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"Der Status Quo wird zum Risiko" : Jahreswohlstandsbericht 2019 erschienen

Am 1. März wurde der Jahreswohlstandsbericht seitens der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen veröffentlicht. Verantwortlicher Autor ist Roland Zieschank vom FFU. Der Bericht stellt ein erweitertes Verständnis von gesellschaftlichem Wohlstand vor und geht über die traditionelle Wirtschaftsberichterstattung hinaus.

News vom 05.03.2019

Die Mehrzahl einflussreicher politischer Akteure und Ökonomen sowie größere Teile der Öffentlichkeit sehen wirtschaftliches Wachstum als Problemlösung, gerade für soziale und  viele ökologische Probleme. Es gibt jedoch Indizien, dass einerseits die öffentliche Verschuldung in der Welt immer höher wird, andererseits soziale Ungleichgewichte und Umweltprobleme sich beharrlich halten. "Der Preis des Wachstums" wird höher, so die These, zusammen etwa mit dem Temperaturanstieg auch in Deutschland der letzten Jahre. Der Jahreswohlstandsbericht 2019 nimmt deshalb eine erweiterte Sicht ein und verfolgt Indikatoren, die andere Dimensionen gesellschaftlichen Wohlergehens mit beschreiben, wie die Artenvielfalt oder Einkommensverteilung -  Themen, mit dem sich Roland Zieschank am FFU seit längerem befasst. Ein Ergebnis ist, dass sich der Status Quo verfestigt - damit könnte man sich abfinden, wenn nicht unter Nachhaltigkeitskriterien das angezeigte Indikatorenniveau zu niedrig ausfällt. Ausbleibende Verbesserungen verwandeln sich dann in einen Risikofaktor - mit anderen Worten: Das "Naturkapital" als ein Teil gesellschaftlichen Wohlstands wird weiter degradiert. Unsere sozio-ökonomischen Potenziale wie Bildung, Investitionen oder der Anteil von Umweltschutzgütern werden in ihrem Beitrag für die Gesellschaft offensichtlich unterschätzt, sie verharren insgesamt im Reich des Mittelmäßigen.

Bei der Erstellung des inzwischen 3. Berichts handelt es sich um konkrete Politikberatung für eine Bundestagsfraktion. Die Inhalte liegen - davon unbeeinflusst - in der Verantwortung der Autoren. 

Der Jahreswohlstandsbericht ist ein Beitrag zur Frage, ob gesellschaftliches Wohlergehen weiterhin an Wachstumsraten gemessen werden soll. Oder ob es vor dem Hintergrund eines umfassenderen Verständisses hier nicht einer Modernisierung der traditionellen Wirtschaftsberichterstattung bedarf: Diese ist vermeintlich ein Beleg des Fortschritts - sie nimmt sich selbst aber seit Jahren davon aus, wie ein schneller Blick auf internationale und durchaus innovative Beispiele verdeutlicht.

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