Die Globalisierung des Arbeitsmarktes. Die Veränderung der Nachfrage nach transnationalem Humankapital im Zeitverlauf (1960-2014) und im Ländervergleich auf der Grundlage einer Analyse von Stellenanzeigen

Jürgen Gerhards, Silke Hans, Sören Carlson & Daniel Drewski

Berliner Studien zur Soziologie Europas (BSSE) Nr. 35 | Mai 2015 | Download as pdf

 

Abstract

Wir gehen in diesem Artikel der Frage nach, ob sich im Zuge von Globalisierungsprozessen der letzten Jahrzehnte die Nachfrage nach transnationalem Humankapital (Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenzen und Wissen über andere Länder und Gesellschaften) am deutschen, niederländischen und britischen Arbeitsmarkt verändert hat. Auf der Grundlage einer systematischen Inhaltsanalyse von Stellenanzeigen in regionalen und überregionalen Tageszeitungen und von Eurobarometerdaten kann gezeigt werden, dass die Nachfrage nach transnationalem Humankapital besonders in der Form von Fremdsprachenkenntnissen im Zeitverlauf zugenommen hat. Sie ist besonders hoch in hochqualifizierten Dienstleistungsberufen. Zugleich zeigen sich deutliche Länderunterschiede in der Arbeitsmarktnachfrage nach transnationalem Humankapital, die durch den Globalisierungsgrad eines Landes und den Verbreitungsgrad der Landessprache plausibilisiert werden können. Allerdings stößt die Validität einer Stellenanzeigenanalyse zur Ermittlung von Qualifikationsanforderungen am Arbeitsmarkt an ihre Grenzen, wenn bestimmte Kompetenzen in einer Gesellschaft als zunehmend selbstverständlich erachtet werden, wie heutzutage z.B. die Englischkompetenz. Insgesamt können wir jedoch zeigen, dass der Besitz von transnationalem Humankapital zu einer wichtigen Qualifikation am Arbeitsmarkt geworden ist.

Soziologie - Euiropäische Gesellschaften