Dipl.-Pol. Timo Pongrac

Timo Pongrac

Arbeitsbereich Politische Theorie und Philosophie

Wissenschaftlicher Mitarbeiter bis März 2019

E-Mail
timo.pongrac[at]fu-berlin.de

Lehrveranstaltung im Wintersemester 2018/2019

In diesem Semester biete ich keine Lehrveranstaltung an.

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Lehrveranstaltung im Sommersemester 2018

Proseminar (15032): Politik und Moral in der politischen Philosophie der frühen europäischen Neuzeit

Donnerstag, 12.00 - 14.00 Uhr, Ihnestr. 21, Hörsaal A

Im Zentrum des politikphilosophischen Diskurses der frühen europäischen Neuzeit stand eine Frage, die uns auch heute noch beschäftigt: die Frage nach dem angemessenen Verhältnis von Politik und Moral. Den Ausgangspunkt für ihre neuerliche Verhandlung bildete seinerzeit die Reformation: Mit der Konfessionalisierung des zuvor einheitlichen christlichen Weltbildes sah sich die politische Philosophie vor die Aufgabe gestellt, unter Bedingungen eines weltanschaulichen Pluralismus nach neuen normativen Fundamenten des Zusammenlebens zu suchen. Da mit der Konfessionalisierung des Glaubens zugleich eine Aufspaltung und Diversifizierung moralischer Vorstellungen einherging, reagierte sie auf die veränderten Rahmenbedingungen zunächst mit der Forderung nach einer Unterordnung der Moral unter die Funktionserfordernisse der Politik. Insofern der Eindruck entstand, dass sich sozialer Zusammenhalt nicht mit moralischen Mitteln herstellen ließ, dass, ganz im Gegenteil, moralische Forderungen eher konfliktstimulierende als konfliktschlichtende Effekte zur Folge hätten, sollte ein friedliches Miteinander auf politischem Wege, gleichsam autoritär, erzwungen werden – was wiederum eine Entlastung der Politik von moralischen Rücksichten zu implizieren schien. Diese Option wurde in der Folgezeit von der europäischen Philosophie der Aufklärung zusehends infrage gestellt. Sie suchte, auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen theoretischen Mitteln, nach neuen Grundlagen für eine universale, innerweltlich orientierte und begründete Moral – eine Moral, die üblicherweise in den Begriffen des Naturrechts ausbuchstabiert wurde und der sich, so die Forderung, auch die Politik zu unterwerfen habe. Ziel des Seminars ist es, diese Gedankenbewegung anhand klassischer ideengeschichtlicher Texte des 17. und 18. Jahrhunderts nachzuvollziehen und kritisch zu diskutieren. Dazu sollen nicht nur genuin politikphilosophische und naturrechtstheoretische Traktate aus der Traditionslinie des Kontraktualismus gelesen und gemeinsam erörtert werden, sondern darüber hinaus auch anthropologische, pädagogische, epistemologische sowie geschichtsphilosophische Texte und Überlegungen Berücksichtigung finden; denn nur so erschließt sich das Insgesamt des moralitätstheoretischen Begründungsprogramms in der Vielfalt seiner Facetten. In der Auseinandersetzung mit den Quellen sind die folgenden Fragen leitend: Gibt es universale Grundprinzipien der Moral und entsprechende Möglichkeiten ihrer Begründung? Oder ist stattdessen mit einer irreduziblen Pluralität moralischer Vorstellungen zu rechnen? Was sind die Konsequenzen für das Verhältnis von Politik und Moral, die sich aus dem Befürworten der einen oder der anderen Position ergeben könnten? Sollte es ein Recht auf oder gar eine Pflicht zum Widerstand geben? Sind soziale Konflikte immer schon moralisch imprägniert und aufgeladen oder existieren auch rein materielle Interessenkonflikte? Warum sollen Menschen überhaupt moralisch sein – und warum wollen sie es? Gibt es in Bezug auf die verhandelten Moralitätsverständnisse geschlechterspezifische Differenzen? Dies sind nur einige mögliche Fragen, auf die hin die im Seminar behandelten Texte untersucht werden können. 

Literaturhinweise:

Reinhart Koselleck: Kritik und Krise. Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1973 [1959] Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990 [1962]    

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Lehrveranstaltung im Sommersemester 2017

In diesem Semester biete ich keine Lehrveranstaltung an.

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Lehrveranstaltung im Wintersemester 2016/2017

Proseminar (PS/MWA) (15002/a): Die politische Philosophie von Jean-Jacques Rousseau

Freitag, 12.00 - 14.00 Uhr, Garystr. 55, Seminarraum 105

Jean-Jacques Rousseau ist einer der bedeutendsten Protagonisten der europäischen Aufklärung. Von besonderer politikphilosophischer Relevanz sind seine kultur- und gesellschaftskritischen Abhandlungen sowie seine staatstheoretischen Schriften. Mit den ersteren ist Rous¬seau zum Begründer der kritischen Sozialphilosophie geworden, die die Missstände und Unzulänglichkeiten moderner Gesellschaften aufzudecken und anzuklagen sich zur Aufgabe gemacht hat. Mit den letzteren konnte er zum entscheidenden Stichwortgeber direktdemokratischen Denkens avancieren, für welches die Prinzipien der Volkssouveränität und des Gemeinwohls den einzigen Legitimitätsgrund eines politischen Gemeinwesens abgeben. Aber Rousseau ist nicht nur eine bedeutende, sondern auch eine höchst umstrittene Gestalt. Man hat ihn als Vordenker der französischen Revolution gefeiert und gebrandmarkt, als Konservativen oder Romantiker etikettiert, als Utopisten oder illiberalen Ahnherrn des Totalitarismus angesehen und schließlich gar als Wahnsinnigen geschmäht. Diese vielfältigen Zuschreibungen machen eine Auseinandersetzung mit Rousseau zu einer lohnenden und herausfordernden Angelegenheit. Im Seminar werden wir seine politik- und sozialphilosophischen Überlegungen vor dem ideengeschichtlichen Hintergrund des neuzeitlichen Staatsdenkens und der Philosophie der Aufklärung analysieren und diskutieren. Dabei sollen auch Rousseaus ethische und pädagogische Ideen sowie seine geschlechtertheoretischen Ansichten in den Blick genommen werden. Das Seminar findet vierstündig statt. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Rous-seau soll in der zweiten Hälfte der Veranstaltung in die grundlegenden Techniken wissenschaftlichen Arbeitens (Wie lese ich wissenschaftliche und ideengeschichtliche Texte? Was ist eine wissenschaftliche Fragestellung? Wie zitiert man korrekt? Woher bekommt man die erforderliche Literatur? Was ist sonst noch beim Verfassen einer ideengeschichtlichen bzw. politiktheoretischen Hausarbeit zu beachten?) eingeführt werden. Aus diesem Grund richtet sich das Seminar ausschließlich an Studienanfänger_innen der Politikwissenschaft. Ein Besuch nur des inhaltlichen Teils ist nicht möglich.

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