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Einführung in die Theorie und Empirie der Politikdiffusion

(15271)

TypKernseminar
RaumIhnestr. 22, 14195 Berlin 22/UG3
Zeit
Beginn:13.04.2011
Mittwoch: 14:00 - 16:00 Uhr

Neue politische Programme oder Instrumente breiten sich oft sehr schnell international aus. Vielfach geschieht dies in Abwesenheit verbindlicher zwischenstaatlicher Übereinkommen. In solchen Fällen, in denen nationale Regierungen die politischen Maßnahmen anderer Regierungen freiwillig, d.h. ohne Zwang oder völkerrechtliche Verpflichtung, nachahmen, sprechen wir von Politikdiffusion. Beispiele für Politikdiffusion sind die internationale Ausbreitung von Abwrackprämien, Kampfhundgesetzen, Umweltministerien oder Gesetzen zur Förderung erneuerbarer Energien. Das Ergebnis von Diffusionsprozessen ist eine zunehmende Angleichung nationalstaatlicher Regelungsmuster, wie sie derzeit in vielen Politikfeldern beobachtet werden kann.

Politikdiffusion kann somit als dezentraler Prozess der freiwilligen Nachahmung externer Politikmodelle definiert werden. Sie umfasst rationales Lernen von erfolgreichen Politiken ebenso wie die Imitation eines als angemessen oder legitim erachteten Verhaltens anderer Nationalstaaten. Theoretischer Kern der politikwissenschaftlichen Diffusionsforschung ist die Annahme, dass politische Entscheidungen in einem Staat die Entscheidungen anderer Staaten in einem bestimmten Problemfeld beeinflussen. Diffusion ist dann der Oberbegriff für eine Gruppe von Mechanismen der internationalen Politikkonvergenz, die sich durch interdependente (gegenseitig abhängige), jedoch nicht zentral koordinierte und hierarchisch oder autoritativ gesteuerte nationalstaatliche Entscheidungsfindung auszeichnen.

Das Hauptseminar bietet eine Einführung in neuere theoretische Ansätze und aktuelle empirische Forschungen zur Politikdiffusion. Dabei werden zentrale Beiträge aus unterschiedlichen politikwissenschaftlichen Teildisziplinen, insbesondere der vergleichenden Politikwissenschaft und den Internationalen Beziehungen diskutiert. In der theoretischen Einführung stehen neben einer einleitenden Begriffsklärung und Abgrenzung zu anderen Ursachen der zunehmenden Konvergenz nationaler Regelungsmuster folgende Leitfragen im Vordergrund. Welche Ursachen hat Politikdiffusion? Welche strukturellen und prozessualen Faktoren begünstigen bzw. behindern Politikdiffusion? Was sind die zugrunde liegenden Motive von Entscheidungsträgern, externe Politikmodelle freiwillig nachzuahmen? Wie beeinflussen Diffusionsprozesse die Möglichkeiten globaler Politiksteuerung?

Der empirische Teil des Seminars beschäftigt sich mit aktuellen Forschungsergebnissen zur Politikdiffusion aus unterschiedlichen Politikbereichen und erfolgt entlang folgender Fragen. Welche Methoden kommen in der empirischen Forschung zu Politikdiffusion zur Anwendung? Inwieweit unterscheiden sich die beobachtbaren Diffusionsmuster zwischen verschiedenen Politikbereichen? Welche Gemeinsamkeiten lassen sich beobachten? Welche Schlussfolgerungen für die Politikdiffusion können aus den Unterschieden und Gemeinsamkeiten gezogen werden?

Da die Literatur zum Großteil aus dem englischen Sprachraum stammt, sind sehr gute Englischkenntnisse unabdingbar. Ein Leistungsnachweis erfordert neben der regelmäßigen Teilnahme und mündlicher Mitarbeit ein mündliches Referat, die schriftliche Rezension eines Textes aus der verpflichtenden Seminarlektüre (400 Wörter) und die Abfertigung einer Seminararbeit (5000-6000 Wörter).