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Jenny Stupka

Bild Stupka

Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft

Arbeitsbereich Politische Theorie und Rechtstheorie

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Adresse
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Ihnestraße 22
Raum 317
14195 Berlin
E-Mail
jenny.stupka[at]fu-berlin.de

Sprechstunde

Mittwochs 16-17h. Bitte melden Sie sich dafür per E-mail an.

Jenny Stupka ist seit Februar 2025 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Arbeitsbereichs. Sie hat ein Masterstudium der Philosophie an der FU abgeschlossen. Jenny Stupka promoviert bei Prof. Robin Celikates zu Widerstandspraxen gegen private Eigentumsordnungen und deren sozialphilosophem Gehalt.

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2026

15182 Hauptseminar
Politische Theorie der Areiterbewegung

Zeit: Montag, 10-12 Uhr (Erster Termin: 13.04.2026)
Ort: Ihnestr. 22, UG 4

Dieses Seminar untersucht strategische Streitfragen in der Geschichte der – schwerpunktmäßig deutschsprachigen – Arbeiterbewegung und fragt nach den politiktheoretischen Grundannahmen, die die jeweiligen Positionen fundieren. Politische Theorie wird dabei als systematische Reflexion auf kollektive Handlungsfähigkeit, Konstitution und Organisation politischer Akteure und die Beschaffenheit und Transformation politischer Herrschaft verstanden. Wir widmen uns Kontroversen über Führung und Basis, Spontaneität und Organisation, Partei und Gewerkschaft, Räte und Parlamentarismus sowie über die Möglichkeit einer Einheitsfront gegen den deutschen Faschismus. Wir lesen zentrale Reden, programmatische Schriften und theoretische Interventionen von Karl Marx, Rosa Luxemburg, Wladimir Iljitsch Lenin, Alexandra Kollontai, Ferdinand Lassalle, Eduard Bernstein, Anton Pannekoek und weiteren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Hochphase der deutschsprachigen Arbeiterbewegung zwischen der Gründung sozialdemokratischer Arbeitervereine in den 1860er Jahren und der Machtübertragung an die NSDAP 1933. Ein besonderes Augenmerk gilt neben der Verschränkung von Strategie- und Theoriebildung den Spannungen zwischen Klassenpolitik, antikolonialen Befreiungskämpfen und Geschlechterfragen – Problemlagen, die bis heute politische Debatten prägen. 

Zur Einführung in den historischen Kontext der Seminarlektüren werden empfohlen:

- Wolfgang Abendroth (1976): Ein Leben in der Arbeiterbewegung. Gespräche, aufgezeichnet und herausgegeben von B. Dietrich und J.Perels, Suhrkamp.

- Ralf Hoffrogge (2017): Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland und Österreich. Von den Anfängen bis 1914, Schmetterling.  

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Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2025/2026

15042 Proseminar
Was ist Fachismus? Was sollte Antifaschismus sein?

Zeit: Mittwoch, 14-16 Uhr 
Ort: Ihnestr. 21, Hörsaal A

Was ist Faschismus? Was soll Antifaschismus sein? Um gegenwärtige Formen von Faschismus und Tendenzen zur Faschisierung erkennen zu können, bedarf es allgemeiner Faschismustheorien, die in der Lage sind, Faschismus auch dann zu erfassen, wenn sich seine Entstehungsbedingungen und Erscheinungsformen gegenüber dem italienischen Faschismus und dem deutschen Nationalsozialismus wesentlich verändert haben. Das Seminar bietet einen Überblick insbesondere über jene Faschismustheorien der letzten hundert Jahre, die versucht haben, unterschiedliche Facetten des Phänomens in eine Gesamtinterpretation zu integrieren. Während Fragen nach der soziologischen Basis, der Psychologie von Masse und Individuum, nach Kultur und Ideologie – insbesondere im deutschen Kontext nach der Rolle des Antisemitismus – analytisch nur vorläufig getrennt behandelt werden können, richtet das Seminar den Fokus auf den faschistischen Staat: Wie wird der Staat im Faschismus transformiert? Wie werden staatliche Institutionen und das Recht genutzt, um den Faschismus auch kulturell zu verankern und auf Individuen einzuwirken? Wie hängen der faschistische Staat und die kapitalistische Wirtschaft zusammen? Zentral ist dabei die Frage, wo Brüche und Kontinuitäten zu liberalen Institutionen bestehen. Bereits seit den frühen 1920er Jahren gab es Versuche, den italienischen Faschismus sowie den deutschen Nationalsozialismus – noch in seiner paramilitärischen Phase – theoretisch zu fassen und deren Entstehung zu erklären. Die Schriften der 1930er- und 1940er-Jahre konzentrierten sich dann insbesondere auf den Nationalsozialismus als Staatsform und als totale Gesellschaft. Wir lesen aus dieser frühen Phase Texte von Max Horkheimer, Ernst Fraenkel, Franz Neumann und Alfred Sohn-Rethel – teils in innerer Emigration, teils im Exil verfasst. In den 1960er- und 1970er-Jahren kam es vor allem in der Bundesrepublik zu einer gesellschaftlichen Konfronation über Fragen der Mittäterschaft. Die Analysen von Nicos Poulantzas zur griechischen Militärdiktatur sowie die theoretischen Reflexionen von Angela Davis und George Jackson über ihre Erfahrungen im US-amerikanischen Gefängnissystem antizipieren Entwicklungen, die sich seit den 1990er-Jahren verbreitert haben. Der Fokus auf den italienischen Faschismus und den deutschen Nationalsozialismus wurde in der Forschung zunehmend erweitert – es rücken auch entstehende oder hybride Faschismen in den Blick. Im Anschluss rezipieren wir aktuelle Debatten und diskutieren, inwiefern sich gegenwärtig in den USA und Deutschland Prozesse der Faschisierung vollziehen. Je nach theoretischem Ansatz ergeben sich unterschiedliche Konsequenzen für eine antifaschistische Strategie. Wir betrachten Aspekte individueller Haltung, programmatischer Ausrichtung, Bewegungsorganisation sowie (pragmatischer) Abwehrbündnisse – teils mit Blick auf antifaschistische Aktivitäten der Theoretiker*innen selbst, teils im Rückgriff auf Praxisbeispiele, die ihren theoretischen Überlegungen entsprechen. Im Rahmen des Seminars organisieren wir gemeinsam eine öffentliche Veranstaltung zur Aktualität der behandelten Faschismustheorien sowie zur Einordnung gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklungen in Deutschland. Die konkrete thematische Zielsetzung erarbeiten wir im Laufe des Semesters auf Basis unserer gemeinsamen Diskussionen.

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15181 Hauptseminar
Der Staat in idealistischer und materialistischer Perspektive

Zeit: Montag, 14-16 Uhr 
Ort: Ihnestr. 21, Seminarraum F

Der Staat in idealistischer und materialistischer Perspektive Der moderne Staat gilt manchen als Friedensbringer und Vernunftinstanz, anderen als Schauplatz widerstreitender Interessen – und für wieder andere als ein nicht reformierbares Herrschaftsinstrument. Wir lernen mit der idealistischen und der materialistischen Tradition des Staatsdenkens zwei Linien kennen, die entscheidend dazu beitragen können, den modernen Staat zu verstehen. Während Kant, Hegel, Rousseau – mit zeitlichem Abstand auch Rawls und Habermas – jeweils darstellen, wie eine vernünftige staatliche Ordnung aussehen könnte, tritt die materialistische Staatstheorie immer auch mit einer strategischen Motivation an: Sie analysiert den bürgerlichen Staat mit dem Ziel, seine Strukturen offenzulegen, ihn zu transformieren oder zu überwinden. Marx ist wegen seiner Kritik der politischen Ökonomie und der These von der notwendigen Trennung von Staat und Gesellschaft im Kapitalismus einer der einflussreichsten Staatsdenker der Neuzeit, obwohl er selbst keine systematische Staatstheorie ausgearbeitet hat. Diese Aufgabe haben in seiner Folge u.a. Lenin, Horkheimer, Gramsci, Poulantzas und Joachim Hirsch übernommen. Das Seminar bietet die Möglichkeit, ein vertieftes Verständnis des „Staates“ als zentralen Begriff der politischen Theorie – und der Politikwissenschaft insgesamt – zu erlangen. Es reflektiert gleichzeitig anhand der idealistischen und materialistischen Herangehensweise zentrale methodische Grundorientierungen der politischen Theorie. Die idealistische Traditionslinie geht davon aus, dass politische Ordnung prinzipiell aus der Vernunft begründet werden kann – sie entwirft normative Modelle und fragt, wie eine gerechte oder vernünftige staatliche Ordnung aussehen sollte. Demgegenüber setzt die materialistische Methode an den gesellschaftlichen Verhältnissen, insbesondere an der politisch-ökonomischen Struktur, an. Sie versteht den Staat als Produkt historisch-materieller Kräfteverhältnisse und analysiert ihn im Kontext von Klassenverhältnissen, Interessen und ideologischer Hegemonie. Vor diesem Hintergrund sollen im letzten Drittel des Seminars die Deutungsangebote diskutiert werden, die beide Traditionslinien für das Verständnis aktueller Entwicklungen bieten. Angesichts des Erstarkens von rechtspopulistischen und rechtsradikalen Bewegungen und Parteien, mitunter sogar von Faschisierung, von zunehmenden Kriegen und der Klimakrise befinden sich liberale parlamentarische Demokratien in einer Lage der Heraus- und Überforderung. Welche Perspektiven eröffnen gegenwärtige, etwa neokantianische und hegemonietheoretische Adaptionen auf diese Lage? Die Erwartung ist, dass sie dabei helfen können, uns in dieser Situation der Überforderung grundlegend zu orientieren. Im Seminar kombiniere ich konzentrierte, detaillierte Textarbeit mit Gruppenarbeiten zu weiterführenden Fragestellungen. Ich lege großen Wert darauf, einen klaren roten Faden durch das gesamte Seminar erkennbar zu machen und verstehe das Seminar als ein gemeinsam verantwortetes Lerngeschehen.

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Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2025

15043 Proseminar
Privateigentum: Zeitgenössiche Kritiken und exemplarische verfassungsrechtliche Streitfälle

Der reichste Mann der Welt mischt sich in Wahlkämpfe ein, viele Menschen in Berlin können sich angemessenen Wohnraum kaum noch leisten, die Klimakrise zwingt viele Menschen mittellos zur Flucht – in den gegenwärtig zugespitzten Konflikten geht es um Fragen des Eigentums. Seit je werden die Ungleichheit der tatsächlichen Verteilung, aber auch das private Eigentum als prinzipieller Anspruch und soziale Praxis in Frage gestellt. Gleichzeitig bleibt privates Eigentum nach verbreitetem liberalem Verständnis sowohl das notwendige Mittel, um die je eigene Freiheit realisieren zu können, als auch verdientes Resultat unserer jeweiligen individuellen Anstrengungen. Dieses Seminar soll zunächst einen Überblick über neuere Kritiken des Privateigentums verschaffen. Was ist Privateigentum und wie unterscheidet es sich von anderen Formen des Eigentums? Welche Verhältnisse zu uns selbst, zu anderen, zur Politik und zur Sache stiftet das private Eigentum und welche setzt es voraus? Auf welche Weisen lassen sich diese Verhältnisse kritisieren? Als Grundlage und wichtige Bezugspunkte erarbeiten wir zunächst die zentralen Argumente Lockes und Hegels für die Notwendigkeit und Legitimität von privatem Eigentum sowie die Grundzüge der Marxschen Eigentumskritik. Für die gegenwärtige deutschsprachige kritische Eigentumstheorie ist der Bezug auf privates Eigentum als absolutes Verfügungsrecht bestimmend, was zu Kritiken des Eigentums als Hindernis eines angemessenen Gebrauchs (Daniel Loick) und als verinnerlichter Herrschaftshaltung zur Welt (Eva von Redecker) ausgearbeitet wird. Produktiv ergänzt werden diese Perspektiven durch die englischsprachigen Debatten, in denen gegenwärtig die Verstrickungen der modernen Propertisierung mit (Siedlungs-)Kolonialismen freigelegt werden (Brenna Bhandar). Im letzten Block des Seminars wenden wir uns exemplarisch aktuellen verfassungsrechtlichen Streitfällen über Eigentumsfragen zu.

Die Teilnahme setzt die Lektüre mitunter langer und eher anspruchsvoller Texte voraus. Die aktive Teilnahmeleistung erfordert eine mehrwöchige, intensive Zusammenarbeit in einer Kleingruppe.

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Frühere Lehrveranstaltungen

SoSe 2023

Proseminar „Privateigentum. Zeitgenössische Perspektiven“ am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin

SoSe 2021

Proseminar „Sein und Zeit (Erster Teil)“ gemeinsam mit Prof. Hilge Landweer am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin

WiSe 2014/15

Tutorium zum Einführungsmodul am Institut für Vergleichende Ethik an der Freien Universität Berlin

 

Forschungsinteressen:
  • Sozialphilosophie, insbesondere Eigentumstheorie

  • Kritische Theorie der Frankfurter Schule

  • Materialistische Staats- und Rechtstheorie

  • Verhältnis von politischer Strategie und Theorie

  • Praktische Philosophien von Kant und Hegel

  • Psychoanalyse und Philosophie

  • Philosophie und Malerei

Stupka, Jenny (2025): Sozialisierer statt Privatisierer: Kann der neoliberale Staat vergesellschaften (wollen)? in: Sebastian Huhnholz, Aaron Sahr, Eva Weiler (Hg.): Politische Theorien öffentlicher Finanzen: Zur (De-) Politisierung von Geld, Eigentum und Steuern. Leviathan Sonderband 43, Nomos, Baden-Baden.

Stupka Jenny (2024): Nicht irgendeine Praxis. Ein Plädoyer für strategisch involvierte Theoriearbeit, in: Mirko Broll und Eva Fleischmann (Hg.): Handeln in einer schlechten Welt: Zur Praxis der Kritik, Institut für Sozialforschung “Aus der Reihe”, Bertz & Fischer, Berlin.

Stupka, Jenny & Niklas Angebauer (2023): Unziviler Ungehorsam. In: Allgemeine Zeitschrift für Philosophie 48/2, 317-330. (Doppelrezension zu "Undienlichkeit. Gewaltgeschichte und politische Philosophie" und "Widerstände. Gewaltenteilung in statu nascendi" von Iris Därmann)

Öffentliche Beiträge in anderen Medien

Stupka, Jenny (im Erscheinen): Sich in den Wind stellen: Emanzipatorische Pressearbeit für die Vergesellschaftung, in: Das Lila Buch. Feministische Perspektiven auf Vergesellschaftung.

Stupka, Jenny (2024): “Konflikte ohne Ende? Was müssen wir lernen, damit kollektive Entscheidungsprozesse funktionieren?“ In: Zeitschrift Luxemburg 1/2024 „Zukunft mit Plan“. Digital zugänglich unter: https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/konflikte-ohne-ende/.

Stupka, Jenny (2022): Die politisch-strategischen und theoretischen Potenziale von Vergesellschaftung, in: Neue Energie für Vergesellschaftung für neue Energie. Eine Broschüre zur Vergesellschaftungs-Konferenz 2022. Digital zugänglich unter: https://communia.de/download-broschuere-zur-vergesellschaftungskonferenz-2022/.

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