Der Index kultureller Ähnlichkeit. Konstruktion und Diskussion

Jochen Roose

Berliner Studien zur Soziologie Europas Nr. 21 | Februar 2010 | Download als PDF

Abstract

In der Transnationalisierungs- und Europäisierungsforschung wird seit einiger Zeit gefragt, wie sich intensivere und weniger intensive Verbindungen zwischen Ländern erklären lassen. Ein möglicher Erklärungsfaktor ist die kulturelle Ähnlichkeit. Der soziologische Diskurs zu sozialer Integration legt entsprechende Argumente nahe. Eine Messung von kultureller Ähnlichkeit und damit die empirische Prüfung des Arguments bleibt aber meist aus, in Einzelfällen wurden Ersatzmessungen (Ähnlichkeit der Sprachfamilien, geographische Distanz) vorgeschlagen. Hier wird ein Index kultureller Ähnlichkeit entwickelt als quantitative Makroabbildung der kulturellen (Un-)Ähnlichkeit von Ländern. Der Index beruht auf dem Wilks‘ Lambda von Diskriminanzanalysen im Länderpaarvergleich über die Fragebatterie der Wertefragen von Shalom Schwartz, wie sie im Europan Social Survey implementiert ist. Die Prüfung des Index weist eine sehr gute intertemporale Stabilität und deutliche Unterschiede zu den Ersatzmessungen aus. Ob die Wohnbevölkerung einschließlich der Ausländer oder ausschließlich die autochthone Bevölkerung Basis der Berechnung ist, hat dagegen nur in einem Fall (Estland) erhebliche Auswirkungen. Abschließend zeigt sich, dass die Indexwerte bei benachbarten Ländern etwas höher ausfallen als bei nicht benachbarten. Früher politisch zusammengefasste Länder und Länder mit gleicher religiöser Prägung sind dagegen nur unwesentlich ähnlicher. Im Fazit wird die Einsetzbarkeit des Index kultureller Ähnlichkeit kritisch resümiert. Ein Anhang mit den Indexwerten für verschiedene Jahre und Kontextinformationen komplettiert den Beitrag.

 

Eine gekürzte Fassung ist erschienen in:

Roose, Jochen. 2012. "Die quantitative Bestimmung kultureller Unterschiedlichkeit in Europa. Vorschlag für einen Index kultureller Ähnlichkeit." Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 64(2):361-376.

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