Springe direkt zu Inhalt

Anatomie der Superreichen

Leitung

Prof. Dr. Jürgen Gerhards

Beschreibung des Projektvorhabens

Die Vermögensungleichheit hat sich in den letzten Dekaden in vielen Gesellschaften der Welt deutlich erhöht. Vor allem ist die Anzahl an Personen, die sich an der Spitze der Reichtumsverteilung befindet und über ein Vermögen von mehr als eine Milliarde Dollar verfügt, deutlich angestiegen. Auch das Gesamtvermögen der sogenannten Superreichen und deren prozentualer Anteil am weltweiten Vermögen hat im Zeitverlauf erheblich zugenommen. 

Die besondere Stellung der Superreichen lässt sich analytisch aber nur hinreichend gut begreifen, wenn man eine rein ökonomische Betrachtungsweise um eine breitere gesellschaftstheoretische Perspektive ersetzt. Das Projekt nimmt Bezug auf Pierre Bourdieus Kapitalientheorie und erweitertet zugleich dessen Theorierahmen, indem die von Bourdieu unterschiedenen Kapitalien um weitere ergänzt werden. Superreiche sind nicht nur diejenigen, die über ein exorbitant hohes ökonomisches Kapital verfügen. Ihr Vermögen setzt sie in die Lage, ihr ökonomisches Kapital in andere Vorteile zu konvertieren. Und sie machen von dieser Möglichkeit auch Gebrauch. 

Das Projekt ist als Buchprojekt konzipiert. Auf der Basis einer breiten Sichtung der Sekundärliteratur und eigener empirischer Erhebungen versucht sich das Buch in einem soziologischen Gesamtportrait der Superreichen. Die verschiedenen Kapitel des Buchs folgen der Idee der Konvertierung von Vermögen in andere Kapitalien. Ich analysiere u.a., wie  die Gruppe der Superreichen, die zu 90% aus Männern besteht, ihr Vermögen gegen das erotische und kulturelle Kapital von Frauen tauscht, ihr Vermögen in den Erwerb mehrerer Staatsbürgerschaften konvertiert, um im Ernstfall ihr Herkunftsland schnell verlassen zu können, Lebensstile praktiziert, die ihnen Anerkennung und damit symbolisches Kapital einbringen und schließlich ihr Vermögen in politisches Kapital konvertiert, um damit unmittelbar oder indirekt auf die Entscheidungen von Regierungen Einfluss zu nehmen. Während Bourdieu die Vorstellung hatte, dass die Reichen ihren Reichtum und ihre Macht verschleiern müssen und dazu eine „Illusio des Feldes“ entwickeln, scheint sich dies geändert zu haben; die Konvertierung von Reichtum in andere Kapitalien erfolgt heute ungenierter als zuvor. 

Soziologie - Euiropäische Gesellschaften