische Gemeinschaften konstruieren sich durch Bürgerschaftserzählungen, die ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einen Sinn verleihen und gleichzeitig das „Selbst“ vom „Anderen“ unterscheiden. Ausgehend von dieser Prämisse untersucht die Dissertation, wie sich Geschichte, Plot, Discours und Narration von Bürgerschaftserzählungen in einem Kontext von Mobilität verändern, wie Migrant*innen (nicht) Teil supranationaler, nationaler und lokaler Erzählungen des politischen „Wir“ werden, und argumentiert, dass die zentrale Frage in Zeiten globaler Migration nicht lautet „Wer sind wir?“, sondern „Wie wollen wir uns erzählen?“

Johannes Haaf - Die Position der Menschenrechte in der transnationalen Konstellation

Das Promotionsprojekt rekonstruiert und analysiert das politische Vermögen der Menschenrechte, um auf diese Weise eine weithin geteilte Voraussetzung der (Internationalen) Politischen Theorie zu befragen. Menschenrechte, so die Annahme, stellen ein hervorgehobenes Mittel bereit, um Prozesse der Selbstermächtigung, Verselbstständigung und Exklusion zu korrigieren, die als charakteristisch für die Verhältnisse der transnationalen Konstellation gelten können. Zugleich sind Menschenrechte aber Gegenstand umfangreicher Verrechtlichungsprozesse jenseits des Staates, die dieses Vermögen relativieren: Menschenrechte berechtigen zusehends, ohne deshalb politisch zu befähigen. Das Projekt verbindet entlang dieses Zusammenhangs demokratie- und rechtstheoretische Perspektiven mit Blick auf die Frage, inwiefern Menschenrechte in der transnationalen Konstellation noch ein wirksames Mittel der Politisierung und Demokratisierung bereitstellen.

Judith Möllhoff - Zur Ausweitung von Rechtssubjektivität – Wie werden Nichtmenschen vom Recht erfasst?

Das Dissertationsprojekt problematisiert diverse Formen der Ausweitung von Rechtsträgerschaft bzw. rechtlicher Subjektivität. Ausgehend von Tendenzen der verfassungsrechtlichen Anerkennung von nichtmenschlichen Entitäten im Recht in neuerer Zeit werden die Formen, Grenzen und Möglichkeiten untersucht, die die Erfassung solcher Entitäten durch das Recht bedeuten könnten. Dafür spielen Fragen nach den Erkenntnisformen des Rechts und ihren strukturellen Bedingungen eine zentrale Rolle, ebenso wie Fragen nach den lokalen und historischen Partikularitäten dieser Erkenntnis-, Macht- und Politikformen.

Krisztian Simon - Ausländische Finanzierung der unabhängigen Medien in den Hybridregimen Ost- und Mitteleuropas

Die Forschung von Krisztian Simon untersucht die Rolle der ausländischen Unterstützung für unabhängige Medien in zwei hybriden Regimen: Ungarn und Russland. Zwei Länder, in denen die Regierung gegenüber der Zivilgesellschaft und unabhängigen Medien feindlich gesinnt ist, und deshalb auch versucht die Arbeit der (überwiegend) ausländischen Unterstützer zu diskreditieren. Durch Interviews mit Journalisten und Redakteuren in den zwei genannten Ländern versucht er zu verstehen, welche Arten von ausländischer Förderung es in diesen Ländern gibt und wie Medien davon profitieren. Ein Ziel der Arbeit ist es, die Faktoren zu identifizieren, die bestimmen, ob ein Medium das Risiko der ausländischen Finanzierung eingehen will oder nicht. Dabei bringt seine Dissertation die politikwissenschaftliche Literatur zu hybriden Regimen sowie Forschungen zum Thema Media Capture und zur politischen Ökonomie der Medien zusammen und kontrastiert es mit empirischen Erkenntnissen vor Ort.

Laura Gorriahn - Precarious Membership and the Limits of Democracy: Protest beyond Citizenship

The PhD project scrutinizes precarious democratic membership as manifestation of the controversial relationship between democratic sovereignty and exclusion on the one hand and universal equality and fundamental freedoms on the other. Arguably, the denial of civil and political rights for large numbers of residents is in deep tension with the self-understanding of democratic constitutional states as spaces of equal freedom and brings a conceptual contradiction to bear. The study combines perspectives from democratic theory and critical migration studies and looks at protest of non-citizens and their supporters against deportations. Precisely because these political struggles foreground the conceptual contradictions internal to the project of democracy, they provide for a crucial epistemic avenue into the study of membership and exclusion. The project reflects upon the implications of these struggles for a critical understanding of democratic membership with the objective to further discussions about the limits and possibilities of citizenship as the material and conceptual horizon of democracy today.

Ole Meinefeld - Die Personalisierung der Republik. Untersuchungen zu Hannah Arendts politischer Theorie

Die Dissertation untersucht den systematischen Zusammenhang von Hannah Arendts Handlungstheorie und den Beschreibungen von historischen und zeitgenössischen Persönlichkeiten, wie bspw. John F. Kennedy, Rosa Luxemburg oder Benjamin Disraeli, die in Arendts Werk episodisch vorkommen. Diese exemplarischen Lebensgeschichten von Politikerinnen und Politikern erweisen sich in der Untersuchung als aufschlussreich, um erstens den Stellenwert von Personen für Arendts politische Theorie genauer zu fassen und um zweitens zu beschreiben, welchen Stellenwert Personalisierung von Politik für pluralistische Institutionen moderner Gesellschaften hat.

Sebastian Berg - Past and present of political datafication in the context of democratic representation

The project inquires the implications of data-based mediation and analysis techniques for the understanding of political representation. In the field of politics, the transforming effect attributed to digitalization is perceived in particular in the datafication of election campaigns, data-driven analyses of constituencies, or political communication via digital platforms. On the basis of a reconstruction of the US-American debate and its genealogy, the study argues that this effect neither results from a genuine logic of digital technology, nor is it simply to be understood as a form of digital domination. Rather, it has to be perceived as a matter of a changeable and contradictory appropriation in the field of politics. The political-theoretical study aims to show how political and technical elites justify the appropriation and application of this technique, to which conditions – such as the crisis of democratic representation – they react, and which ideas and understandings of democracy or representation compete for interpretive sovereignty.

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