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Föderalismus als Versuchslabor? Die deutschen Länder in der Implementierung der Klimapolitik (LABFED)

Projektleitung:
Förderung:

Deutsche Forschungsgemeinschaft 

LABFED

LABFED
Bildquelle: (c) Antonios Souris

Wirken die Bundesländer in der Klimapolitik als föderale „Versuchslabore“? Mit einem Mixed-Methods-Ansatz untersucht das Projekt, inwiefern die Bundesländer mit neuen klimapolitischen Maßnahmen experimentieren, diese von anderen Bundesländern adaptiert werden und welche Rolle gegenseitige Lernprozesse dabei spielen. // Do the German Länder act as federal “laboratories” in climate policy? Using a mixed-methods approach, the project examines the extent to which the Länder experiment with new climate policy measures, how these measures diffuse across the Länder, and whether this diffusion is driven by mutual learning.

Überblick

Das Konzept des „Laborföderalismus“ versteht föderale Systeme als eine Art Laborgebäude mit mehreren Versuchsräumen: In den einzelnen Gliedstaaten können neue Maßnahmen zunächst im kleineren Maßstab erprobt, ihre Wirkungen beobachtet und auf Grundlage dieser Erfahrungen von anderen adaptiert oder verworfen werden. Diese Beobachtung formulierte der britische Jurist und Politiker James Bryce bereits Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem er auf Reisen durch die USA den amerikanischen Föderalismus untersucht hatte. Louis Brandeis, Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, griff dieses Argument später in der Rechtsprechung auf und prägte die bis heute einflussreiche Formel der US-Bundesstaaten als „laboratories of democracy“: föderale Versuchslabore, deren Experimente mit neuen Maßnahmen auch anderen Orientierung geben können.

Daran knüpft das Projekt an: Es untersucht den Föderalismus in Deutschland nicht nur als System verteilter Zuständigkeiten mit Koordinationsprozessen und Konflikten, sondern als institutionellen Rahmen, in dem politische Innovation entstehen, erprobt und weitergetragen werden können. Im deutschen Föderalismus wird das Potenzial des Laborföderalismus vor allem im Implementierungsprozess relevant. Politische Ziele werden hauptsächlich auf der nationalen oder europäischen Ebene formuliert, ihre konkrete Umsetzung erfolgt aber wesentlich auf Ebene der Bundesländer. Genau dies gilt auch für die Klimapolitik.

Das Projekt untersucht den Laborföderalismus in der deutschen Klimapolitik entlang dreier analytischer Dimensionen: Innovation, Diffusion und Lernen. Im Zentrum stehen dementsprechend drei zentrale Forschungsfragen:

  • Mit welchen neuen klimapolitischen Maßnahmen experimentieren die Bundesländer?
  • Inwiefern werden diese Maßnahmen von anderen Bundesländern adaptiert?
  • Lassen sich dabei Lernprozesse zwischen den Bundesländern beobachten?

Dafür verfolgt das Projekt einen Mixed-Methods-Ansatz, der qualitative Inhaltsanalyse, automatisierte Textanalyse und Process Tracing verbindet.

Das Projekt wird den Laborföderalismus in Deutschland erstmals empirisch vermessen. Zugleich eröffnet dieser Perspektivwechsel neue Einsichten in die Möglichkeiten und Grenzen des Föderalismus bei der Bearbeitung gesellschaftlicher Transformationsaufgaben wie der verfassungsrechtlich gebotenen Herstellung der Klimaneutralität.

Overview

The concept of “laboratory federalism” views federal systems as institutional settings with multiple sites for experimentation: constituent units can test new policy measures on a smaller scale, while others may observe the effects and decide whether they adapt or avoid these measures on the basis of real-world experiences. This observation was already formulated in the late nineteenth century by the British jurist and politician James Bryce, who examined American federalism during his travels through the United States. In the 1930s, Louis Brandeis, Justice of the Supreme Court of the United States, took up this argument and famously described the American states as “laboratories of democracy” that can experiment with new policy measures and thus provide guidance for others.

The project draws on Brandeis’ perspective. It examines federalism in Germany not only as a system of divided powers with extensive coordination processes and conflicts, but also as an institutional framework in which political innovation can emerge and diffuse across the constituent units (Länder). In German federalism, the potential of laboratory federalism becomes particularly relevant during implementation. Political goals are usually formulated at the national or European level, while the Länder are responsible for implementing them. This is precisely the case in climate policy.

The project examines laboratory federalism in German climate policy along three analytical dimensions: innovation, diffusion, and learning. Accordingly, it focuses on three central research questions:

  • What new climate policy measures are the Länder experimenting with?
  • To what extent are these measures adapted by other Länder?
  • Can we observe learning processes between the Länder in these diffusion processes?

To answer these questions, the project adopts a mixed-methods approach that combines qualitative content analysis, automated text analysis, and process tracing.

The project provides the first empirical assessment of laboratory federalism in Germany. At the same time, the shift in perspective opens up new insights into the possibilities and limits of federalism in addressing major transformation challenges such as achieving the constitutional provision of climate neutrality.

Publications

2025. Laborföderalismus in Deutschland: Experimentieren und Lernen im Bundesstaat. In: Europäisches Zentrum für Föderalismus-Forschung Tübingen (Ed.): Jahrbuch des Föderalismus. Baden-Baden: Nomos, pp. 212-221. Link 

Presentations

2026. Is there a “laboratory federalism” in climate governance? Evidence from a systematic literature review. Tagung der DVPW-Sektion "Politische Ökonomie", Berlin 24.-25. September 2026. 

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