Transnationalisierung und Europäisierung der Altersrente? Entwicklung beim Zugang in Altersrente in Deutschland (1993 – 2009)

Ralf K. Himmelreicher & Tine Scheffelmeier

Berliner Studien zur Soziologie Europas Nr. 26 | April 2012 | Download als pdf

 

Abstract

Transnationalisierung und Europäisierung gehen mit einer zunehmenden Bedeutung von grenzüberschreitenden Arbeitsmigrationsprozessen einher. Diese These wird auf Basis von Scientific Use Files der Rentenzugangsstatistik (1993-2009), die vom Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung (FDZ-RV) zur Verfügung gestellt werden, überprüft. Im Ergebnis zeigt sich innerhalb des Beobachtungsfensters eine differenzierte Entwicklung: steigende Anteile von Rentnerinnen und Rentnern mit transnationalen (Vertrags-)Renten belegen die These häufiger werdender Erwerbsbiografien mit nationenübergreifenden Arbeitserfahrungen. Die Befunde verweisen auf eine wachsende länderübergreifende Arbeitsmobilität und vor allem auf eine zunehmende Freizügigkeit innerhalb der EU. Umgekehrt ist bemerkenswert, dass die Anteile von ins Ausland gezahlten Altersrenten in Nicht-EU-Staaten im Beobachtungsfenster erheblich gesunken sind. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass viele Rentner aus Nicht-EU-Staaten – z. B. der Türkei – nach ihrer Berentung weiterhin in (West-)Deutschland wohnen und nicht in außereuropäische Staaten zurückgezogen sind. Insgesamt ist sowohl eine erhebliche Zunahme von transnationalen Erwerbsbiografien mit Phasen der Auslandsbeschäftigung von Inländern als auch die Beschäftigung von Ausländern in Deutschland zu konstatieren, insbesondere innerhalb der europäischen Staaten. Jedoch sind die durchschnittlichen Arbeitsentgelte und somit die Anwartschaften von Versicherten mit ausländischer Staatsbürgerschaft im Durchschnitt niedriger als die der Deutschen.

 

Soziologie - Euiropäische Gesellschaften