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Die Betriebsbefragung des Sozio-oekonomisches Panels (Linked Employer Employee) 2. Welle

Institution:

Freie Universität Berlin, Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Institut für Personal und Arbeit (IPA) der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU)

Mitarbeiter/innen:
Projektlaufzeit:
01.11.2020 — 31.12.2026

Die Betriebsbefragung des SOEP – erstmalig im Jahr 2012 durchgeführt (hier weiterlesen) – geht in die zweite Runde. Im Mittelpunkt der Betriebsbefragung stehen die längerfristigen Veränderungen der Arbeitsbeziehungen im Kontext der fortlaufenden Digitalisierung. In diesem Zusammenhang werden auch die Folgen der Corona-Krisenerfahrungen für Personalmanagement und -führung untersucht.

Das Besondere an dieser Studie ist die Verknüpfung von Individual- und Organisationsdaten. Diese Datenstruktur ermöglicht zum Beispiel Analysen der Erwerbsbiographien und der Sozialstruktur, des Bildungsverhaltens und der Verwertung des Humankapitals, der Verwirklichungschancen und der Arbeits- und Lebenszufriedenheit. Die Verknüpfung von Individual-, Haushalts- und Betriebsdaten im Linked-Employer-Employee bereichert das SOEP nicht nur durch zusätzliche Variablen, sondern auch um eine weitere Datenquelle. Darüber hinaus soll das Projekt zur surveymethodischen Forschung, beispielsweise durch die Kombination von Befragung und Internet-Recherche zur Reliabilitätsprüfung, beitragen.

Vom 26. März 2025 bis zum 20. Januar 2026 wurde in Kooperation mit dem uzbonn, der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU) und dem Sozio-oekonomischen Panel am DIW Berlin (SOEP) die Studie „Herausforderungen durch zukünftige Krisen und Katastrophen“ durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine bundesweite Betriebsbefragung im Mixed-Mode-Verfahren mit computergestützten Telefon- und Web-Interviews (CATI & CAWI). Die Stichprobe wurde registerbasiert und stratifiziert gezogen: Unternehmen wurden nach Betriebsgröße und nach Branchen der kritischen Infrastruktur geschichtet, sodass alle relevanten Teilpopulationen in der Befragung vertreten sind; die Auswahl und Kontaktierung der Betriebe erfolgte anschließend nach dem Zufallsprinzip. Die Feldphase lief vom 26. März 2025 bis zum 20. Januar 2026. Die Ausschöpfungsquote der Bruttostichprobe betrug 9,3 %; insgesamt wurden 1.224 Interviews realisiert. Befragt wurden Geschäftsführungen, Angestellte aus Personal-, IT- oder Krisen- und Sicherheitsabteilungen sowie Betriebsräte und weitere Mitarbeitende – also ein breites Spektrum betrieblicher Akteure, die mit Fragen der Risikovorsorge befasst sind oder davon betroffen sein können.

Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Die Betroffenheit deutscher Unternehmen durch Krisen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während technologische und geopolitische Risiken wie Cyberangriffe oder Lieferkettenstörungen knapp die Hälfte der Betriebe treffen, sind andere Bedrohungen – etwa Naturkatastrophen oder Ausfälle kritischer Infrastrukturen – bislang seltener. Genau darin liegt jedoch ein zentrales Problem: Da weniger als 20 % der Unternehmen von diesen extremen Szenarien betroffen waren, bleibt die Vorsorge dafür häufig unzureichend. Zugleich wird deutlich, dass selbst seltene, aber schwerwiegende Ereignisse wie Stromausfälle oder militärische Krisen existenzbedrohende Folgen haben können – insbesondere für Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Besonders ins Auge fällt der Mangel an Vorbereitung auf den Verteidigungsfall: Sektorübergreifend fehlen weitgehend entsprechende Notfallpläne und Trainings. Gerade für Betriebe im quartären Sektor – etwa in den Bereichen Energie, Gesundheitswesen oder IT – ist dies eine gravierende Lücke, da ihr Ausfall unmittelbare Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft hätte. Hinzu kommen deutliche Defizite bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU): Sie verfügen seltener über strukturierte Risikoanalysen, unterhalten weniger systematische Vorsorgemaßnahmen und sind im Katastrophenschutz weniger engagiert als Großbetriebe. Ressourcenknappheit und weniger formalisierte Abläufe erhöhen hier die Anfälligkeit.

Ein weiterer zentraler Befund betrifft regionale und sektorale Unterschiede: Ländliche Regionen weisen ein höheres Bewusstsein für Katastrophenschutz auf und sind stärker mit lokalen Hilfsorganisationen vernetzt, während städtische Gebiete deutlich zurückliegen. Gerade in Metropolen mit hoher Bevölkerungsdichte sind Risikobewusstsein, Zusammenarbeit mit Behörden und Bereitschaft zur Unterstützung im Ernstfall weniger ausgeprägt – obwohl Städte besonders anfällig für großflächige Infrastrukturausfälle, etwa im Strom- oder Verkehrsnetz, sind. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass große Betriebe des quartären Sektors – etwa aus der IT- oder Gesundheitsbranche – deutlich resilienter aufgestellt sind als andere Branchen. Systematische Risikoanalysen, regelmäßige Notfallübungen und bessere finanzielle Ressourcen ermöglichen dort eine gezieltere Vorsorge.

Einen detaillierten Einblick in die Ergebnisse der Studie bietet der Kurzbericht der Studie.

Neue Publikation im August 2026:

Schröder, Carsten, Böhm, Tamara, Grabka, Markus M., Kritikos, Alexander, Liebig, Stefan, Maas, Martina, Matiaske, Wenzel, Labarca-Pinto, Daniel, Retter, Isabella, Schmidt, Torben Dall and Zenker, Juliane. "SOEP-LEE2: Data Updates and New Research Opportunities" Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 2026. https://doi.org/10.1515/jbnst-2026-0051

Fragebogen „Herausforderungen durch zukünftige Krisen und Katastrophen“