Panafrikanismus Lektürekurs
(15482)
| Typ | Seminar |
|---|---|
| Dozent/in | Prof. Dr. Anja Osei |
| Institution | Freie Universität Berlin Otto-Suhr-Institut |
| Sprache | Deutsch |
| Semester | Sommersemester 2026 |
| Veranstaltungsumfang | |
| Maximale Teilnehmerzahl | 45 |
| Raum | Ihnestr. 22 UG 3 |
| Zeit | Donnerstag, 12-14 |
Pan-Afrikanismus hat seine Wurzeln in anti-kolonialen Bewegungen und verbindet Forderungen nach afrikanischer Einheit, Souveränität und Entwicklung. Diese Leitmotive prägten die Gründung der Organization of African Unity (OAU), später der African Union (AU), sowie regionaler Gemeinschaften wie ECOWAS. Gleichzeitig ist Pan-Afrikanismus nie ein geschlossenes ideologisches Projekt gewesen – schon klassische Autor*innen wie W. E. B. Du Bois oder Kwame Nkrumah betonten Spannungen zwischen Einheit und staatlicher Souveränität und zwischen Vision und politischer Praxis. Heute erlebt Pan-Afrikanismus eine Neuinterpretation. Militärregime in Mali, Burkina Faso und Niger nutzen souveränitätsorientierte Diskurse, um ihre Herrschaft zu legitimieren und bestehende regionale Ordnungen herauszufordern. In Senegal verbindet die Partei PASTEF Pan-Afrikanismus mit Reform- und Demokratiediskursen. Gleichzeitig engagieren sich digitale Akteure und Influencer in Debatten über den CFA-Franc, Neokolonialismus und afrikanische Agency. Dadurch entsteht ein narratives Feld, in dem dieselben Begriffe – Einheit, Souveränität, Entwicklung – für völlig unterschiedliche politische Projekte mobilisiert werden. SDas Seminar führt in diese historischen und aktuellen Debatten ein. Die Studierenden lesen sowohl zentrale Klassiker der Pan-Afrikanismus-Geschichte als auch zeitgenössische Quellen zu Neo-Pan-Afrikanismus in Militärregimen, Parteien und digitalen Öffentlichkeiten. Gemeinsam analysieren wir, wie sich Bedeutungen verschieben, wie konkurrierende Interpretationen entstehen und wie Pan-Afrikanismus heute genutzt wird, um verschiedene politische Projekte zu legitimieren.