Dr. Gisela Dachs (Hebrew University of Jerusalem) sprach am Institut über das Israel-Bild in deutschen Medien

Dr. Gisela Dachs

Dr. Gisela Dachs
Bildquelle: Jonas Huggins

Blick ins Publikum

Blick ins Publikum
Bildquelle: Jonas Huggins

Die Herausforderungen der Israel-Berichterstattung waren Thema eines Vortrags, den Dr. Gisela Dachs, Journalistin und Dozentin an der Hebrew University of Jerusalem, am 1. Februar 2018 an unserem Institut hielt. Wie die langjährige „Zeit“-Korrespondentin auch aus eigener Erfahrung darstellte, sind die Anforderungen an Auslandskorrespondenten in Israel hoch - denn Berichte über das Land stoßen nach wie vor auf großes Interesse und lösen zugleich klare Reflexe, einschließlich zahlreicher Kommentare und Leserbriefe, aus. Die Erwartungen des Publikums sind dabei oft von innenpolitischen Debatten bestimmt, in denen Israel als „Projektionsfläche“ fungiere, wie Gisela Dachs am Beispiel mehrerer Länder illustrierte: So sei der Blick auf Israel in Deutschland bis heute wesentlich durch die Aufarbeitung des Holocaust geprägt, in Frankreich durch die Erfahrungen mit dem Kolonialismus in Algerien und in Großbritannien durch die britische Mandatszeit in Palästina bis 1948 beeinflusst.

Zudem schilderte Gisela Dachs, wie sich Journalisten im Zuge der Digitalisierung einem wachsenden Kosten- und Zeitdruck ausgesetzt sehen, was eine differenzierte Berichterstattung erschwere und die Reproduktion von Stereotypen begünstige. Auch als Journalistin war sie bisweilen mit diesen Klischees konfrontiert, wenn ihr von einer Redaktion als Illustration zu Artikeln über säkulare Israelis wiederholt Fotos ultraorthodoxer Juden vorgeschlagen wurden. Nach ihrer Einschätzung dürfte dies auch dem Bildangebot der Nachrichtenagenturen geschuldet sein, in dem kaum authentische Bilder des israelischen Alltags zu finden sind. Als Resümee plädierte Gisela Dachs nachdrücklich für eine präzise und ausgewogene Berichterstattung über Israel. Angesichts des „medialen Exports“ des israelisch-palästinensischen Konflikts komme den Auslandskorrespondenten dabei eine besondere Verantwortung zu.

Der Gastvortrag von Gisela Dachs fand im Rahmen der strategischen Partnerschaft zwischen der Hebrew University of Jerusalem und der Freien Universität Berlin statt. Gisela Dachs promovierte 2016 an der Tel Aviv University über „Einwandereridentitäten und Nachrichtennutzung“ und lehrt seitdem am European Forum der Hebrew University u.a. über Journalismus und über israelisch-europäische Wahrnehmungen. Unser Institut unterhält seit 2011 eine Kooperation mit dem Noah Mozes Department of Communication and Journalism der Hebrew University of Jerusalem.

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