Springe direkt zu Inhalt

Innovationsorientierte Chemiekalienpolitik. Politische, soziale und ökonomische Faktoren des verminderten Gebrauchs gefährlicher Stoffe.

Jacob, Klaus – 1999

Die vorliegende Arbeit ist eine kombinierte Implementations- und Evaluationsstudie der Chemikalienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland seit Inkrafttreten des Chemikaliengesetzes. Die Ziele der Chemikalienpolitik werden eingehend beleuchtet und die in diesem Politikfeld wichtigen Akteure werden auf ihre Handlungsmöglichkeiten hin beschrieben. Dieser ‚top-down‘-Darstellung aus Gesetzgeberperspektive wird im empirischen Teil eine Wirkungsanalyse gegenübergestellt. Mittels einer quasi kriminalistischen Vorgehensweise wird von den Wirkungen zu den Ursachen umweltentlastender Modernisierung zurückgeforscht. Für 182 umweltrelevante Industriechemikalien wird der Verlauf von Produktion und Verbrauch untersucht und nach den Ursachen des Verbrauchsrückgangs von rund einem Drittel der Stoffe gefragt. Um im Metapher der kriminalistischen Methode zu bleiben sucht der Ansatz also zunächst die ‚Leiche‘ und nimmt dann systematisch die Begleitumstände der Tat auf, stellt die Verdächtigen zusammen und fragt nach den Motiven möglicher Täter. Der Ansatz bleibt damit bewußt offen für die Dynamik und Breite staatlicher wie nichtstaatlicher Einflußfaktoren. Dabei ergibt sich eine überraschend geringe Bedeutung direkter Staatsinterventionen bei der Rückentwicklung bzw. Substitution der untersuchten Gefahrstoffe. Das zeigt sich u.a. daran, daß Eingriffe in vielen Fällen erst post factum erfolgen, z.B. nach Einstellung der Produktion. Nur 40% der direkt regulierten Gefahrstoffe haben einen rückläufigen Verbrauch, andere regulierte Chemikalien zeigen eine stabile oder steigende Produktion. Informationelle Instrumente, wie die öffentliche Definition von Umwelt- und Gesundheitsgefahren, scheinen dagegen von großer Bedeutung. Offenbar hatte nicht die direkte Maßnahme am Ende langwieriger Willensbildungsprozesse, sondern eben dieser vorgängige Ziel- und Willensbildungsprozeß selbst den entscheidenden Einfluß auf den Rückgang. Dieser Mechanismus wird in Fallstudien illustriert. Abschließend wird eine modellhafte Darstellung typischer Einflußabläufe formuliert und politisch-praktisch interpretiert.

Titel
Innovationsorientierte Chemiekalienpolitik. Politische, soziale und ökonomische Faktoren des verminderten Gebrauchs gefährlicher Stoffe.
Verfasser
Jacob, Klaus
Verlag
Herbert Utz Verlag
Ort
München
Datum
1999
Erschienen in
301 S.
Sprache
ger
Art
Text