Neues DFG-Projekt untersucht Bundesländer als „Versuchslabore“ in der Klimapolitik
Wie entstehen neue klimapolitische Maßnahmen in den Bundesländern? Inwiefern und warum werden sie von anderen Bundesländern übernommen – oder nicht? Und was sagt das über die Möglichkeiten und Grenzen des Föderalismus auf dem Weg zur Klimaneutralität aus? Diesen Fragen widmet sich ein neues von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt unter der Leitung von Dr. Antonios Souris.
News vom 05.06.2026
Das Konzept des „Laborföderalismus“ versteht föderale Systeme als eine Art Laborgebäude mit mehreren Versuchsräumen: In den einzelnen Gliedstaaten können neue Maßnahmen zunächst im kleineren Maßstab erprobt, ihre Wirkungen beobachtet und auf Grundlage dieser Erfahrungen von anderen adaptiert oder verworfen werden.
An diese Perspektive knüpft das Projekt an. Es untersucht den Föderalismus in Deutschland nicht nur als System verteilter Zuständigkeiten mit Koordinationsprozessen und Konflikten, sondern als institutionellen Rahmen, in dem politische Innovationen entstehen, erprobt und weitergetragen werden können. Im deutschen Föderalismus wird das Potenzial des Laborföderalismus vor allem im Implementierungsprozess relevant: Politische Ziele werden hauptsächlich auf nationaler oder europäischer Ebene formuliert, ihre konkrete Umsetzung erfolgt aber wesentlich durch die Bundesländer. Genau dies gilt auch für die Klimapolitik.
Das Projekt untersucht Laborföderalismus in der deutschen Klimapolitik entlang dreier analytischer Dimensionen: Innovation, Diffusion und Lernen. Im Zentrum stehen drei Forschungsfragen: Mit welchen neuen klimapolitischen Maßnahmen experimentieren die Bundesländer? Inwiefern werden diese Maßnahmen von anderen Bundesländern adaptiert? Und lassen sich dabei Lernprozesse beobachten? Methodisch verbindet das Projekt qualitative Inhaltsanalyse, automatisierte Textanalyse und Process Tracing.
Das Projekt wird den Laborföderalismus in Deutschland erstmals empirisch vermessen. Zugleich eröffnet dieser Perspektivwechsel neue Einsichten in die Möglichkeiten und Grenzen des Föderalismus bei der Bearbeitung gesellschaftlicher Transformationsaufgaben wie der verfassungsrechtlich gebotenen Herstellung von Klimaneutralität.
Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und läuft über drei Jahre bis 2029. Im Rahmen des Projekts werden zwei Stellen für studentische Hilfskräfte ausgeschrieben.


