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Kien Nghi Ha (Tübingen), Sharon Dodua Otoo (Berlin) und Mirjam Zadoff (München) über "Unrechte verbunden erzählen"

04.07.2022 | 18:00 c.t. - 19:45

Im Rahmen des vom Projekt "Geschichte der Ihnestraße 22" ausgerichteten OFFENEN HÖRSAALS "Eugenik – Entmenschlichung – Erinnerung" diskutieren Kien Nghi Ha (Universität Tübingen), Sharon Dodua Otoo (Schriftstellerin, Berlin) und Mirjam Zadoff (NS-Dokumentationszentrum München) über "Unrechte verbunden erzählen".

Unter den Tätigkeiten des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik haben viele Menschen gelitten, die wir heute häufig als Angehörige getrennter Opfergruppen denken. Die Praktiken, die zu ihrer Rassifizierung und Entmenschlichung führten, wiesen aber viele strukturelle Ähnlichkeiten auf und überschnitten sich häufig. Es liegt deshalb nahe, sie in Verbindung miteinander zu erzählen. Wie können wir dies mit Empathie tun? Wie ohne dabei alles unterschiedslos über einen Kamm zu scheren? Sollten wir es überhaupt tun? Wie sinnvoll ist es, Kontinuitäten ins heute zu zeichnen? Eine Schriftstellerin, eine Museumdirektorin und ein Wissenschaftler kommen darüber miteinander ins Gespräch.

Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo gewährt Einblicke in die miteinander verwobenen Adas aus ihrem Roman „Adas Raum“. Mirjam Zadoff berichtet, warum sie mit der Ausstellung „tell me about yesterday tomorrow“ künstlerische Perspektiven auf rezente Gewalt in das NS-Dokuzentrum München holte. Kien Nghi Ha erinnert uns an die Berührungspunkte und trennenden Aspekte in der Verfolgung von Menschen unterschiedlicher Herkünfte.

Kien Nghi Ha, promovierter Kultur- und Politikwissenschaftler, lehrt und forscht zu Asian German Studies an der Universität Tübingen. Zahlreiche Publikationen zu postkolonialer Kritik, Rassismus und Migration. Zuletzt ist der Sammelband "Asiatische Deutsche Extended. Vietnamesische Diaspora and Beyond" (Assoziation A, 2021) als erweiterte Neuauflage erscheinen. Seine Promotionsarbeit "Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen 'Rassenbastarde'" (transcript 2010) wurde mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2011 ausgezeichnet.

Sharon Dodua Otoo (*1972 in London) ist Schriftstellerin und politische Aktivistin. Sie schreibt Prosa und Essays und ist Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe „»Witnessed« (edition assemblage). Ihre ersten Novellen »die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle« und »Synchronicity« erschienen zuletzt 2017 beim S. Fischer Verlag. Mit dem Text »Herr Gröttrup setzt sich hin« gewann Otoo 2016 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2020 hielt sie die Klagenfurter Rede zur Literatur »Dürfen Schwarze Blumen Malen?«, die im Verlag Heyn erschien. Politisch aktiv ist Otoo bei der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V., Phoenix e.V. und ist verbunden mit dem Schwarzen queer-feministischen Verein ADEFRA.  »Adas Raum«, ihr erster Roman, erschien 2021 im S. Fischer Verlag. Im Sommer 2022 folgt »Herr Gröttrup setzt sich hin«. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Mirjam Zadoff ist Direktorin des NS-Dokumentationszentrums in München, sie unterrichtet an der LMU München und ist außerordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Zuvor war sie Professorin für Geschichte und Jüdische Studien an der Indiana University Bloomington. Für ihre Forschung wurde sie u.a. mit dem Fraenkel Prize der Wiener Library und dem Salo W. Baron Book Prize der American Academy for Jewish Research ausgezeichnet.

Zeit & Ort

04.07.2022 | 18:00 c.t. - 19:45

Henry-Ford-Bau, Hörsaal A, Garystraße 55, 14195 Berlin-Dahlem (U Thielplatz, mit Aufzug).
Der Hörsaal ist barrierefrei zugänglich.

Weitere Informationen

Anmeldungen bitte an ihne22@polsoz.fu-berlin.de

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